"Kapital = Kunst?" ist noch bis 17. Januar in Sundern zu sehen

Ausstellung in der Stadtgalerie regt zum Nachdenken an

Die Künstler Jon Sheldon, George Pusenkoff, Thomas Rentmeister und Rozbeh Asmani mit Kurator Gerard Goodrow (Mitte) vor den „Colour Markers“. Foto: Gaby Decker

„Kunst = Kapital?“ Mit Kunst wird Kapital gemacht! Die Kunst als Ware oder Ware als Kunst? Die aktuelle Ausstellung in der Sunderner Stadtgalerie wirft Fragen auf, aber sie stellt nicht den Anspruch, diese zu beantworten. Neun Künstler haben ihre Werke für diese Ausstellung zur Verfügung gestellt, um die Fragen an den Betrachter zu bringen und ihn zum weiteren Nachdenken anzuregen.

Gerard Goodrow, in Sundern schon bestens bekannt als der Kurator unterschiedlichster Ausstellungen, will heranführen an die Kunst. „Im vergangenen Jahr hatten wir die Ausstellung „Besondere Wissenschaften“, Kunst und Wissenschaft. Es war der gleiche Ansatz. Jemand der sagt, ich kann mit Kunst nichts anfangen, interessiert sich möglicherweise für die Wissenschaft. Genauso ist es bei dieser Ausstellung. Vielleicht interessiert sich ja jemand für das Thema Kapital und lässt sich über dieses Thema auf die Kunst ein.“

Es ist beeindruckend, was hier zusammen getragen wurde. Auf großes Format gebrachte Eintrittskarten von einem Museum von George Pusenkoff – Goodrow dazu: „Da hat sich der Museumsbesuch doch gelohnt, man kann es von der Steuer absetzen“ oder Aldi-Tüten auf Leinwand gemalt – wiederum Goodrow: „Es gibt Menschen, die laufen mit diesen Tüten durch New York. Sie sind mit Geld gefüllt. Es ist ihr Understatement. Sie verstecken sich hinter der Armut“.

Gerard Goodrow gab den Gästen der Ausstellung im Anschluss an die Begrüßung von Bürgermeister Ralf Brodel: „Kunst und Kapital gehören zusammen. Beides ist zutiefst menschlich“, eine Einführung in das Thema der ausgestellten Kunstobjekte. „Seit den 60-er Jahren gibt es den Trend – Kunst muss teuer sein, dann ist sie gut“. Goodrow hinterfragte diese Aussage. „Eine einfach Einkaufstüte aus der ehemaligen DDR, signiert und abgestempelt von einem namhaften Künstler (Joseph Beuys) wird dadurch zur Kunst erklärt, dass sie seine Insignien trägt“. Die Tüte ist in der Ausstellung zu sehen, wie weitere Objekte von ihm. Zum Beispiel ein Päckchen Rote Grütze Pulver hinter Glas oder eine Zeitungsseite: „Aufruf zur Alternative“. Joseph Beuys wird polarisieren.

Joseph Beuys wird polarisieren

Die Ausstellung nimmt aber auch das aktuelle Thema Islam und Terrorismus auf. Wobei das Thema Islam im Eingangsbereich noch einmal eine kleine besondere Ausstellung hat unter dem Titel: „Sympathisches Kopftuchmädchen“. Jon Sheldon zeigt mit seiner herrenlosen Reisetasche mit unbekannten Inhalten auf die aktuelle Angst und die Gefahren hin.

Klaus Staeck zeigt mit 14 Plakaten vor allem die Versuche der Ausbeutung und Respektlosigkeiten des sogenannten Kapitalismus am Menschen. Rozbeh Asmani hat eine große Wand mit 21 Bildern zur Verfügung gestellt. „Colourmarks“. Es bedarf einer Erklärung zum Kapitalismus: Colour Marks sind die Farben, die einer bestimmten Marke zugeordnet werden. Diese Firmen haben sich das Recht an dieser einen Farbe erworben. „Man denkt, Farben gehören niemanden. Sie sind für jeden zugänglich“, erklärt Gerard Goodrow seine Sicht darauf. „So wird zum Beispiel die Farbe Magenta immer Telekom zugeordnet. Selbst bei den Farben werden wir manipuliert ohne es wirklich zu merken. Das ist auch ein Ziel der Ausstellung, diese Strukturen ein wenig durchlässiger zu machen“. Vom gleichen Künstler sind zwei Chrisanthemenbilder. „Aus Chrisanthemen wird in den USA ein Stoff zur Herstellung von Pestiziden gewonnen“, erklärt der Kurator den Bezug.

Anne Knappstein, erste Vorsitzende des Kunstvereins und Kurator Gerard Goodrow haben mit ihrem Team wieder eine glückliche Hand bewiesen. Es ist allerdings eine Ausstellung, die an vielen Stellen der Erklärung bedarf. Die wird man bekommen. „Es sind schriftliche Erklärungen zu den Kunstobjekten in Arbeit“, erläutert Anne Knappstein. Ebenso sehenswert ist die Ausstellung von Lukas Pusch „Sympathisches Kopftuchmädchen“ im Foyer der Stadtgalerie. Mit acht Holzschnitten geht Pusch auf Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Religion ein.

Info: Die Ausstellungen sind bis zum 17. Januar 2016 zu sehen. Mittwoch bis Freitag von 16 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag von 12 bis 18 Uhr. An Feiertagen geschlossen.

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