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Ungetrübter Badespaß? Viele Fachkräfte in Arnsberg und Sundern am zeitlichen Limit

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Von: Andre Geißler

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Badespaß am Sorpesee: Das Strandbad in Langscheid ist bei den sommerlichen Temperaturen ein Anziehungspunkt. Für die Sicherheit der Badegäste sorgen hier Schwimmmeister der Sorpesee GmbH. © Andre Geißler

Ferienzeit, bestes Badewetter, volle Freibäder: Das derzeitige Sommerwetter mit reichlich Sonne und hohen Temperaturen lockt täglich viele hundert Gäste in Freibäder der Städte Arnsberg und Sundern. Auch die Ufer des Sorpesees laden zu einem ausgiebigen Badetag ein. Doch bei der Gewährleistung der Sicherheit der Badegäste stoßen die städtischen Betriebe und die DLRG aufgrund einer schmalen Personaldecke oft an ihre Grenzen.

Arnsberg/Sundern - „In der ersten Sommerferienwoche musste das Freibad Neheim reduziert geöffnet werden, da zwei Fachkräfte krankheitsbedingt ausgefallen sind. Die Personaldecke ist einfach zu dünn, um derartige Ausfälle zu kompensieren. Die Fachangestellten arbeiten generell über die Sommermonate am zeitlichen Limit“, erklärte Arnsbergs Pressesprecher Frank Albrecht auf Anfrage des SauerlandKurier die problematische Situation in diesem Sommer. Eine Vollzeitstelle sei seit Juni 2021 nicht besetzt. Seit geraumer Zeit stünden schlichtweg keine Fachkräfte am Arbeitsmarkt zur Verfügung und auch die Bewerberzahl der Auszubildenden sei weiterhin stark rückläufig. Bundesweit fehlten rund 2.500 Fachangestellte für Bäderbetriebe, in NRW seien drei von sieben Stellen nicht besetzt.

Immer mehr Menschen können nicht schwimmen

Zweiwöchiger Crashkurs für Neueinsteiger?: „Derzeit gibt es Bestrebungen, die Qualifikation für die Beckenaufsicht herabzusetzen. Dies ist wohl der falsche Weg, da der Fachkräftemangel nicht auf Kosten der Sicherheit der Badegäste gelöst werden darf und kann“, so Albrecht weiter. Die Zahl der Gäste, die nicht oder schlecht schwimmen könnten, hätte sich nach den beiden Corona-Jahren erhöht. Die qualitative Reduzierung der Wasseraufsicht sei somit nicht akzeptabel und äußerst gefährlich.

Ähnlich nahm auch Thomas Hanke, der seit 44 Jahren als Schwimmmeister bei der Stadt Sundern arbeitet und momentan die Hauptaufsicht im oft prall gefüllten Langscheider Strandbad übernommen hat, Stellung zu der aktuellen Lage: „Alle Aufsichtskräfte tragen eine Riesenverantwortung bei nicht besonders attraktiver Bezahlung. Auch in Zukunft wird es vermutlich schwer sein, neues, qualifiziertes Personal für diese Aufgaben zu akquirieren. Außerdem sind auch im Bereich der Bäder durch die Corona bedingten Schließungen viele Fachkräfte abgewandert, die jetzt fehlen.“

Anders als in anderen Kommunen sei man im Strandbad, das von der Sorpesee GmbH betrieben wird, derzeit aber ausreichend gut aufgestellt. Auch, weil auf Personal aus dem derzeit geschlossenen Sunderner Hallenbad zurückgegriffen werden kann. An besonders starken Hitzetagen (wie etwa Dienstag vor einer Woche) leisteten zwei ausgebildete Schwimmmeister sowie ein Rettungsschwimmer ihren Dienst, um unverzüglich eingreifen zu können, wenn dringend Hilfe benötigt wird.

Personalnot auch bei der DLRG

Prekärer zeigt sich die Situation in der jetzigen Hochsaison allerdings bei den Rettungskräften der DLRG Langscheid, die im gesamten Sorpesee-Areal an zahlreichen Tagen einen Einsatz nach dem anderen zu bewältigen haben. Des Öfteren auch aufgrund von uneinsichtigem Verhalten der Badegäste rund um den See: „Etwa 80 Prozent unserer Einsätze sind internistische Notfälle, die wir über die Wachdienste hereinbekommen. Oft sind es etwa Schnittwunden, die durch am Ufer hinterlassendem Müll und Scherben hervorgerufen werden. Die verbleibenden rund 20 Prozent betreffen die Wasserrettung sowie technische Hilfeleistung bei Wassersportlern. 18 aktive First Responder müssen rund um die Uhr immer wieder ausrücken“, äußerte sich die Pressesprecherin der Ortsgruppe, Annika Thüsing, zu Zahlen und Fakten der breit gefächerten, ehrenamtlich getätigten Aufgaben. Darüber hinaus unterstütze man die Polizei in Form von Patrouille-Fahrten, die vor allem bei großem Ansturm auf die Ufer notwendig seien. Immer wieder müsse man hier bei illegalem Grillen und verbotenen Feuern eingreifen.

„Sehr knapp, aber machbar“: Das Problem der Personalknappheit habe man derzeit gerade noch so im Griff. Dafür müssten sämtliche Mitglieder aber noch wesentlich flexibler als früher sein. Sehr dankbar und glücklich sei man ebenfalls darüber, dass Hauptamtliche von Feuerwehr und Rettungsdienst nach Dienstschluss aushelfen würden. „Dennoch: Allgemein werden dringend neue Rettungsschwimmer benötigt. Auch fehlt es an vielen Stellen an Rettungs-, Tauch- und Nichtschwimmer-Ausbildern. Wir freuen uns selbstverständlich über jeden neuen Freiwilligen, der hinzustößt“, so die Einladung Thüsings zum Mitmachen. Für Mitglieder gebe es viele verschiedene Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten.

Nähere Informationen und Mitgliedsanträge können Interessierte auf der Homepage der DLRG Ortsgruppe Langscheid aufrufen: www.langscheid.dlrg.de

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