Zwischen Ärger und Erleichterung

Vollsperrung der Stemeler Ortsdurchfahrt verlangt den Beteiligten viel ab

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An der Stemeler Ortsdurchfahrt werden aktuell die letzten Restarbeiten ausgeführt, damit die Straße am 24. Mai wieder freigegeben werden kann.

Stemel. Ihre Bekanntgabe war ein „Schock“, viele hielten sie im Vorfeld für „unzumutbar“, zuletzt machte sich aber kollektive Erleichterung breit, dass sie doch schneller vorbei ist als geplant. Die Vollsperrung der Ortsdurchfahrt Stemel (L 519) war in den vergangenen Wochen eines der beherrschenden Themen im Stadtgebiet Sundern und darüber hinaus. Der SauerlandKurier zieht knapp zwei Wochen vor der offiziellen Freigabe eine erste Bilanz.

„Wir sind heilfroh, wenn die Straße fertig ist“, berichtet Stemels Ortsvorsteher Christoph Schulte bei einem Baustellen- und Dorfrundgang. „Die geplanten elf Wochen waren für alle ein Schock, aber jetzt freuen sich alle, dass es bald vorbei ist.“ Darauf müssen die Stemeler – und alle anderen, die normalerweise durch den Ort fahren – auch nur noch elf Tage warten, denn die Bauarbeiten sind so schnell vorangegangen, dass die Vollsperrung zweieinhalb Wochen früher als geplant aufgehoben werden kann (Kurier berichtete). 

Stemels Ortsvorsteher Christoph Schulte ist froh, wenn die Sperrung aufgehoben wird.

In den sieben Wochen, in denen außer den Baustellenfahrzeugen kein einziges Auto durch die eigentliche Ortsdurchfahrt rollte, haben die Mitarbeiter des ausführenden Bauunternehmens tatsächlich eine Menge geschafft. Von der laut IHK-Verkehrsausschuss „schlechtesten Landstraße in der Region Hellweg-Sauerland“ ist nicht viel übriggeblieben. Neue Gehwege und Fahrbahndecken sowie die Versetzung der Ampelanlage von der Einmündung „Zum Breiten Ohl“ zwischen die Einmündungen „Am Kirchberg“ und „Zum Giebel“ sollen in erster Linie dazu beitragen, dass die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer erhöht wird. „Vorher war das ein Fiasko hoch sieben. Die Bürgersteige waren teilweise gar nicht vorhanden oder so eng, dass keine zwei Leute nebeneinander hergehen konnten“, erklärt Christoph Schulte. Auch die Bushaltestellen wurden so umgestaltet, dass sie sowohl für Fahrer als auch für Fahrgäste sicherer und besser zu erreichen sind. 

Durch diese Maßnahmen ist die L 519 nach Ansicht von Sunderns Bürgermeister Ralph Brodel von der schlechtesten Straße „zu einer der besten“ geworden. Doch das hat laut Ortsvorsteher Christoph Schulte auch eine Kehrseite: „Jetzt besteht die Gefahr, dass die neue Ortsdurchfahrt sich zu einer Rennstrecke entwickelt.“ Um das zu verhindern, sei allerdings auch viel gemacht worden, um den Verkehr innerhalb von Stemel zu bremsen. So wurde unter anderem der Straßenverlauf verändert, damit die Strecke zwischen den Einmündungen „Zum Breiten Ohl“ und „Am Hölzchen“ nicht mehr schnurgerade verläuft, sondern einen kleinen „Schlenker“ macht, wie Schulte erläutert. Damit die Autofahrer ihr Tempo noch besser anpassen hat der Ortsvorsteher einen Wunsch: „Ich hoffe, dass wir unser ‘Wahrzeichen’, den Blitzer am Ortseingang, wiederbekommen. Aktuell will der Kreis das noch nicht, aber wir müssen weiter daran arbeiten.“ 

Polizei stellt 235 Verstöße fest 

Einen Blitzer hätte Schulte sich wohl auch für die innerörtliche Umleitungsstrecke gewünscht. „Da gibt es Stellen, wo 40, 50 oder sogar 70 gefahren wird, obwohl nur 30 erlaubt ist“, beklagt er. Deshalb habe er bereits zu Beginn der Sperrung Geschwindigkeitskontrollen gefordert. Diesem Wunsch ist die Stadt auch nachgekommen. In einer Pressemitteilung gab die Verwaltung bekannt, dass sie zwei Wochen lang „verdeckte Verkehrsmessungen“ vorgenommen habe. Diese hätten aus Sicht der Stadt erfreuliche Ergebnisse hervorgebracht. „Die Verkehrssituation ist größtenteils entspannt“, wird Fachbereichsleiter Stephan Urny zitiert. Die Verkehrsdichte sei mit täglich rund 700 Fahrzeugen je Fahrtrichtung „eher gering“ und nur 2,9 Prozent der Fahrer seien zu schnell gefahren. 

