Zwei Wochen lang Gastgeber geprellt

Urlaub ohne zu bezahlen: Frau aus Beckum wegen Betrugs in Willingen verurteilt

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Vom Upland ins Amtsgericht ging es für eine Frau aus Beckum.

Willingen/Korbach – Zwei Wochen Urlaub in fünf verschiedenen Willinger Unterkünften – und nicht einmal bezahlt: Für eine Frau aus Beckum hatte das ein juristisches Nachspiel.

Wegen Betrugs und Computerbetrugs ist die 25-Jährige am Korbacher Amtsgericht zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten verurteilt worden, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Für das Gericht stand fest: Ferienwohnungen, Appartements und Hotelzimmer hatte sie für sich, ihre Tochter und ihren Ehemann für die Zeit zwischen 17. und 31. Juli 2017 gebucht – ohne die Absicht, zu bezahlen. Teils kamen Rechnungen für Restaurants und Wellness-Angebote hinzu, auf mehr als 3500 Euro bezifferte die Anklage den Schaden. Erst der fünfte Gastgeber erwischte sie, weil der vierte der geprellten Willinger ihr Auto vor dem nur 300 Meter entfernten Nachbarbetrieb entdeckte.

Wie beim Urlaubs-Betrug in Willingen vorgegangen wurde

Gebucht hatte die Frau über ein Online-Portal. Beim ersten Aufenthalt blieb die Familie noch die ganze Buchungszeit. Am Vorabend der Abreise habe die Frau erklärt, am Morgen noch Geld holen zu müssen, berichtete die Inhaberin der Fewo – morgens hätten sie eilig gepackt und seien verschwunden.

In einem Hotel, ihrer vierten Station, ließ sie derweil Übernachtungen und Essen auf eine Rechnung setzen, die ihr Vater begleichen würde. Als dieser kontaktiert wurde, habe er nur die Zahlung einer Nacht zugesagt: Kurz darauf verließ die Familie das Hotel, vorgeblich um Wäsche zu waschen. Darauf angesprochen, dass es in Willingen gar keinen Waschsalon gebe, erklärte die Angeklagte, dass sie ja nach Winterberg fahren würden, berichtete eine Hotelfachfrau.

Am 1. August kontaktierte der letzte Betrieb schließlich die Polizei. Diese stellte ein Ultimatum zur Zahlung und beschlagnahmte das Auto der Familie – wegen ausgebliebener Zahlungen war es nicht mehr versichert. Die 25-Jährige verließ Willingen im Rettungswagen, da ihre Tochter erkrankt sei. Ihren Mann ließ sie in Willingen zurück.

Wie das Korbacher Gericht zu seinem Urteil kam

Nachdem die Zeugen die 25-jährige belastet hatten, brach sie ihr anfängliches Schweigen. Nur bei wenigen Punkten wurde sie konkret – vehement behauptete sie lediglich, dass ihr Ehemann zusammen mit ihr gebucht habe und um ihre Unfähigkeit zu zahlen gewusst habe.

Worum es ihr gegangen sei: „Hauptsache, mal rauskommen.“ Ihre gemeinsame Wohnung sei gekündigt worden, weil sie die Miete nicht zahlte. Bei ihren Schwiegereltern, zu denen sie dann zogen, sei sie derweil nicht gut gelitten gewesen.

Wegen kleinerer Betrugsdelikte muss sie noch zwei Geldstrafen abbezahlen. Die Untersuchungshaft habe derweil bleibenden Eindruck auf sie gemacht, auch sonst sprach Richterin Kanold von einer guten Sozialprognose, was die Bewährung der jungen Mutter möglich mache. Als Bewährungsauflage muss sie 300 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Welche Rolle der Ehemann bei dem Betrug in Willingen spielte

Zusammen mit der Frau aus Beckum war ihr 29-jähriger Ehemann aus Werl angeklagt. Ihn sprach Richterin Kanold derweil frei: Seine Gattin habe ihm erzählt, dass ihr Vater den Urlaub bezahlen würde, sagte er aus: „Ich war dumm genug, ihr zu glauben.“ 

Für die ständigen Hotelwechsel habe sie immer neue Beschwerden etwa über Essen und Betten vorgebracht. Erst am letzten Abend habe er auf ihrem Handy eine Nachricht ihres Vaters entdeckt: „Sorg dafür, dass die Kosten von den Hotels auf ihn umgelegt werden.“ Er ließ sie schriftlich bestätigen, dass ihr Vater bezahlen würde – sie bestritt, die Unterschrift geleistet zu haben. 

In ihrer kurzen Ehe sei das nicht der einzige vergleichbare Vorfall, derzeit lassen sich die beiden scheiden. Er wolle den Schaden wieder gut machen, müsse aber auch Mietschulden begleichen. 

Während die Staatsanwältin davon ausging, dass der nicht vorbestrafte Mann in den Betrug verstrickt sei, folgte die Richterin dem Antrag seiner Verteidigerin. Dass er von allem nichts gewusst habe, ließe sich anhand von Buchungen und Zeugenaussagen nicht widerlegen, auch wenn die Richterin seine Ahnungslosigkeit seltsam fand: „Irgendwann muss mir das komisch vorkommen.“

Quelle: Waldeckische Landeszeitung

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