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Bürgermeisterwahl in Willingen: Thomas Trachte stellt Ziele vor

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Von: Wilhelm Figge

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Thomas Trachte strebt am 13. Februar die Wiederwahl als Bürgermeister der Gemeinde Willingen (Upland) an.
Thomas Trachte strebt am 13. Februar die Wiederwahl als Bürgermeister der Gemeinde Willingen (Upland) an. © Wilhelm Figge

Vor der Wahl in Willingen spricht Bürgermeister Thomas Trachte im Interview über seine Ziele und die wichtigsten politischen Fragen im Upland.

Willingen (Upland) – Willingens Bürgermeister Thomas Trachte strebt am 13. Februar seine Wiederwahl an. Für den einzigen Kandidaten wäre es die vierte Amtszeit. Im Interview spricht er über die wichtigsten politischen Fragen des Uplands und seine Ziele.

Was hat Sie dazu bewogen, für eine vierte Amtszeit anzutreten?

Die Freude an der Sache ist der Hauptgrund, aus dem ich gerne eine weitere Amtsperiode absolvieren würde. Es gibt mir persönlich sehr viel, für die Allgemeinheit zu arbeiten; dabei steht für mich das Wohl unserer Bürgerinnen und Bürger an erster Stelle. Natürlich haben wir auch viele innovative Projekte begonnen, wie zum Beispiel das Lagunenbad, die Neuorganisation des Tourismus-Marketings, das neue Seniorenkonzept, das Gesundheitsnetzwerk PORT. All diese Projekte sind Ansporn, weiter zu machen und sie erfolgreich zu Ende zu bringen.

In den vergangenen Jahren wurden viele Hotelpläne, Feriensparks und touristische Attraktionen diskutiert. Gibt es ein „Genug“ beim Tourismus?

Grundsätzlich ist ein Ort wie Willingen, der im globalisierten Wettbewerb bestehen will, darauf angewiesen, dass er sich entwickelt. Das heißt, dass in allen touristisch relevanten Bereichen Angebote vorgehalten werden, die den Markterfordernissen und den Kundenbedürfnissen entsprechen. Dazu gehört sowohl die öffentliche als auch die private touristische Infrastruktur, die die Wettbewerbsposition der Betriebe stärkt. Bei der Frage „Ist es genug?“ muss man deshalb sehr sorgfältig abwägen: Einerseits müssen sich die bestehenden Unternehmen qualitativ und quantitativ entwickeln können, andererseits darf auch nicht zu viel Angebot entstehen. Mir ist wichtig, dass die bestehenden Betriebe in ihrer Position gestärkt werden und kein Verdrängungswettbewerb entsteht.

Wie sieht es mit den Bettenzahlen aus?

In Willingen sind in den vergangenen Jahren viele Gästebetten weggefallen und an anderer Stelle neue Angebote entstanden. Dieser Ausgleichsprozess muss meiner Meinung nach erhalten bleiben, weil eine Fremdenverkehrsgemeinde wie Willingen auf eine gewisse Wirtschaftskraft angewiesen ist, um die öffentliche und private Gesamtstruktur aufrecht zu erhalten.

Mit dem Wachstum geht in Teilen der Bevölkerung und der Politik die Sorge einher, dass dies den Club-Tourismus stärken könnte. Sehen Sie diese Gefahr?

Das gemeindliche Marketingkonzept und alle gemeindlichen Wirtschaftsförderungsmaßnahmen fördern nicht den Club-Tourismus und sind auch nicht darauf ausgerichtet. Mit anderen Worten: Die Gemeinde bemüht sich um andere Gästegruppen, wie Familien, Aktiv- und Erholungsurlauber. Dazu haben wir gemeinsam mit der Wirtschaft ein neues Marketingkonzept erarbeitet, das auch zukünftig eine wichtige Grundlage für unsere wirtschaftspolitischen Entscheidungen sein wird. Zielrichtung ist nicht die Stärkung des Club-Tourismus, sondern die Entwicklung in anderen Segmenten. Hier hat die Gemeinde sehr viel Potenzial und gemeinsam mit der Wirtschaft können wir hier auch viel erreichen – da sehe ich unsere Zukunft.

Fällt unter „das, was die Gemeinde fördert“ auch die Bauleitplanung etwa für Hotels?

Auch die Bauleitplanung für Hotels kann als Wirtschaftsförderungsmaßnahme gesehen werden, weil damit Baurecht für sonst nicht umsetzbare Projekte geschaffen wird. Die Gemeinde wird aber nur tätig, wenn die privaten Konzepte geeignet sind, die genannten Ziele zu erreichen. Es ist klar, dass die Beurteilung dieser Frage manchmal nicht ganz einfach ist. Hier muss oft umfassend abgewogen und nach bestem Wissen und Gewissen entschieden werden.

Sie sprachen es an: Wichtig ist, dass die Wirtschaft mitzieht. Tut sie das?

Unsere Betriebe arbeiten auf hohen Niveau. Alle packen an, investieren, sind innovativ und bemüht um jeden guten Gast und jeden Kunden. Deswegen ist unsere Gemeinde schon heute wirtschaftlich sehr leistungsfähig. Ich bin davon überzeugt, dass alle Beteiligten diese positive Entwicklung weiter fortsetzen können.

Der Neubau des Lagunenbads für 31 Millioen Euro ist eines der Projekte, die Thomas Trachte in einer vierten Amtszeit erfolgreich zu Ende bringen möchte.
Der Neubau des Lagunenbads für 31 Millioen Euro ist eines der Projekte, die Thomas Trachte in einer vierten Amtszeit erfolgreich zu Ende bringen möchte. © Wilhelm Figge

Das größte Projekt der Gemeinde ist der Neubau des Lagunenbads – eine schwierige Entscheidung in der Corona-Krise. Würden Sie rückblickend etwas anders machen?