Diese Eindrücke kann Christoph Schulte nicht bestätigen. „Ich habe mich maßlos über diese Meldung aufgeregt. Denn die Realität sagt etwas völlig anderes“, schimpft der Ortsvorsteher. Sowohl der Ort als auch der Zeitpunkt der Messungen sei nicht gut gewählt worden: „Das Gerät stand an einer engen Stelle, an der die Autos sowieso langsam fahren müssen. Und das Ganze fand in den Osterferien statt, als ohnehin etwa zwei Drittel weniger Fahrzeuge unterwegs waren. Warum wurde nicht zu anderen Zeiten an den Problemstellen gemessen?“ 

Auch die Kontrollen der Polizei kritisiert Schulte. „Zu den Stoßzeiten hatten 60 Prozent der Autofahrer im Dorf nichts zu suchen. Es ist erstaunlich, wie viele die Hinweisschilder ignorieren“, meint er. Die Kontrollen seien zu unregelmäßig und zu kurz gewesen. Das kann Olaf Wiesenberg nicht bestätigen. „Wir haben aus polizeilicher Sicht eine hohe Präsenz gezeigt, obwohl die Kontrolle von Durchfahrtsverboten eigentlich kein Schwerpunkt unserer Arbeit ist“, berichtet der Leiter der Polizeiwache Sundern. Seine Kollegen seien nahezu täglich zu verschiedenen Zeiten in Stemel gewesen und hätten dabei bislang 235 Verstöße festgestellt. Diese Zahl der Verwarnungen sei aber in den vergangenen Wochen rückläufig, weshalb die Maßnahmen der Polizei laut Wiesenberg Wirkung zeigen würden. „Wir können aber eben nicht immer da sein und jeden kontrollieren“, erklärt Wiesenberg, warum vielleicht doch Autofahrer straffrei davongekommen seien.

Befürchtungen haben sich nicht bestätigt 

Auf der Umleitungsstrecke in Amecke bildeten sich regelmäßig Staus.

Allerdings waren die Einwohner von Stemel nicht die einzigen Leidgeplagten während der vergangenen sieben Wochen. Auch an den Umleitungsstrecken um den Sorpesee und über den „Ochsenkopf“ herrschte regelmäßig viel Verkehr. In Amecke hat es laut Ortsvorsteherin Monika Krick gerade am Wochenende regelmäßig lange Staus gegeben. „Deshalb waren viele Anwohner natürlich ab und zu gestresst und genervt, aber im Großen und Ganzen ging es“, schildert Krick. Auch die Ängste der Amecker bezüglich der veränderten Verkehrsführung an der Kreuzung „Amecker Straße/Seestraße“ hätten sich nicht bestätigt.

Das gilt auch für die Befürchungen, die viele Sunderner Geschäftsleute im Vorfeld geäußert haben. Silvia Köthe, Inhaberin des Modehauses Haake in der Fußgängerzone hatte beispielsweise mit „vorprogrammierten Umsatzeinbußen“ gerechnet. Diese habe es aber nicht gegeben: „Meine Bedenken sind zum Glück nicht eingetreten“, berichtet Köthe. Nicht ganz so positiv hat Mirjam Hinz, Inhaberin von „Feyne Droappen“, die Zeit während der Sperrung erlebt: „Man hat schon gemerkt, dass in der Stadt weniger los war.“ Das habe sich auch bei den Umsätzen bemerkbar gemacht – wenn auch nicht so stark wie befürchtet. 

Bei allen Meinungsverschiedenheiten sind sich die Beteiligten aber in einem Punkt einig: Sie freuen sich, dass die „Leidenszeit“ bald ein Ende hat. „Die Sperrung hat die Leute Nerven und Geld gekostet“, meint Stemels Ortsvorsteher Christoph Schulte. „Wenn die Arbeiten aber abgeschlossen sind, haben wir eine Straße, die locker 40 Jahre halten soll und muss.“

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