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Waldwege derzeit kaum passierbar – Was bedeutet das für Waldbesitzer und Tourismus?

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Von: Rebecca Weber

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Waldwege verschlammt Wanderer Situation Region
Viele Waldwege in der Region sind durch die Holzabfuhr verschlammt – was auch Wanderer und Radfahrer zu spüren bekommen. © Andre Geißler

Wer in den vergangenen Monaten eine Wanderung in der Region unternommen hat, hat es bereits mitbekommen: Tiefe Furchen, Matsch und Schlamm sorgen dafür, dass manche Waldwege derzeit kaum passierbar sind.

Hochsauerland/Sundern – Verursacht werden die Schäden durch die zahlreichen Holztransporter, die seit Monaten im Einsatz sind, um das vom Borkenkäfer befallene, gefällte Holz aus den Wäldern zu befördern. Was bedeutet diese Situation für die Waldbesitzer und den Tourismus im Sauerland? Der Kurier hat sich umgehört.

In Folge von Sturm, Dürre und Borkenkäfer sind laut Wald und Holz NRW im Hochsauerlandkreis seit 2018 etwa 8 Millionen Kubikmeter Schadholz angefallen. Das entspricht einer Fläche von circa 20.000 Hektar oder etwa 28.500 Fußballfeldern. Und diese Mengen an Holz müssen nach und nach abtransportiert werden.

Holznachfrage weiterhin groß

Derzeit sei die Holznachfrage der heimischen Abnehmer und für den Export weiterhin groß und das Schadholz werde zügig aufgearbeitet und abgefahren. „Hier könnte es durch längere Regenperioden oder Schneelagen zu Verzögerungen kommen“, berichtet Frank Rosenkranz, Leiter Regionalforstamt Oberes Sauerland, und er blickt noch weiter voraus: „Abhängig vom weiteren Kalamitätsverlauf werden umfangreiche Holzernte und -abfuhr sicherlich noch zwei bis drei Jahre dauern können.“

Üblicherweise würden die Waldwege nach Beendigung der Holzerntemaßnahmen durch das Forstunternehmen in Ordnung gebracht, das heißt dass Schlagabraum (Baumreste) beseitigt und Matsch abgeschoben wird. „Bei großen Holzmengen, die über Waldwege abgefahren werden, ist oftmals eine grundlegende Instandsetzung erforderlich. Das macht aber erst Sinn, wenn die Holzabfuhr aus einem Waldgebiet weitgehend abgeschlossen ist, um die erneuerten Wege nicht sofort wieder zu belasten“, so Rosenkranz.

„Die Nerven liegen blank“

Für diese Instandsetzung der Wege seien dann grundsätzlich die Eigentümer verantwortlich, also oftmals die Kommunen oder auch einzelne Waldbesitzer. Für die Stadt Sundern erläutert Stadtförster Holger Dreeskornfeld auf Kurier-Nachfrage: „Ja, die Wege sind in einem schlechten Zustand, aber sie können mit relativ einfachen Mitteln in Stand gesetzt werden.“ Zum einen müsse der Schlamm abgeschoben werden und zum anderen die Wasserführung am Weg wieder hergestellt werden. Doch auch diese Maßnahmen verursachen Kosten.

„Im Jahr 2008 haben wir nach Kyrill etliche 100 Kilometer Wege mit EU-Fördermitteln wieder in Stand gesetzt. Unsere Wege sind also stabil, aber der ‘Schlammpampel’ obendrauf stört, den müsste man abschieben.“ Allerdings gibt er zu bedenken: „Die Waldbesitzer sind blank, sowohl finanziell, als auch die Nerven liegen blank. Viele haben ihre komplette Altersvorsorge verloren, da ist es schwer über zusätzliche Ausgaben für Wege zu sprechen“, verdeutlicht Dreeskornfeld. Knapp eine Million Euro würde alleine das Abschieben des Schlammes von den rund 600 Kilometern Wegeflächen im gesamten Stadtgebiet Sundern kosten, überschlägt Dreeskornfeld in einer vorsichtigen Rechnung. „Das kann die Stadt auf keinen Fall leisten.“

Wie sieht es mit Fördermitteln aus?

