Was geschieht mit den Tieren nach der Corona-Krise?

Geld knapp – Kosten bleiben: Tierheime im Sauerland leiden unter Corona-Pandemie

Nicht nur den Tierheimen, sondern auch den Tieren selbst setzt Corona arg zu.
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Nicht nur den Tierheimen, sondern auch den Tieren selbst setzt Corona arg zu.

Wegbrechende Spenden und gestiegene Ausgaben: Die Corona-Pandemie belastet die Tierheime im Sauerland stark. Im Lockdown sind allerdings auch viele Menschen auf den Hund, die Katze oder das Kleintier gekommen. Die Tierheime befürchten daher, dass mehr Tiere abgegeben oder im schlimmsten Fall ausgesetzt werden, sobald die Krise endet. 

Hochsauerland – Das Tierheim des Tierschutzvereines aus Sundern befindet sich seit 2017 im Aufbau, da der Verein – welcher sich das Kastrieren herrenloser Katzen zur Hauptaufgabe gemacht hat – keine festen Einnahmen hat.

Außer den Mitgliedsbeiträgen (rund 3.500 Euro im Jahr) finanziere der Tierschutzverein alles über Spenden, Trödel, Waffelaktionen, Tage der offenen Tür und dem Adventsbasar, berichtet Karin Bock, die Erste Vorsitzende des Sunderner Tierschutzvereines.

„Wir legen bei jedem Tier noch reichlich drauf“

„Mit Ausnahmen der Spenden, die allerdings auch deutlich zurückgegangen sind, fällt dank Corona alles andere weg. Natürlich haben wir auch Einnahmen über Tiervermittlungen, was aber als Einnahme nicht wirklich gerechnet werden kann, da wir bei jedem Tier trotzdem noch reichlich drauflegen“, stellt sie heraus. Sie gibt ein Beispiel: Die Behandlung gegen Parasiten wie Würmer und Flöhe koste bei einer Katze circa 10 Euro, die Grundimmunisierung circa 100 Euro und zuzüglich einer Kastration (160 Euro) liege man bei Kosten in Höhe von rund 270 Euro – wenn keine weiteren Tierarztkosten dazu kommen. Die Schutzgebühr betrage 150 Euro. Somit habe der Tierschutzverein 120 Euro zugezahlt. Das Tier habe dann jedoch noch nicht gefressen und Katzenstreu werde ebenfalls benötigt.

Gewünscht ist wegen Corona Kartenzahlung. Da gibt es aber kein Rückgeld, was in der Dose landen würde.

Karin Bock

Ganz drastisch gesunken seien die Einnahmen über die Spendendosen, die der Tierschutzverein beispielsweise bei Fressnapf stehen habe. „Gewünscht ist wegen Corona Kartenzahlung. Da gibt es aber kein Rückgeld, was in der Dose landen würde. Wir leeren bei Fressnapf in der Regel monatlich die Dose – in diesem Jahr leider erst ein Mal“, erläutert Karin Bock. Die spontanen Besucher, die „zum Gucken“ vorbei kämen, und beim Gehen vielleicht zehn Euro in die Spendendose werfen, würden ebenso wegfallen.

Tierheim Brilon: Pandemie ist finanzielle Herausforderung

Auch für das kleine und private Tierheim in Brilon – welches Fund- und Abgabetiere für die Gemeinden Gemeinden Brilon, Olsberg, Marsberg, Medebach, Willingen, Winterberg und Hallenberg beherbergt, pflegt und versorgt – ist die Pandemie finanziell eine große Herausforderung. „Unsere Hundepension fiel komplett aus, da niemand verreisen konnte – was enorme Einbußen für uns darstellte. Die kompletten Kosten laufen ungeachtet der Pandemie weiter. Wir sind daher sehr dankbar für die Spendenbereitschaft der Menschen – ohne diese würde es uns sehr viel schlechter gehen“, betont Caroline Meerpohl, Leiterin des Briloner Tierheims.

