"Willingen ist ein Kessel"

An der Mühlenkopfschanze ist Ausrasten angesagt - nicht nur bei den polnischen Fans

+
Andreas Wellinger setzte seinen Erfolgen in den vergangenen Wochen mit einem Sieg in Willingen die Krone auf.

Willingen. "Da ist die polnische Party schon im Gang, da brauchst du nichts mehr sagen. Da ist wieder völliges Ausrasten angesagt bei Polen", brachte es Stadionsprecher Gunnar Puk an der Willinger Mühlenkopfschanze auf den Punkt. Die Fans von Kamil Stoch, Dawid Kubacki, Maciej Kot & Co. hatten hauchdünn vor den deutschen Fans die Nase vorn im Lautstärke-Duell beim FIS-Skisprung Weltcup an diesem Wochenende. Während sie beim Anfeuern ihrer Idole nur ein paar Dezibel lauter waren, dominierte Rot-Weiß eindeutig das Fahnenmeer im Anlauf der Schanze, an der an diesem Wochenende 46.700 Zuschauer die 55 Skispringer aus elf Nationen bei ihren Weitenflügen anfeuerten.

Damit hat der Ski-Club Willingen sein Ziel erreicht. "40.000 Besucher plus x" hatte sich Pressesprecher Dieter Schütz für die drei tollen Tage bei dem Kultevent gewünscht. Die Marke wurde getoppt: 8.579 Zuschauer feierten den Auftakt am Freitag,, 21.000 Fans fieberten am Samstag beim Team-Weltcup mit, 17.100 Besucher feierten am Sonntag den Sieg von Andreas Wellinger vor den beiden Österreichern Stefan Kraft und Manuel Fettner.

 Auch mehr polnische Fans als sonst hatte es an die größte Sprungschanze der Welt gelockt. Zwar ist Polen traditionell eine Skisprung-Nation, aber wie Kondrad Balicki und Robert Kotwicki aus Medebach erklären, hat der Sport noch einen neuen Aufschwung erfahren. "Wir haben einen anderen Trainer, der ist besser als der alte." Und seitdem hätten die Teamkollegen von Kamli Stoch noch angezogen. Auch beim polnischen Nachwuchs ist Skispringen gefragter denn je, seit Adam Malysz vor rund zehn Jahren seine Erfolge feierte. "Jeder will heute in Polen Malysz sein", sagt Kondrad Balicki, der gebürtig aus Breslau kommt und schon seit Jahren zum Skispringen nach Willingen kommt - wegen der super Atmosphäre. Und weil es in Willingen mehr um den Sport und das gemeinsame Feiern geht als um verbissene Fankultur, gönnen die Medebacher auch den Deutschen den Sieg beim Einzel-Weltcup. "Wir haben gestern gewonnen. Das reicht uns", sagt Kondrad Balicki.

"Die Stimmung in Willingen ist viel besser"

"Es kommt aufs Springen an. Ich würde mich auch für die anderen freuen", sagt auch die Wienerin Selina Drotziger, die aber mit ihren spitzen Jubelrufen, sobald ein österreichischer Name durch den Lautsprecher schallt, keinen Zweifel daran lässt, für wen ihr Herz schlägt. Vor allem Manuel Fettner hat sie "mit seiner extrem lieben Art" und seinen guten Sprüngen überzeugt. Gepunktet hat aber an diesem Wochenende auch Willingen, wo sie sich heute das erste Mal unter die Fans gemischt hat. Weltcup-Erfahrung hat sie reichlich. In Österreich ist sie fast bei jedem Skispringen dabei. Aber die "Stimmung in Willingen ist viel besser, teilweise sogar besser als in Innsbruck. Es ist ein Kessel. Es ist sehr international, alle sind für jeden und man kann neue Freundschaften knüpfen", sagt die Wienerin, die auch ihre Freundin Nicola Gloge aus Hannover - ihres Zeichens Andreas-Wellinger-Fan - einst beim Skispringen kennen gelernt hat.

Zittern konnten beim Finale lange Zeit beide. "Es ist verdammt knapp, verdammt eng", fasste Stadionsprecher Gunnar Puk zusammen, als die besten 30 Skispringer beim zweiten Durchgang um den Platz auf dem Siegerpodest kämpften. Sah es lange so aus, als hätten Manuel Fettner, Gregor Schlierenzauer, Stefan Kraft und Michael Hayboeck die "österreichischen Festspiele" eingeläutet, bebte der Mühlenkopf, als sich Andreas Wellinger schließlich den Tagestitel als "Mr. Willingen" holte. Und da flossen dann doch ein paar Tränchen bei der Wienerin.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare