Gemeindevertretung stimmt einstimmig zu

Corona trifft Tourismus-Hochburg: Willingen verabschiedet Haushalt mit Minus

Der Willinger Haushaltsplan 2021 ist von der Krise gezeichnet.
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Der Willinger Haushaltsplan 2021 ist von der Krise gezeichnet.

Einstimmig wurde der Willinger Etat verabschiedet – angesichts der Krise aber mit einigen Einschränkungen.

Willingen (Upland) – Einstimmig hat die Willinger Gemeindevertretung den vorgelegten Haushaltsentwurf beschlossen – und ist dabei dem im Haupt- und Finanzausschuss angenommenen FDP-Antrag gefolgt, die Investitionen für die Toilettenanlage am Ettelsberg und die Platzgestaltung beim Rathaus mit einem Sperrvermerk zu versehen – sie müssen also später noch mal diskutiert werden.

Eine andere Investition verschiebt sich laut Bürgermeister Thomas Trachte: Für den Usselner Bahnhof gibt es vorerst keine Fördermittel.

Willinger Haushalt wegen Corona mit schwieriger Ausgangslage

Angesichts der Steuereinbrüche „sollten wir noch froh sein, dass der Gesamtergebnishaushalt nur mit einem Minus von rund 755 000 Euro abschließt, erklärte CDU-Fraktionschef Jochen Schmitt – die Kollegen sahen es ähnlich: Die Schließung der Geschäfte und touristischen Betriebe sei eine Katastrophe, sagte Thorsten Kesper (SPD) – für die von Existenznot geplagten Bürger sowie den Gemeindehaushalt, dem zwei Millionen Euro Gewerbesteuern und Gebühren entgehen.

Die Verluste werden nach guten Jahren der Rücklage entnommen: „Gut, das wir sie haben. Aber sie wird uns nicht ewig retten“, sagte Dieter Schütz (FDP). Mit einem seetüchtigen Schiff in unruhigen Gewässern verglich Ingolf Schinze (Freie Wähler) die Gemeinde: Die Netto-Neuverschuldung von 560 000 Euro, 80 Euro pro Einwohner, sei noch kein Mast- und Schottbruch.

Investitionen in Willingen: Lagunenbad vernünftig abschließen

Größte Investition ist der weitgehende Neubau des Lagunenbads, für den dieses Jahr 20 Millionen Euro im Haushalt des Kurbetriebs eingeplant sind, den die Gemeinde stützt. Es sei Glück im Unglück, dass die Bauphase und die Pandemie zusammenfalle, so Schmitt. Das begonnene Projekt müsse nun vernünftig vollendet werden, stimmte Schinze zu. Dieter Schütz befand: Bei aller Unterstützung für das Projekt sei bei mehr als 31 Millionen Euro Kosten das Ende der Fahnenstange erreicht.

Projekte wie Toilettenanlage, Bahnhof und Dorfplatz seien mehr „Pflicht als Kür“, meinte Ingolf Schinze: „Im Invest dürfen wir nicht einen über den Durst nehmen, denn dies ist gerade in Willingen bekannterweise weder möglich noch angebracht.“ Planungen würden derweil in der Pandemie ständig überholt. Kesper sah das ähnlich: „Was heute noch geht, kann morgen schon wieder überholt sein.“ Projekte müssten schon mal abschnittsweise umgesetzt, verschoben oder verschlankt werden.

Weitere finanzielle Aussichten der Tourismus-Hochburg Willigen

Die Bedeutung günstigen Baulands und des Kita-Plus-Programmes für die Zukunft betonte Jochen Schmitt. Dieter Schütz reihte dies ein: Zur finanziellen Gesundung müsse die Gemeinde Einwohner gewinnen: „Das ist gut für die Schlüsselzuweisungen, sehr gut für die heimische Wirtschaft und ausgezeichnet für neue glückliche Wahl-Upländer.“ Die Fraktionen sollte zusammen für das Leben im Upland werben, bei Familien, Ruheständlern, Arbeitnehmern der vielen attraktiven Betriebe im Umkreis.

Die Gemeinde müsse weiter für die Zukunft fit gemacht werden, befand Jochen Schmitt: „Das erfordert Mut und Weitsicht – Eigenschaften, die ich leider manchmal vermisst habe.“ Die Krise zeige, wie wichtig Hotels und Gastronomie für den Haushalt seien – doch Willingen sei für viele Arten von Gästen gut aufgestellt. Thorsten Kesper betonte, dass die SPD sich der wirtschaftlichen Bedeutung des Wochenendtourismus bewusst sei – aber der Sommer eben zeige, wie wichtig es sei, den Zielgruppen Familie, Sport und Erholung mehr zu bieten. Mehr Party-Tourismus könne dem schaden. wf

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