Bilanz der Polizei

"Unfallflucht ist unfair!": So oft hauen Unfallverursacher im Sauerland ab

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Symbolfoto

Hochsauerland - "Wer einen Schaden verursacht, muss auch dafür gerade stehen", meint die Kreispolizeibehörde HSK. Das sehen aber leider nicht alle so: Im vergangenen Jahr zählte die Polizei durchschnittlich fast fünf Unfallfluchten am Tag.

Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, flüchteten im Jahr 2018 nämlich fast 1700 Unfallbeteiligte, was einem Schnitt von 4,6 Fällen pro Tag entspricht. Angst vor Strafe, Vermeidung von Unannehmlichkeiten, Alkohol-/Drogenkonsum oder der Verlust des Schadenfreiheitsrabattes seien demnach die häufigsten Motive. "Zudem zeigt die polizeiliche Erfahrung, dass sich das Phänomen der Unfallfluchten durch alle gesellschaftlichen Schichten zieht", heißt es.

Die Geschädigten bleiben in vielen Fällen auf den Kosten sitzen. Denn in den meisten Fällen falle die Unfallflucht erst auf, wenn der Geschädigte zurück zu seinem Auto kommt, berichtet die Polizei. Das bedeutet: Es gebe häufig nur wenige bis gar keine Ermittlungsansätze. "Eine Aufklärungsquote von knapp 45 Prozent in 2018 weist auf die schwierige Arbeit der Ermittler hin", erklärt die Polizei. Etwas besser sehe die Aufklärungsquote bei Unfallfluchten aus, bei denen Menschen verletzt wurden. Bei 64 dieser Fluchten habe die Polizei im vergangenen Jahr 38 Täter ermittelt, was einem Wert von etwa 60 Prozent entspricht.

"Kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat!"

Die Kreispolizeibehörde HSK möchte nach eigener Aussage im Rahmen ihrer Präventionsarbeit auf das Thema "Unfallfluchten" hinweisen. "Unfallflucht ist nämlich kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat!", heißt es. Einen wesentlichen Anteil zur Aufklärung von Unfallfluchten könnten Zeugen beitragen. Nur durch die Mitteilung aufmerksamer Zeugen seien eine Vielzahl von Unfallfluchten geklärt worden. Diese würden somit dabei helfen, dass der Geschädigte seinen finanziellen Schaden beim Verursacher geltend machen kann. 

Die Polizei liefert dazu ein aktuelles Beispiel aus Brilon: Dort wurde durch den couragierten Einsatzes eines 31-jährigen Briloners am Montag eine Unfallflucht geklärt. Gegen 18.20 Uhr parkte ein 67-jähriger Mann rückwärts auf einem Kundenparkplatz auf der Bahnhofstraße aus und stieß dabei gegen das stehende Auto einer 37-jährigen Frau aus Welver. Die Frau habe noch gehupt, um den Unfall zu verhindern. 

Zeuge verfolgt Unfallflüchtigen erfolgreich

"Der 67-jährige ignorierte den Zusammenstoß und flüchtete vom Parkplatz", berichtet die Polizei. Doch er hatte seine Rechnung ohne den 31-jährigen Zeugen gemacht, der den Unfall beobachtet hatte. Der Mann nahm daraufhin die Verfolgung des Autos auf und sprach den Unfallverursacher schließlich beim Aussteigen aus dem Auto an. Daraufhin kehrte der 67-jährige Briloner nach Polizeiangaben zum Unfallort zurück. Die späte Einsicht half ihm aber auch nur bedingt: "Gegen den Mann wurde ein Strafverfahren eingeleitet", teilt die Polizei abschließend mit. 

Ein besonders dreister Fall von Unfallflucht ereignete sich kürzlich in Altastenberg: Dort waren zwei Autos zusammengestoßen, aber ein Beteiligter flüchtete danach mit einer kuriosen Begründung. In Arnsberg warf ein Pferd seine junge Reiterin ab, nachdem es durch ein Auto aufgeschreckt wurde. Dessen Fahrer fuhr aber einfach weiter. Besonders schlimm endete eine Unfallflucht für einen 16-jährigen Arnsberger: Er wurde von einem Auto angefahren und schwer verletzt. Doch der Fahrer machte sich einfach aus dem Staub.

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