Unter Corona leiden obendrein natürlich die Tiere: Für sie bedeute es vor allem mehr Isolation. Ehrenamtliche dürften zwar Hunde ausführen, zum Schutz der Tierpflegerinnen jedoch weiterhin nicht ins Gebäude. Die Katzen bekämen so nicht die Aufmerksamkeit, die sie benötigen würden. Gerade scheue und ängstliche Katzen würden sonst sehr davon profitieren, erklärt Carolin Meerpohl weiter.

Anfang des Jahres Anstieg an Anfragen – mittlerweile Rückgang

Neben den Katzen leben – in der Regel – natürlich auch Hunde in den heimischen Tierheimen. „Es gab Anfang des Jahres einen Anstieg an Anfragen – besonders nach Welpen und Junghunden. Mittlerweile kann man aber schon wieder von einem Rückgang sprechen“, erklärt die Leiterin des Briloner Tierheims. Den Fall, dass ein vermitteltes Tier in letzter Zeit zurück gebracht wurde, gab es im Briloner Tierheim – erfreulicherweise – bisher nicht.

Das liege laut Meerpohl daran, dass sie und ihr Team ungeachtet der Pandemie grundsätzlich schauen würden, dass das „Mensch-Tier-Gespann“ zusammen passe. „Menschen, die gezielt ein Tier aus dem Tierheim adoptieren, sind sich der Verantwortung ihm gegenüber auch bewusst. Wir beraten natürlich grundsätzlich im Vorfeld ausführlich über das Tier und die individuellen Anforderungen der Haltung. Daher sind die Erfahrungen sehr positiv und ‘Rückläufer’ sehr selten“, präzisiert die Tierheimleiterin. Es könne zwar vorkommen, dass ein Tier aus diversen Gründen zurück gebracht werde, aber das habe es auch schon in den Jahren vor Corona gegeben.

„Ghosting“ nimmt Fahrt auf

Eine hingegen eher neuere Entwicklung ist wohl das sogenannte „Ghosting“ – ein Tier wird „reserviert“ oder angefragt und dann ohne Begründung nicht abgeholt. Das sei bei Anfragen im Briloner Tierheim der Fall gewesen. „Dass nach einer Beratung keine Rückmeldung mehr kommt, erleben wir in den letzten Monaten häufiger. Hauptsächlich bei unseren Katzen und Kleintieren. Vielleicht, weil das Tier nicht passend war oder man sich anderweitig für ein Tier entschieden hat, man kann nur mutmaßen“, sagt Meerpohl.

Tierschutzverein für den HSK kämpft mit ähnlichen Problemen

Mit ähnlichen Problemen hat der Tierschutzverein für den HSK, welcher für Meschede, Bestwig, Eslohe und Schmallenberg zuständig ist, zu kämpfen. Ein reserviertes Kaninchen wurde abgesagt und dann im Zoofachhandel gekauft, Beratungstermine werden nicht eingehalten oder als Familienevent missbraucht: Für Leiterin Jaqueline Wolcz nichts Neues. Sie weiß: „Oftmals suchen die Leute nur ein Haustier, damit die Kinder beschäftigt sind.“

Wir befürchten eine Welle an Tierabgaben oder schlimmstenfalls ausgesetzten Tieren, die nach Corona ‘überdrüssig’ sind.

Carolin Meerpohl

Und was geschieht letztlich mit den Tieren nach der Corona-Krise? Carolin Meerpohl hat bereits eine Ahnung: „Wir befürchten eine Welle an Tierabgaben oder schlimmstenfalls ausgesetzten Tieren, die nach Corona ‘überdrüssig’ sind. Dies würde uns als sehr kleines Tierheim vor sehr große Herausforderungen stellen und wir hoffen, dass dies mehr Befürchtung als Realität sein wird.“

Weitere Infos erhalten Interessierte auf den Internetseiten https://tierheim-brilon.de/ sowie http://tierschutzverein-hsk.de/ und https://de-de.facebook.com/groups/419067004833821/

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