Wie sieht es also mit Fördermitteln aus? Der forstliche Wegebau wird durch das Land NRW gefördert. Diese Fördermöglichkeiten sind Wald und Holz zufolge zur Beseitigung von kalamitätsbedingten Wegeschäden für private und kommunale Waldbesitzende freigegeben. Laut Holger Dreeskornfeld seien diese Verfahren jedoch häufig kompliziert und dennoch bleibe ein hoher Eigenanteil für die Waldbesitzer. „Ich würde mir eine einfache, pragmatische Förderrichtlinie wünschen, zur einfachen Wiederherstellung der Wirtschaftswege in den Wäldern, damit eine gemeinschaftliche Nutzung der Waldwege für alle – Wanderer, Radfahrer, Waldbesitzer – wieder gegeben ist.“ Klar sei aber auch, dass es auch auf Landesebene, unter anderem nach der Flutkatastrophe 2021, in Bezug auf die Infrastruktur andere wichtige Themen gebe.

Beschwerden über den Zustand der Waldwege gebe es zwar in Sundern, „aber freundlich und verständnisvoll“, wie der Stadtförster betont. Denn nicht nur Waldbesitzer und Forstleute müssen sich mit dem derzeitigen Zustand der Waldwege arrangieren, auch erholungssuchende Bürger und Gäste bekommen die Auswirkungen zu spüren.

Auch Potenziale für die Region

So beschäftigen sich auch die Touristiker in der Region mit der aktuellen Situation: „In Mitleidenschaft gezogene Wanderwege als Teil der touristischen Infrastruktur insbesondere in stark frequentierten Teilregionen sind ein enormes Problem, in der aktuellen Situation aber schlichtweg nicht zu vermeiden“, äußert sich dazu der Sauerland Tourismus. „Wir als Touristiker arbeiten deshalb mit den Partnern des Landesbetriebs Wald und Holz sowie dem Waldbauernverband etc. eng zusammen, um frühzeitig über Sperrungen zu informieren und die Einschränkungen möglichst gering zu halten. Insbesondere die Teams der Tourist-Informationen sind hier aktiv und erster Ansprechpartner für Ausflügler, um sich zu informieren.“

Insgesamt bedeute die Veränderung der Wälder für den Tourismus aber nicht nur Nachteile: „Für den Tourismus in der Region sind die aktuellen Veränderungen neben der Corona-Pandemie die größte Herausforderung, der es sich zu stellen gilt. Der Tourismus lebt von seiner flächigen Waldlandschaft und der intakten Natur, die wesentliche Entscheidungskriterien sind, seine Freizeit im Sauerland zu verbringen. Jedoch birgt der aktuelle ‘Waldumbau’ auch Potenziale, die Waldlandschaft der Region langfristig und auf viele Jahre neu aufzustellen und so einen resistenten ‘Wald der Zukunft’ zu entwickeln. Der wird sich zwar stark von der gewohnten Fichtenmonokultur unterscheiden, hat aber auch seine Reize“, heißt es vom Sauerland Tourismus. So entstünden aktuell durch die Abholzung viele neue Aussichtspunkte, die einen zusätzlichen Blick über die Landschaft gewährleisten. „Die Wanderer und Ausflügler bei uns zeigen zudem größtenteils enormes Verständnis für die Situation und sind eher wissbegierig als kritisierend.“

Um die Waldbesucher und Gäste der Region für die Thematik zu informieren und zu sensibilisieren hat der Sauerland Tourismus auf seiner Internetseite eine eigene Unterseite erstellt, die konkret Fragen zu Borkenkäfer und Waldumbau beantwortet. „Je bewusster die Menschen in der heimischen Natur unterwegs sind, desto größer ist das Verständnis für die Situation und die umfangreichen Maßnahmen.“

Aktuelle Infos

Der Sauerland Tourismus informiert regelmäßig über seine Social Media Kanäle zur Thematik und weist auf punktuelle Sperrungen hin. Die kostenlose Sauerland-App beinhaltet ebenfalls Informationen zu Wegesperrungen.

Das Stadtmarketing Sundern beispielsweise geht auf seiner Internetseite noch einen Schritt weiter und bündelt dort Wanderrouten, die nicht über stark beeinträchtigte Wege führen.

Hintergrund: Entwicklung HSK-weit unterschiedlich

Die Entwicklung der vom Borkenkäfer befallenen Wäldern ist in den HSK-Kommunen ist sehr unterschiedlich. Während in den tieferen Lagen die Fichte fast flächig ausgefallen ist, gibt es in den höheren Lagen von Homert, Hunau und Rothaarkamm laut Wald und Holz noch größere vitale Fichtenkomplexe. „Abhängig vom Wetter in den nächsten Monaten wird die Kalamität an Dynamik verlieren – oder bei anhaltender Dürre und Hitze zusätzliche Schadholzmengen bringen,“ so Rosenkranz.

In der Stadt Sundern zählen etwa zehn Prozent der Waldfläche zum Stadtwald.

Für den SGV entsteht durch die an vielen Stellen gefällten Fichten eine ganz andere Herausforderung, die die Wege-Markierung betrifft.

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