Rettung per Hubschrauber trainiert

Bergwacht und Polizei-Fliegerstaffel üben Evakuierung der Ettelsberg-Seilbahn

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Schnell von einer Gondel zur anderen geht es mit dem Hubschrauber.

Willingen. Was, wenn eine Seilbahn trotz aller Vorsichtsmaßnahmen stehen bleibt? Die Bergwacht und die Polizei-Fliegerstaffel haben am Ettelsberg eine Evakuierung geübt.

Wenn er da so frei in der Luft hängt, spürt Philipp Humpert den Wind nicht nur aus einer Richtung: Von der Seite weht kräftig und kühl der November-Wind am Ettelsberg. Und von oben kommt die Luft, welche die Rotoren des Hubschraubers hinab blasen, von dem er selbst an einem Stahlseil baumelt. Der Willinger ist erfahrenes Mitglied der Bergwacht und weiß: Er kann in diesem Augenblick nichts machen und muss sich auf den Operator der Seilwinde verlassen.

Er ist eines von sieben Mitgliedern der Bergwachten vorrangig aus Willingen und Bad Wildungen, die Dienstag die Evakuierung einer Seilbahn geübt haben, zusammen mit fünf Piloten und einem Techniker der Fliegerstaffel der Hessischen Polizei und ihrem Hubschrauber.

„Das ist die hohe Schule der Luftrettung“, erklärt Gerd Windhausen zur Übung an der Ettelsberg-Seilbahn – der Wildunger ist technischer Leiter der Bergwacht in Hessen. Alle drei, vier Jahre könnten spezialisierte Luftretter so üben. Zwar komme es selten vor, dass eine Bergbahn stehen bleibt – aber die Betreiber brauchen zusätzlich zur technischen Sicherung ein „Wache-Jungs-Konzept“. Dafür üben Bergwacht und Fliegerstaffel seit zehn Jahren.

Schwindelerregend weit über dem Boden schwebten die Retter zuweilen.

Der Hubschrauber sammelt die Retter auf, der Pilot manövriert ihn über die Kabinen. Per Seilwinde lässt der Flugtechniker Bergwacht-Mitglieder herab, die dann die Kabinen öffnen und alles bereit machen, um Passagiere abzuseilen. Das geht wesentlich schneller, als wenn sie sich komplett am Tragseil der Bahn entlanghangeln wollten, erklärt Windhausen.

Es sei aber komplex: Wenn die Seile der Winde und der Bahn sich berühren, führt das schnell zu unkontrollierbaren Problemen. Und im Moment, in dem der Bergretter sich auf der Kabine fixiert, ist auch der Hubschrauber gefesselt – gerade bei Wind eine Herausforderung.

„Schwierig ist auch, dass der Pilot keine Referenz hat – er sieht nur den Hang“, erklärt Polizeirat Klaus Boida, Leiter der Außenfortbildung der Fliegerstaffel. Da müsse er sich auf seine Einweisungen verlassen können.

Abflug: Auch die Rettung an der Seilwinde probierten Bergwacht und Polizei aus.

Nicht umsonst wird geübt: Dann und wann lässt sich der Bergretter wieder hochziehen, weil er keinen guten Halt findet, und der Heli muss neu anfliegen. Wenn aber erst mal jemand auf der Gondel steht, scheint jeder Handgriff zu sitzen: Die Retter fixieren sich und lösen sich vom Hubschrauber, der gleich zur nächsten Kabine weiter kann. Flugs öffnen sie die Kabinentür, steigen ein und lassen ein Seil herab. Zu guter letzt „retten“ die Bergwacht-Mitglieder sich gegenseitig aus den Gondeln und hängen dutzende Meter über der Erde in der Luft, bevor sie wieder sicheren Boden unter den Füßen haben.

Die Fliegerstaffel der Hessischen Polizei

Die Fliegerstaffel der Hessischen Polizei ist in Egelsbach im Kreis Offenbach stationiert. Von dort decken 26 Piloten mit drei Hubschraubern und einem Flugzeug Hessen und Rheinland-Pfalz ab – nach Willingen brauchten sie Dienstag 50 Minuten. Neben der Unterstützung von Rettungen aus unwegsamen Gelände unternehmen sie Suchflüge, fotografieren und vermessen Tatorte und Unfallstellesowie und transportieren SEKs bei Terrorgefahr. Die Winde komme drei bis fünf Mal im Jahr zum Einsatz, erklärt Klaus Boida– umso wichtiger seien Übungen.

Fotos: Mit Hubschrauber Rettung aus Seilbahn geübt

Quelle: Waldeckische Landeszeitung

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