Mal wieder aufs Essen freuen

Ein mit Liebe zubereiteter Rinderschmorbraten war zu früheren Zeiten noch das Highlight der Woche, heute muss das Essen dagegen schnell und billig sein.

"Am Sonntag macht Oma wieder Rouladen." Dieser Satz hat vor 20, 30 Jahren noch wahre Begeisterungsstürme ausgelöst. Das war etwas Besonderes, auf das man sich schon die ganze Woche freuen konnte. Heute wird die Reaktion bei vielen eher fad ausfallen, eben genau so, wie die meisten Fastfood-Gerichte schmecken.

Nicht zuletzt wegen des jüngsten Dioxin-Skandals will Helmut Krengel eine Lanze für bewusstes Essen brechen. Besorgt verfolgt der Metzger die Entwicklung der Esskultur, die vor allem von zwei Worten dominiert wird: schnell und billig. Schon beim Gammelfleisch-Skandal Ende 2005 hatten er und andere Metzgereien im Stadtgebiet unter dem Motto "Tatort Teller" gemeinsam auf Missstände hingewiesen: "Wenn es immer nur um den Preis geht und die Großen diesen bestimmen, wird es immer einen geben, der unlautere Mittel benutzt, um am Markt zu bleiben."

Er kritisiert aber auch das Verhalten der Verbraucher: Die schlagartigen Ausflüchte der Bürger zu Bio-Produkten, könne die Branche nicht auffangen, schließlich legen die Hühner plötzlich nicht doppelt so schnell Eier. Sind die Negativ-Schlagzeilen aus den Medien verschwunden, kehren die Verbraucher in ihr altes Schema zurück.

"Gehen Sie doch einfach zum Metzger Ihres Vertrauens", rät Krengel den Kunden. Die Metzgereien wüssten schließlich, woher ihre Produkte kommen und mit welchem Futter die Tiere ernährt wurden. Auch die Weiterverarbeitung mit natürlichen Produkten, also ohne künstliche Zusatzstoffe, werde genau nachgehalten.

Dass diese Qualität ihren Preis hat, will Krengel gar nicht unter den Tisch fallen lassen, aber wenn das Futter am Ende teurer ist als der Preis, zu dem Wurst- und Fleischwaren zum Beispiel in Discountern verkauft werden, laufe doch etwas falsch.

Im Einsatz für eine bewusstere Ernährung und qualitativ hochwertige "Lebens-Mittel" fragt er: "Wieviel ist einem das Mittel zum Leben eigentlich wert?"

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