Novemberpogrome 1938: Gedenken auf dem Jüdischen Friedhof in Eimelrod

Eimelrod: „Ihre Namen in Ehren halten“

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Pogrom vor 80 Jahren: Auch in Eimelrod wurde die Synagoge zerstört. Es gedachten den Opfern und dem Unrecht unter anderem (von links) Ulrich Faß-Gerold, Pfarrerehepaar Kai-Uwe und Katrin Schröter, Dr. Dirk Bender, Pfarrerin Gisela Grundmann, Bürgermeister Thomas Trachte, Patricia und Arye Straus aus Israel, dessen Cousins Rainer und Werner Bärenfänger, Ortsvorsteherin Henrike Habermann-Diez, Pfarrer Christian Röhling und Pfarrer i. R. Ernst Kreis.

Willingen-Eimelrod.  Auf dem Jüdischen Friedhof in Eimelrod wurde am Freitagnachmittag der Novemberpogrome von 1938 gedacht. Erstmals war ein Nachfahre einer jüdischen Familie, die bis 1937 in Eimelrod gelebt hatte, bei einem Gedenken zugegen. 

Auch in Eimelrod wurde am 9. November 1938 die Synagoge in Brand gesteckt und völlig zerstört.

Erstmals war ein Nachfahre einer jüdischen Familie, die bis 1937 in Eimelrod gelebt hatte, bei dem Gedenken zugegen: Arye Straus und seine Frau Patricia, die in Israel leben, waren eigens zu der Gedenkfeier nach Eimelrod gekommen. Ihre Familie war 1937 nach Argentinien ausgewandert.

„Der organisierte Pogrom ist ein sehr dunkles Kapitel unserer Geschichte, eines, das man gern vergessen würde – aber nicht vergessen darf“, sagte der Willinger Bürgermeister Thomas Trachte. 

"Erinnern ist wichtig"

„Erinnern ist wichtig, auch für die Zukunft“, betonte Thomas Trachte. Leider wirke Erinnern nicht wie ein Impfstoff: „Wir werden nicht immun gegen das Böse, es gibt immer noch viele Kriege, großes Unrecht, Waffenproduktion. Aber wir können uns vergegenwärtigen, wie wichtig es ist, dass wir uns für den Frieden einsetzen“.

Dafür, dass die jüdischen Mitbürger, die einst im Upland lebten, nicht in Vergessenheit geraten, setzten sich die Konfirmandinnen und Konfirmanden der evangelischen Kirchengemeinde und Schüler der Uplandschule Willingen ein: Sie verlasen deren Namen und Kurzbiografien. „Damit können wir sie nicht mehr lebendig machen, aber zumindest können wir sie ins Gedächtnis zurückrufen und ihre Namen in Ehren halten“, sagte Pfarrerin Gisela Grundmann.

Erstes Gedenken 1988 

Auch Pfarrer Christian Röhling, Pfarrerin Katrin Schröter und Pfarrer Kai-Uwe Schröter sowie der ehemalige Pfarrer von Eimelrod, Ernst Kreis, Jugendarbeiter Ulrich Faß-Gerold und Ortsvorsteherin Henrike Habermann-Diez gestalteten die Gedenkfeier mit.

1988 hatte der damalige Pfarrer Ernst Kreis zusammen mit Ortsvorsteher Heinz Behle erstmals ein Gedenken abgehalten auf dem Jüdischen Friedhof in Eimelrod. Auf Initiative des Willinger Arztes Dr. Dirk Bender wurde das öffentliche Gedenken vor sechs Jahren wieder aufgenommen und findet seitdem jedes Jahr statt.

Auf Spurensuche in Eimelrod

Gemeinsam sangen die Anwesenden das Lied vom Mandelzweig, „ein Lied der Versöhnung, wir sind alle Kinder Gottes“, betonte Pfarrerin Grundmann. Gelesen wurden zudem Verse aus den Klageliedern Jeremias. Bürgermeister Trachte und Ortsvorsteherin Henrike Habermann-Diez legten einen Kranz am Gedenkstein des Jüdischen Friedhofs nieder.

„Vielen Dank für das, was Sie für uns tun“, sagte Arye Straus, nachdem er das Kaddisch, eines der wichtigsten jüdischen Gebete, gelesen hatte. Zusammen mit seinen Cousins Rainer und Werner Bärenfänger sowie dem gebürtigen Eimelroder Dr. Alf Seippel gingen Arye und Patricia Straus anschließend auf Spurensuche auf den jüdischen Friedhof und in Eimelrod. (md)

Quelle: Waldeckische Landeszeitung

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