Ich denke, es wurde richtig entschieden. Das Lagunenbad ist ein Kernpunkt unseres touristischen Angebots und deswegen strukturell von großer Bedeutung. Ursprünglich hatten wir viel kleiner geplant und wollten lediglich das bestehende Bad neugestalten. Im Projektverlauf stellten sich jedoch immer wieder neue Baumängel heraus, die letztlich einen kompletten Neubau notwendig machten. Meiner Meinung nach gab es dazu keine Alternative, da sowohl der Weiterbetrieb des alten Bades als auch ein Verzicht auf die Einrichtung nicht in Frage kamen.

Bleibt es bei der „Schwarzen Null“ beim Betrieb des Bades?

Natürlich haben wir im Projektmanagement immer die Finanzierung der Baukosten und auch der späteren Folgekosten betrachtet und sichergestellt. Besonders wichtig ist dabei, dass wir erhebliche Zuschüsse zu den Baukosten bekommen, die uns später im Betrieb des Bades bei der Finanzierung der Kapitalkosten wesentlich entlasten. Zusammenfassend sieht das dann so aus, dass wir das Bad kostendeckend betreiben können. Die Finanzierung der Investitions- und Betriebskosten war für mich in der gesamten Projektentwicklung immer sehr wichtig.

Sie betonen oft, die Gemeinde müsse lebenswert bleiben. Was ist da entscheidend?

Eine Grundvoraussetzung ist eine attraktive Wirtschaft, damit Arbeits- und Ausbildungsplätze in möglichst vielen Berufsfeldern angeboten werden. Nur dort, wo es Arbeit und Einkommensmöglichkeiten gibt, können Menschen leben. Daneben sind soziale und gesellschaftliche Faktoren von großer Bedeutung. Dazu gehört das Gesundheitswesen, die Angebote zur Kinderbetreuung, die Schulangebote, die Freizeitmöglichkeiten, das Vereinsleben, die Angebote für ältere Menschen und vieles mehr. Aber auch solche Faktoren wie Bauland für Familien, bezahlbarer oder altersgerechter Wohnraum sind wichtig.

Die Wiederwahl strebt der Willinger Bürgermeister Thomas Trachte an.
Möchte einen „erfolgreichen Weg fortsetzen“: Thomas Trachte steht am 13. Februar zr Wahl. © Wilhelm Figge

Der Klimawandel rückt vermehrt ins öffentliche Bewusstsein, auch Sie thematisierten ihn. Gleichzeitig klagt die Gemeinde gegen Windkraftanlagen. Wie passt das zusammen?

Klimaschutz ist ein ganz wichtiges Thema. Das sage ich nicht, weil es modern ist, sondern weil ich tief davon überzeugt bin. Grundsätzlich ist globales Handeln erforderlich. Aber auch auf der regionalen Ebene können Beiträge geleistet werden. Wir legen zurzeit unsere Möglichkeiten in einem Klimaschutzkonzept fest. Die Windkraft muss hier sicherlich mitdiskutiert werden. Dabei lehnt unsere Gemeinde sie nicht grundsätzlich ab. Womit wir ein Riesenproblem haben, ist die Konzentration der Windkraftanlagen, denn unsere Gemeinde gehört nach dem Teilregionalplan Energie zu den Gebieten in Nordhessen, in denen mehr als zwei Prozent der Fläche für Windvorranggebiete vorgesehen sind. Hier ist die Gemeinde der Auffassung, dass das zu viel für eine Tourismusgemeinde ist, die sich gerade im Segment des naturnahen Aktivtourismus weiter profilieren will. Um touristisch attraktiv zu sein, braucht man neben den angesprochenen guten Angeboten eben auch intakte Naturräume. Unabhängig davon steht diese Konzentration der Anlagen und die damit verbundene Inanspruchnahme des Naturraums in vielen Punkten im Widerspruch zu den Entwicklungszielen des Naturparks Diemelsee im Hinblick auf Nutzung und Schutz von Natur und Landschaft. Die Gemeinde ist der Ansicht, dass diese Interessenkonflikte in den Planwerken noch nicht ausreichend diskutiert und abgewogen sind. Einvernehmliche Lösungen stehen somit noch aus.

Auf welchen Erfolg sind Sie im Rückblick auf 18 Jahre als Bürgermeister besonders stolz?

Ich freue mich darüber, dass so viele öffentliche und private Projekte realisiert werden konnten, die anspruchsvoll waren und unser Gemeinwesen weitergebracht haben. Als Beispiele möchte ich die Einrichtungen für die Alten- und Tagespflege sowie das Gesundheitsnetzwerk PORT nennen, die unser Gesundheitswesen bereichert haben oder den Ausbau des Betreuungsangebotes für Kleinkinder in den Kindertagesstätten. Aber auch die Zusammenarbeit mit den örtlichen politischen Parteien ist sehr wichtig. Wir haben in Willingen eine konstruktive, sachliche, faire und lösungsorientierte politische Kultur. Als Bürgermeister habe ich mich immer sehr bemüht, diese Managementstärke unserer Gemeinde mit zu gestalten und zu pflegen. Innerhalb der Verwaltung waren und sind mir bürgernahes Arbeiten und moderne Führungsprinzipien sehr wichtig. Auch bei meiner Arbeit habe ich immer großen Wert auf Bürgernähe gelegt.

Wo soll die Gemeinde am Ende Ihrer vierten Amtszeit stehen?

Ich wünsche mir, dass sich der erfolgreiche Weg der Gemeinde in den nächsten Jahren weiter fortsetzt, so dass die Bürgerinnen und Bürger auch in Zukunft gern hier leben und sich wohlfühlen. (wf)

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