Lob für Engagement, Einsatz und Hilfsbereitschaft

„Unglaubliche Bilder der Verwüstung“: Verwaltung zieht Bilanz nach Unwetterkatastrophe

Überflutung Hauptstraße Sundern Schäden
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Erste Schäden wurden am Donnerstag sichtbar, nachdem die großen Wassermassen aus der Fußgängerzone abgeflossen waren.

„Ich bin schockiert“: Rund 36 Stunden nach Beginn der schweren Unwetterkatastrophe, die auch das Stadtgebiet von Sundern in Notlage gebracht hatte, äußerte Bürgermeister Klaus-Rainer Willeke seine Betroffenheit über das Starkregenereignis und dessen Folgen.

Sundern - Nachdem der Verwaltungschef sich gemeinsam mit der Beigeordneten Jacqueline Bila am Donnerstagmorgen ein Bild von der aktuellen Lage an den am stärksten betroffenen Bereichen gemacht hatte, zog auf der Pressekonferenz am Mittag auch die Feuerwehr eine erste Bilanz zu den Ausmaßen.

„Das sind unglaubliche Bilder der Verwüstung. So etwas haben wir noch nicht erlebt. So etwas will man nicht erleben wollen“, schilderte Willeke seinen Eindruck zu den immensen Schäden, die durch die Überflutungen entstanden sind. Der Bürgermeister stufte die Geschehnisse des Vortags als „unbeherrschbares Naturereignis“ ein, das in der Stadt und in den Dörfern viele verzweifelte Betroffene hinterlassen hätte.

Retten, was noch zu retten ist:

Während in unzähligen Häusern, Laden- und Gastronomielokalen, öffentlichen Gebäuden sowie in den größeren Unternehmen im gesamten Stadtgebiet am Tag und die ganze Nacht durch gegen die Wassermassen gekämpft worden war, waren zu diesem Zeitpunkt ebenfalls immer noch hunderte von Einsatzkräften der Feuerwehr und des THW damit beschäftigt, die Straßen von Schlamm, Geröll und Unrat zu befreien und vor allem die unzähligen, voll gelaufenen Keller abzupumpen.

Willeke lobte dieses Engagement und wertete diesen unermüdlichen Einsatz und die große Hilfsbereitschaft aus der Sunderner Bürgerschaft als „großen Erfolg, bei dem größere Schäden am Menschen und der Umwelt vermieden werden konnten“. Ein Fazit zum Ausmaß der entstandenen Schäden könne man zu diesem Zeitpunkt selbstverständlich noch nicht ziehen. „Zerstörte Akten bei einem Versicherungsunternehmen, unterbrochene Kühlung wichtiger Medikamente und Impfstoffe in der Apotheke, im Wasser versunkener Safe bei einer Bank. Das waren erschreckende Bilder“, äußerte sich auch Sunderns Beigeordnete Dr. Jacqueline Bila bestürzt.

Bürgermeister Klaus-Rainer Willeke (Mitte) zog zusammen mit der Feuerwehr Bilanz nach dem Unwetter, das Teile von Sundern am Mittwoch hart getroffen hatte.

„Es ist lediglich das Gröbste, was wir in den letzten 36 Stunden tun konnten, der Kampf geht für die Betroffenen noch lange weiter“, so Jürgen Voss, Pressesprecher der Sunderner Feuerwehr, zum Einsatzverlauf sowie dem aktuellen Stand der Katastrophenlage: „Ich bin jetzt 25 Jahre aktiv bei der Feuerwehr. So eine geballte Anzahl an Notrufen innerhalb von kürzester Zeit habe ich noch nie erlebt.“

Drei Kellerbrände und ein ABC-Alarm

Nachdem in der Nacht zum Mittwoch in der Eichendorffstraße erste Keller vollgelaufen seien, habe man bis in die Mittagsstunden des Mittwochs ein noch recht gut kontrollierbares Geschehen gehabt. Ab 13.30 Uhr seien dann bis zum Abend 250 Notrufe eingegangen, die die Feuerwehr vor eine noch nie dagewesenen Herausforderung stellte und in die missliche Situation brachte, letztendlich zu priorisieren und zu entscheiden, welcher Einsatzort zunächst angefahren werden muss, um die größten Schäden von Mensch, Gebäude, Inventar und Wertbestand abzuwenden.

„Besonders erschwert hat uns noch, dass wir gleichzeitig noch insgesamt drei Kellerbrände bekämpfen mussten, die durch Kurzschlüsse ausgelöst worden waren.“ Zudem sei es am Donnerstagmorgen zu einem ABC-Alarm gekommen. In Hachen war durch die starke Strömung und der Einwirkung von mitgerissenen Ästen ein Leck in einer Hauptgasleitung entstanden. „Alles in allem war es sehr stressig, aber wir haben es geschafft, das glücklicherweise nicht noch mehr passiert ist. Es tut einem besonders leid, wenn man einigen Betroffenen aufgrund der Dringlichkeit an anderen Stellen sagen muss, dass man nicht sofort helfen kann“, äußerte sich Voss durchaus mit gemischten Gefühlen, letztendlich aber auch erleichtert: „Doch seitens der Bevölkerung wurde uns ein großes Verständnis dafür bekundet.“

Lob für professionelle Arbeit

Auch Stephan Urny vom Sunderner Ordnungsamt attestierte der Feuerwehr-Leitstelle eine „höchst professionelle Arbeit auf allen Ebenen“. Ein dickes Dankeschön richtete der Feuerwehrsprecher an alle Beteiligten, die mitgeholfen hätten, Schlimmeres zu vermeiden. Mehrere Löschzüge und THW-Einsatzgruppen (effizientes Abpumpen) aus weniger betroffenen Gebieten in NRW, das DRK (Verpflegung), Sunderns Technische Dienste, die Firmen Westnetz (Strom) und Thyssen (Gas) und nicht zuletzt die vielen freiwilligen Helfer aus der Bevölkerung, den Vereinen sowie den Unternehmen hätten wertvollste Unterstützung geleistet: „Daran hat man erkannt, dass Hilfsbereitschaft in Sundern kein Fremdwort ist.“

Diskussionspunkt Röhr-Renaturierung

Seit vielen Jahren heiß diskutiert in Sundern, kam während der Pressekonferenz auch die Frage auf, ob eine im Innenstadtbereich erfolgte Renaturierung der Röhr eine Überflutung der City in diesen verheerenden Ausmaßen hätte verhindern können. Dazu äußerte sich Fachbereichsleiter Lars Ohlig äußerst skeptisch: „Ich wage zu bezweifeln, dass dies bei solch einem Jahrhundertereignis etwas bewirkt hätte. Es wäre nur ein kleiner Baustein von vielen. Ob Renaturierung, Dachflächenbegrünung, Straßenbefestigungen. Über viele Dinge muss man neu nachdenken. Diese Katastrophe wird uns weitere wichtige Erkenntnisse darüber geben, was die Stadt tun kann.“

Welche Schäden die Überflutungen etwa an Gebäuden hinterlassen habe, wird sich erst in den nächsten Tagen vollständig zeigen. Aufgrund der entstandenen Müllberge kündigte Urny zusätzliche Termine der Sperrmüllabfuhr an. Diese würden auf der Homepage der Stadt veröffentlicht.

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