Vögel und Fledermäuse in Turmstation

VNV nutzt historisches Bauwerk als Brutplatz

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Der Verteilerturm von Westnetz ist jetzt Brutplatz für Vögel, wie VNV-Mitglied Gerd Kistner, VNV-Vorsitzender Bernhard Koch, Andreas Steffen von Westnetz und VNV-Mitglied und Turmbetreuer Martin Lindner beim Anbringen des Infoschildes erklärten.

Sundern. Wo früher die Technik und eine Menge Kabel das Innere ausfüllten, dürfen jetzt Vögel und Fledermäuse hausen. Im südlichsten Teil Sunderns, hinter dem kleinen abgelegenen Ortsteil Saal, steht ein Turm, der lange Jahre als Transformatorenstation diente. Entlegene Haushalte wurden von hier über eine Freileitung mit Strom versorgt.

„Bis zum Jahr 2014 wurde der 1946 errichtete Turm als Teil des RWE-Verteilnetzes betrieben“, erklärte Andreas Steffen, der als Mitarbeiter der Westnetz GmbH deren Liegenschaften verwaltet. Durch die Umstellung auf Erdkabel und der Errichtung einer kompakten Trafostation habe man die „innogy“-Turmstation nicht mehr gebraucht.

Mit dem Verein für Natur- und Vogelschutz (VNV) fand man einen Partner, der das historische Bauwerk für einen obligatorischen Euro kaufte und nun als Artenschutzturm nutzt. Weil sich die Westnetz GmbH den Rückbau sparte, gab es für den Naturschutzverein eine Anschubfinanzierung von 4.000 Euro dazu.

Am vergangenen Freitag übergab Andreas Steffen das historische Gebäude offiziell in die Hände des Ersten Vorsitzenden des VNV, Bernhard Koch, und der beiden Turmbetreuer Martin Lindner und Gerd Kistner. Bereits im Jahr 2015 begann der VNV mit den Umbauarbeiten an und in dem tief im Wald liegenden Turm. Damit Vögel und Fledermäuse Brut und Nistplätze vorfinden, haben Martin Lindner und Gerd Kistner den Turm von außen mit vielen Nistkästen bestückt und im Innern einen Holzzwischenboden eingebaut. Über mehrere Löcher, an denen die ehemaligen Isolatoren angebracht waren, finden Fledermäuse und Waldkauz ihren Eingang. Eine ständig angebrachte Wildkamera hat den Waldkauz beim Blick in den Turm schon fotografiert. „Noch hat er sich aber nicht entschlossen dort auch zu nisten“, bemerkte Gerd Kistner. „Im letzten Sommer haben hier Kohlmeisen, Blaumeisen und Bachstelzen gebrütet“, ergänzte Martin Lindner.

27 Turmstationen zur Nachnutzung abgegeben 

Wer Vögel oder Fledermäuse am Turm beobachtet, könne dies gerne, eventuell auch mit Foto an mail@vnv-hsk.de melden. Eine Tafel mit entsprechendem Hinweis befindet seit Längerem vor Ort. Zur offiziellen Übergabe wurde eine weitere, durch Westnetz angefertigte Tafel am Turm angebracht. Erklärungen zur ehemaligen und jetzigen Nutzung der alten Transformatorenstation sind darauf zu lesen.

„27 Turmstationen sind in den vergangenen Jahren schon zur Nachnutzung in die Hände von Vereinen und privaten Trägern abgegeben worden“ erklärte Andreas Steffen. In ihnen seien schon die unterschiedlichsten Nachnutzungen entstanden. Es gebe zum Beispiel Wohntürme, Spieltürme und einer werde als öffentlich zugängliches Bücherregal genutzt.

Die Übergabe der innogy-Turmstation am Saal ist die erste an den Natur- und Vogelschutzverein. In einigen Wochen wird ein weiterer Turm in Schmallenberg-Menkhausen folgen. 

Der VNV ist im ganzen Hochsauerlandkreis aktiv. „Zum Beispiel betreiben wir die Beweidung von Grünland und Feuchtwiesen bei Marsberg mit der alten Rinderrasse „Rotes Höhenvieh“, erklärte der Erste Vorsitzende Bernhard Koch. Auch die Betreuung des Naturschutzgebietes“ Spreiberg“, dem ehemaligen Truppenübungsplatz am Rand von Arnsberg-Müschede, werde in Kooperation mit dem Nabu, dem Naturschutzbund Deutschland vom VNV durchgeführt.

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