Eine Zeit mit Überraschungen

Run auf Bibliotheken bleibt aus - andere Phänomene erstaunen

+
Kommen die Bücher zurück, wandern sie in den drei Standorten in Arnsberg für drei Tage in Quarantäne.

Arnsberg/Sundern – Erleben die Büchereien einen Run auf ihre Medien? Die Corona-Pandemie bringt für viele auch (Zwangs)pausen mit sich, die zuweilen auch mehr Muße zum Lesen eröffnen. Zudem platzten viele Urlaubsträume. Und unabhängig von Corona ist Sommerzeit traditionell auch Lesezeit. Bei einem Blick in die heimischen Bibliotheken gibt es aber einige Überraschungen.

Die Sommerferien verlaufen anders als gedacht in der Bibliothek Sundern: nämlich konstant – nicht anders als in Nicht-Corona-Zeiten. „Das hat mich überrascht“, sagt deren Leiterin Thea Schroiff, die mit mehr Ansturm gerechnet hätte. „Überraschend viele Leute fahren in den Urlaub, sie haben nur andere Ziele.“ Das merke man auch an den ausgeliehenen Reiseführern. Verwundert ist Schroiff auch über die Resonanz auf die OGS in den Ferien. „Nach meiner Logik hätten sie überrannt werden müssen.“ Doch so zahlreich, wie sie dachte, seien die Anmeldungen dort in Coronazeiten nicht gewesen. Das wirkt sich auch auf die Bibliothek aus – oft Kooperationspartner der OGS.

Deutlich zu spüren bekommen habe man allerdings vor den Sommerferien die schulfreie Corona-Zeit, als mehr Kinder als sonst die Bibliothek ansteuerten, um ihren Lesestoff selbst auszusuchen. „Insbesondere die Mütter waren froh, dass sie zu uns kommen konnten“, so Schroiff. Etwas nachgelassen habe der Besuch von Stammkunden. „Einige Ältere kommen momentan nicht“, hat die Bibliotheksleiterin beobachtet und vermutet zweierlei Gründe: zum einen die Sorge, sich anzustecken. Zum anderen war die Bibliothek vor Corona auch ein Treffpunkt für Menschen, der Aufenthaltscharakter von Büchereien entfällt aber naturgemäß.

Das Tagesgeschehen sei auf die Ausleihe reduziert, die Veranstaltungsräume waren lange verwaist. In dieser Woche gab es jetzt die „Corona-Premiere“ für das Kinderkino – unter strengen Auflagen. „Wir werden sehen müssen, wie es mit den Veranstaltungen weitergeht. Wir sind in Gesprächen mit dem Rathaus und dem Ordnungsamt“, so Schroiff. Gedankenspiele sind, an andere Locations auszuweichen. „Begeistert bin ich von der Idee nicht.“ Die Veranstaltungen in der Bücherei seien schließlich bewusste Werbung fürs Haus.

Sorge bereitet in Sundern die Abschlussveranstaltung

Die größte Sorge bereitet Thea Schroiff die Abschlussveranstaltung des Sommerleseclubs. Eigentlich wollte sie die Kinder mit dem Besuch eines Künstlers verwöhnen, mit dem sie einen Vertrag hat. Jetzt muss abgewogen werden, ob die Veranstaltung in anderer Form stattfinden oder verschoben werden kann. Doch auch damit ist ein Wagnis verbunden. „Ich kann verschiedene Dinge nicht mehr so einschätzen, wie ich das sonst aus meiner Erfahrung heraus konnte“, sagt die Diplom-Bibliothekarin. Denn wer weiß in diesen Zeiten schon, wie viele Eltern ihre Kinder zu Veranstaltungen schicken?

Das Verhalten der Kinder ist auch einer der Überraschungen für Peter Kleine, Fachbereichsleiter Kultur und Sport der Stadt Arnsberg. „Vor allem Kinder haben Hemmungen zu kommen“, spricht er über die Erfahrungen am Standort Hüsten der Stadtbibliothek Arnsberg, der normalerweise der kinderstärkste ist. Allgemein seien die Besucherzahlen an allen drei Standorten – Arnsberg, Hüsten und Neheim – drastisch zurückgegangen.

Nachfrage an Corona-spezifischen Sachbüchern in Arnsberg

Gut angenommen wurde jedoch das neue Angebot, sich online anzumelden. „Das werden wir auch beibehalten“, versprach Kleine. Und zur großen Überraschung schlug die Idee des Arnsberger Bibliotheksteams, „Bücher to go“ während des Lockdowns anzubieten, ein. Es wurden hunderte Tüten mit Bücherpaketen zur Abholung vorbestellt. „Es hat uns erfreut, dass Kultur und Bibliotheken den Leuten fehlen“, so der Fachbereichsleiter. Die Renner sind die üblichen Beststeller und Tonies für Kinder. Und die Nachfrage an Spielen ist noch mal gestiegen. „Die Familien brauchen Beschäftigung für ihre Kinder.“ Nachfragen gibt es auch zu Corona-spezifischen Sachbüchern. „Es gibt was und wir haben es“, so Kleine. Indes sei der Markt von dem Feld „Homeschooling“ überrascht worden, der Handel habe dies bisher verschlafen.

Auch in Arnsberg befinden sich die Veranstaltungen im Dornröschenschlaf. „Wir hoffen, dass wir im Herbst wieder Lesungen machen können“, so Kleine. Geplant ist auch, im Herbst in Hüsten einen Techniksamstag rund um „Robotik“ anzubieten.

„Hüsten ist ohnehin ein Wunderding“, blickt Kleine auf die starke Kinderaffinität des Standortes. Und das hat offenbar auch Auswirkungen auf den Sommerleseclub. Denn unerwartet unterschiedlich fällt die Resonanz in diesem Jahr aus. In Alt-Arnsberg und Neheim verzeichnet man Rückgänge – außer in Hüsten. Das neue Leseclub-Konzept – erstmals können Leser von jung bis alt als Team mitmachen – scheint in Hüsten richtig gut zu laufen – noch besser als im Vorjahr. „Viele Väter sind hier mit dabei.“

Leseclub-Anmeldungen sind in Arnsberg und in Sundern noch möglich.

Die Bibliothek Sundern bietet zwei zusätzliche Stunden an für Menschen aus den Risikogruppen. In der Stadt Arnsberg laufen die Planungen, womöglich nach den Ferien die Öffnungszeiten allmählich wieder zu erweitern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare