Erste Weichen sind gestellt

Sunderner Stadtrat beschäftigt sich erneut mit Reaktivierung der Röhrtalbahn

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Rollen auf der Strecke der Röhrtalbahn wie hier in Stemel bald wieder Züge? Sollte das Land zustimmen, steht der Reaktivierung nichts mehr im Wege.

Sundern. „Ich habe mich vom Saulus zum Paulus gewandelt“, sagte Sunderns Bürgermeister Ralph Brodel in Bezug auf eine mögliche Reaktivierung der Röhrtalbahn, die am Donnerstagabend erneut Thema im Stadtrat war. Der Verwaltungschef sei als Gegner des Projekts gestartet, sehe es mittlerweile allerdings als „sehr wichtiges Zukunftsprojekt für Sundern“. In einer etwa zweistündigen Diskussion mit vielen Experten wurden einige offene Fragen rund um den Schienenverkehr zwischen Sundern und Neheim geklärt.

Brodel stellte gleich zu Beginn der lebhaften Diskussion klar, dass es eigentlich keines neuen Beschlusses bedürfe, dennoch wolle er Anfang 2018 einen „symbolischen“ neuen Beschluss fassen, „damit alle wissen: Sundern meint es ernst.“ Dieser solle nach Wunsch des Bürgermeisters möglichst einstimmig ausfallen. 

Um die Ratsmitglieder umfassend über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren, erläuterten Thomas Ressel, Geschäftsführer des Zweckverbandes Ruhr-Lippe (ZRL), und sein Kollege Klaus Pusch in einem Vortrag die wichtigsten Fakten und Rahmenbedingungen. Demnach habe ein gemeinsam mit dem Hochsauerlandkreis in Auftrag gegebenes Gutachten ergeben, dass die Rückkehr des Zugverkehrs ins Röhrtal volkswirtschaftlich sinnvoll sei. „Damit das der Fall ist, muss der Kosten-Nutzen-Wert einer Bahnstrecke über 1 liegen. Im Fall des hier bevorzugten Konzeptes liegt er bei 1,49“, berichtete Ressel. 

Für die Reaktivierung des Gleisabschnittes zwischen Sundern und Neheim gebe es zwei verschiedene Varianten: das Flügel- sowie das Pendelzugkonzept. Bei Ersterem wäre es möglich, ohne Umsteigen von Sundern nach Dortmund zu fahren, weil der Zug in Neheim an einen anderen gekoppelt und dann ins Ruhrgebiet weiterfahren würde. Da das aber in den jährlichen Betriebskosten etwa doppelt so teuer sei und es erhebliche Probleme bei der Fahrplananpassung gebe, komme für die Röhrtalbahn nur das Pendelzugkonzept in Frage. Das bedeutet, dass die Züge nur zwischen Sundern und Neheim verkehren und ein Umstieg nötig ist, um Richtung Dortmund weiterzufahren. 

Investitionsvolumen beträgt 13 Millionen Euro

Das Investitionsvolumen, um Gleise, Stationen und Bahnübergänge so in Schuss zu bringen, dass wieder regelmäßiger Zugverkehr im Röhrtal stattfinden kann, liegt laut einer Schätzung des ZRL bei etwa 13 Millionen Euro. Doch dieser nicht unbedingt kleine Betrag würde nicht den Haushalt der Stadt Sundern belasten: „Die Kosten trägt der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe, der die Gelder wiederum vom Land NRW bekommt“, erklärte Ressel. Lediglich die Kosten für Baumaßnahmen im Umfeld der Bahnhöfe sowie ein Drittel der Kosten für eventuelle Arbeiten an Bahnübergängen müssten aus dem Stadtsäckel bezahlt werden. 

Doch bis tatsächlich wieder täglich Schienenfahrzeuge von Neheim nach Sundern fahren können – und das würde nach Angaben von Ralph Brodel mindestens 12 bis 13 Jahre dauern –, ist allerdings noch eine Hürde zu nehmen: Die Reaktivierung der Röhrtalbahn muss in die Bedarfspläne des Landes aufgenommen werden. Dazu muss allerdings auch ein Gutachten des Landes den volkswirtschaftlichen Nutzen der Strecke nachweisen. Ist das geschehen, können Gelder für die Instandsetzung von Schienen, Stationen und Co. ausgeschüttet werden. 

Thomas Ressel richtete zum Abschluss seiner Ausführungen einen Appell an die Ratsmitglieder: „Diesen Schatz dieser Infrastruktur hat man nur einmal. Wenn er einmal bebaut wird, ist er weg.“ Jedoch würde der ZRL das Projekt nicht in Angriff nehmen, wenn die Lokalpolitiker das Ganze nicht wollen. „Ich sehe das leidenschaftslos. Wir können die Gelder direkt woanders verplanen“, sagte Ressel.

"Diesen Schatz müssen wir heben" 

Danach entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, wie Bürgermeister Brodel sie sich gewünscht hatte. Ratsmitglieder aus allen Fraktionen stellten ihre offenen Fragen, die Thomas Ressel kompetent und sachlich beantwortete. So klärte der Experte zu den Themen Kosten, Auswirkungen auf Bus- und Autoverkehr, Schallschutz oder Fahrten-Taktung auf. Geplant ist, dass die Züge im Ein-Stunden-Takt zwischen Neheim und Sundern über die Stationen Müschede, Hachen und Stemel pendeln. Im Zuge dessen müsste allerdings der Busverkehr zwischen diesen Orten ausgedünnt werden. „Wenn ein Zug fährt, macht es keinen Sinn, die Buslinien so aufrecht zu erhalten wie heute“, meinte Ressel. 

Die ersten Weichen für die Reaktivierung der Röhrtalbahn sind also gestellt, jetzt kommt es darauf an, ob auch das Land NRW grünes Licht für das Projekt gibt. Andreas Bahde (Bürger für Sundern) meinte: „Wenn die Kosten für Sundern in einem überschaubaren Rahmen bleiben, sind wir gezwungen, diesen Schatz zu heben.“

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