„100 Jahre, das ist aller Ehren wert“

Musikverein Stockum feiert mit Empfang den Auftakt ins Jubiläumsjahr

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Feiern in diesem Jahr mit 100 Jahren Vereinsgeschichte ein herausragendes Ereignis: die Musiker des Musikvereins Stockum. Foto: Ute Bosen

Stockum – Für den Stockumer Musikverein hat mit dem neuen Jahr eine ereignisreiche Zeit begonnen. Als eine der ältesten Blaskapellen in der Region feiert der Verein sein 100-jähriges Bestehen. Die Musiker feierten am Sonntag den Auftakt in ihr Jubiläumsjahr. „100 Jahre Vereinsgeschichte sind ein ganz herausragendes Ereignis“, bemerkte Vorsitzender Bastian Struwe bei der Begrüßung beim Jahresempfang des Musikvereins, bei dem sich gut gelaunte Redner mit den Darbietungen des Musikvereins abwechselten.

„100 Jahre Musikverein, 100 Musik bei den unterschiedlichsten Anlässen, bei Prozessionen, Gottesdiensten, Ständchen, Kurkonzerten, Schützenfesten und unterschiedlichen Konzertformaten. 100 Jahre musikalische Aus- und Weiterbildung. 100 Jahre mit unzähligen Proben, mit bewegtem Vereinsleben, mit Höhen und Tiefen“, fasste Struwe die Vereinsgeschichte zusammen.

"100 Jahre in 10 Minuten"

Schon beim Betreten der Schützenhalle ließen Fotos die vergangenen 100 Jahre lebendig werden. Bei „100 Jahre Musikverein Stockum in 10 Minuten“ waren es Josef Krengel, Egbert Schulte, Berthold Pieper, Thorsten Veit, Hubertus Tolle und Ralf Scheffer, die als ehemalige, noch lebende Erste Vorsitzende vom Beginn des Vereins bis heute berichteten. 60 Mark seien es gewesen, die jeder der ersten 14 aktiven Männer in die Vereinskasse gezahlt habe, um Noten und Instrumente anzuschaffen. Das seien in etwa ein zwölftel des Monatslohns eines Buchhalters im Oktober 1920 gewesen. Im Dezember 1920 habe man aufgrund der Inflation für diesen Preis 25 Eier bekommen. Im Jahr 1923 dann eine weitere Kuriosität aufgrund der Inflation: 450.500 Mark werden in Stockum für die Anschaffung einer Tuba gesammelt. Vom Schneefall am 9. Mai zum zehnjährigen Bestehen wird berichtet. Vom Erliegen des Vereinslebens während des Zweiten Weltkriegs. Und dass bei den Neuanfängen mancher Platz unbesetzt blieb, weil viele Vereinsmitglieder im Krieg ihr Leben verloren hatten. Es wurde von Musikfesten mit großen Erfolgen berichtet. Darunter auch die drei bisher stattgefundenen „Hits up“-Konzerte. Die Gäste erfuhren von der seit 48 Jahren bestehenden Partnerschaft mit dem Musikverein Rötenbach und von 52 Jahren, in denen die Stockumer Musiker auf dem Schützenfest in Allendorf die Festmusik stellten. Von Nachwuchsproblemen im Jahr 1960 und der Gründung der Knaben- und Mädchenkapelle, des heutigen Jugendblasorchesters berichteten die ehemaligen Vorsitzenden und dass im Jahr 1988 die erste Frau im Musikverein mitspielen durfte, und dass der Musikverein heute mehr aktive Frauen als Männer zähle. 

Bewunderung für hohe Mitgliedszahl 

Gastredner Klaus Kaiser, Staatssekretär im Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen, gratulierte: „100 Jahre, das ist aller Ehren wert. Wir können als Land NRW von Stockum lernen“, erklärte er. Eine Bildungskette, von der Kita bis zum Schul- und Studium-Abschluss, fördere Talente. Dabei lobte Kaiser die Verknüpfung von Verein und Musikschule, wie sie der Stockumer Musikverein ausübe. Es gebe nicht nur im urbanen, sondern auch im ländlichen Raum viele Talente. Zuvor hatte er eindringlich vor den negativen Veränderungen in der Gesellschaft gewarnt und für Respekt und Toleranz plädiert. Kulturpolitisch sei die Musik enorm wichtig. „Musik verbindet und schlägt Brücken. Stellen Sie sich vor in Stockum gäbe es keinen Musikverein, keinen Chor. Wie arm wäre Ihr Zuhause.“

„Eine tiefe Verbeugung von der Stadt Sundern, stellvertretend von mir“, sagte Bürgermeister Ralph Brodel zum Jubiläum des Musikvereins und lobte die Qualität der musikalischen Darbietungen.

Die stellvertretende Landesmusikdirektorin Marie Becker, auch stellvertretende Kreisdirigentin im Volksmusikerbund NRW, bewunderte die hohe Mitgliederzahl des Musikvereins von etwa 200 Musikern jeden Alters in den verschiedenen Orchestern. Für ihre 30-jährige Mitgliedschaft ehrte sie Kathrin Tebbe, Guido Pieper und Daniel Alberts. Für 50-jährige Mitgliedschaft wurde Franz Ross geehrt. Der Musikverein Stockum ehrte aus seinen eigenen Reihen die Verdienste ihres Musikers Josef Pieper. Sie hoben sein Engagement bei der Gründung des Jugendblasorchesters, seine Zeit als Mitglied der Tanzmusik-Band „Amigos“ und seine langjährige Tätigkeit als Leiter der „Bambinos“ hervor.

Am Sonntag war zwar die offizielle Eröffnung des 100-jährigen Jubiläumsjahrs des Musikvereins. Seine erste besondere Aktion fand jedoch schon am Neujahrsmorgen, mit einer Fanfare vom Rehberg aus, statt. Als Nächstes wird am 22. April ein Benefizkonzert zugunsten der Jugendarbeit des Musikvereins mit der Egerländer Besetzung des Luftwaffenmusikkorps stattfinden.

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