„MeDiKuS 2.0.“ in Planung

In Sundern soll eine experimentelle Phase folgen 

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Stellten die Ergebnisse des Pilotprojektes „MeDiKuS“ der Öffentlichkeit vor: Projektleiter Dr. Olaf Gaus von der Uni Siegen (Mitte) und seine Mitarbeiter. Gespannt waren auch Wirtschaftsförderin Julia Wagener und Bürgermeister Ralph Brodel (links).

Sundern. Über ein Jahr haben sich Mitglieder des Forschungskollegs der Uni Siegen arbeitsintensiv mit dem Thema medizinische Versorgung in Sundern beschäftigt. Medizin, Digitalisierung, Kompetenz und Sicherheit – diese Kriterien stehen hinter dem Kürzel der Studie „MeDiKuS“, die nun kurz vor ihrem Abschluss steht und über die am Mittwochabend im Ratssaal der Stadt Sundern informiert wurde.

„Wir haben die Politik in Sundern für dieses Thema sensibilisieren können, Netzwerke zwischen der Politik, der Gesellschaft, den Patienten und den Medizinern gebildet, den Gesundheitsstandort Sundern durch die Studie bekannt gemacht und schon jetzt damit erreicht, dass sich eine junge Kinderpsychologin hier niederlassen wird“, fasste Bürgermeister Ralph Brodel gleich zu Beginn des Abends seine Sicht auf das Ende der Studie zusammen. „Wir hoffen sehr, dass es weitergeht und dies hier nur eine vorläufige Abschlussveranstaltung sein wird“, so Brodel weiter.

Das Folgeprojekt „MeDiKuS 2.0“ sei schon in Planung. Der entsprechende Antrag solle im Frühjahr an den Innovationsfond des Gesundheitsministeriums gestellt werden, erklärte Projektleiter Dr. Olaf Gaus vom Forschungskolleg der Uni Siegen (FoKoS).

Seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Caroline Reßing führte Interviews mit Ärzten, Patienten, Pflegern aus Seniorenheimen und Apothekern durch. Dieser Ansatz machte dem Forschungsteam in den vergangenen Monaten deutlich, was digital wünschenswert, akzeptabel oder sogar dringend notwendig wäre. Bei psychischen Erkrankungen lag die Akzeptanz, über den Bildschirm mit dem Arzt zu kommunizieren, bei fast Null (97,6 Prozent lehnten dies ab). Weiterbehandlungen bei chronischen Krankheiten oder dem Ausstellen von Folgerezepten per Telemedizin steht ein Großteil der Sunderner Bevölkerung dagegen positiv gegenüber. Ähnliche Ansichten vertraten auch Ärzte und Pflegeteams.

„Für digitale Sprechstunden benötigten wir aber Zeitersparnis an anderen Stellen“, stellte Dr. Gisbert Braukmann, Vorsitzender in der Ärztekammer Westfalen-Lippe für den Verwaltungsbezirk Arnsberg, fest. Digitale Standards müssten geschaffen werden, beispielsweise genormte Medikamentenpläne. Das vorherige Aussortieren, welcher Patient per Videochat behandelt werden kann und welcher nicht, müsse über geschultes Personal erfolgen. Wie es scheint, ist das gegenseitige persönliche Kennen vor einer telemedizinischen Behandlung Ärzten und Patienten gleichermaßen wichtig.

Elf weitere Orte einbezogen

Mit „MeDiKuS 2.0“ hofft man nun in die experimentelle Phase gehen zu können. „Dazu heißt es, einen rechtlichen und ethischen Rahmen abzustecken“, erklärte Dr. Gaus. Eine sogenannte Experimentierklausel sei nötig, damit mit den Daten der Patienten über das Internet gearbeitet werden dürfe. Ein Modell dazu hat das Forschungskolleg bereits erarbeitet. Der einzelne Mensch ist dabei der Inhaber seiner Patientendaten und erlaubt den Zugriff den jeweiligen Ärzten, Apotheken und Pflegediensten.

In das Forschungsprojekt zur Patientenversorgung auf digitalem Weg hat das Team der Uni Siegen mittlerweile noch elf weitere Orte einbezogen. „Über diese digitale Modellregion wollen wir im ,Dreiländereck’ übergreifend arbeiten“, so Dr. Gaus. Lennestadt, Attendorn, der Kreis Olpe, Kreuztal, Netphen, Freudenberg und Burbach aus Nordrhein-Westfalen, Haiger aus Hessen, Betzdorf, Wissen und Altenkirchen aus Rheinland-Pfalz sind die Gemeinden, in denen die verschiedensten Ansätze der Telemedizin erforscht werden. 

Dazu gehören die Terminierung der Behandlung von Patienten nach Dringlichkeit, die Übertragung der Vitaldaten von Patienten digital in die Praxis, Möglichkeiten von Hausbesuchen durch nicht ärztliche Praxismitarbeiter oder Fragen, wie digital eine Arztpraxis überhaupt sein kann.

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