"Wir löschen die Festplatte"

Alarm aus Düsseldorf: Das Bienensterben bereitet Umweltschützern große Sorgen.

Das NRW-Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz schlägt Alarm. Grund ist die immer stärker werdende Bedrohung des Naturerbes, unter anderem durch das besorgniserregende Bienensterben. Umweltminister Johannes Remmel warnt vor wirtschaftlichen Einbußen im Anbau von Obst und Raps, sollte sich das Artensterben weiter forcieren.

"Das Verschwinden von wilden Bienen ist besorgniserregend, denn dadurch stehen wichtige Bestäuber für unsere Wild- und Nutzpflanzen nicht mehr zur Verfügung. Wir sind dabei, die Festplatte unserer Natur unwiederbringlich zu löschen." Wilde Bienen leisten neben der Honigbiene einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung von zum Beispiel Erdbeerfeldern oder Apfelplantagen, von Blüten in der freien Natur oder in Schreber- und Hausgärten.

Der KURIER fragte bei Jürgen Meyer vom Kreisimkerverein nach der Lage vor Ort. "Wir haben hier in der Tat nicht mehr viele Wildbienen", bestätigte er auf Anfrage. Dennoch würden Imker und Bienenschützer nicht müde, den Bestand zu schützen. Aktuelles Beispiel ist die Errichtung eines Bienenpfades im Kurpark Langscheid, der heute aufgebaut werden soll. Ein Insektenhotel, wie sie zur Zeit häufig entstehen, soll auch Bienen hier eine Heimat geben. Daneben "unterrichtet" Meyer viele Schüler und sensibilisiert sie, auf die Bienen acht zu geben. Für jeden einzelnen gibt er den Tipp, im eigenen Garten nicht gleich alles zu mähen oder durch Mittel zu zerstören. Ein Lob verteilt er an die Stadt Sundern, die auf ihren Flächen - etwa in den Kreisverkehren oder Blumenkästen - insektenfreundliche Pflanzen gepflanzt hätten. "Wenn jeder ein bisschen tut, ist das schon klasse."

Die Hauptursache für den Schwund von Wildbienen sei, dass durch eine immer intensivere Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen Kulturlandschaften ohne Artenvielfalt entstehen. Die Folge sei ein fehlendes Futterangebot durch ein immer mageres Angebot an Blüten in Frühjahr, Sommer und Herbst. Zudem reagierten Wild- und Honigbienen sehr empfindlich auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Imker machen sich schon lange Sorgen um das Wohlergehen ihrer Bienenvölker: Parasiten wie die Varroa-Milbe, der Nesoma-Pilz oder Viren sowie eine in den USA jüngst entdeckte parasitäre Fliege schwächen die Bienen und können ganze Völker ausrotten.

"Auch der Mensch gerät in Gefahr"

Das Artensterben birgt laut Minister Remmel auch große Risiken für den Menschen. Nur langsam setze sich die Erkenntnis durch, dass es beim Artenschutz um mehr geht als das Überleben der letzten Wildkatze oder der letzten Wald-Biene, so der Minister. Laut einer Studie der Naturschutzorganisation International Union for Conversation of Nature (IUCN) werden die Hälfte der 100 meist verschriebenen Medikamente in Industriestaaten aus Tieren und Pflanzen gewonnen. Mehr als 70.000 Pflanzen werden in der Medizin eingesetzt.

Remmel: "Verloren gegangene Artenvielfalt kann der Mensch nicht wieder herstellen. Durch den Verlust von Arten, Genen und Lebensräumen verarmt die Natur, ganze Ökosysteme und damit auch der Mensch geraten in Gefahr."

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