Gelebtes Europa

Die spanischen Praktikanten – hier mit Bürgermeister Thomas Trachte – sind glücklich darüber, im Upland die Chance auf eine berufliche Perspektive zu erhalten.

Das Upland ist wegen seiner vielen ausländischen Feriengäste eine kosmopolitische Region. Noch bunter geht es seit anderthalb Wochen zu, denn 21 Spanier absolvieren in acht Hotels in Willingen, Schwalefeld und Usseln ein fünfwöchiges Praktikum. Angestrebt ist, dass die jungen Spanier im Anschluss eine Ausbildung im Hotelgewerbe absolvieren.

Das Upland ist wegen seiner vielen ausländischen Feriengäste eine kosmopolitische Region. Noch bunter geht es seit anderthalb Wochen zu, denn 21 Spanier absolvieren in acht Hotels in Willingen, Schwalefeld und Usseln ein fünfwöchiges Praktikum. Angestrebt ist, dass die jungen Spanier im Anschluss eine Ausbildung im Hotelgewerbe absolvieren. „Wir freuen uns hier sein zu können“, erklärte Praktikant James Samson Salgado. „Die Landschaft ist wunderschön und die Menschen sehr freundlich“, fügte Praktikantin Ester Carrasco Manso hinzu. Nur an den etwas anderen Tagesablauf und die Essenszeiten müsse man sich gewöhnen. „Um zehn Uhr abends haben wir schon wieder Hunger“, ist ihnen aufgefallen. Gefragt, ob sie Heimweh haben, sagten sie: „Heimweh – was ist das?“ „Wir haben gar keine Zeit dafür“, fügte jemand lachend hinzu. Bisher wollen alle Praktikanten gerne bleiben. Geplant war, dass die Spanier nach dem Ende des Praktikums am 23. August und vor Ausbildungsbeginn am 1. September noch einmal Gelegenheit haben, nach Hause zu fahren. Viele haben aber von vornherein keinen Rückflug gebucht. Die heimischen Arbeitgeber würde das freuen, denn der Fachkräftemangel in der Gastronomie ist ein „ernsthaftes Problem“, wie Bürgermeister Thomas Trachte erklärte, während in Spanien die hohe Arbeitslosigkeit viele Jugendliche ohne berufliche Aussichten lässt. „Ich war sofort davon überzeugt, dass dies uns helfen kann und die Anwesenheit der Spanier tut auch allen anderen Mitarbeitern gut“, äußerte sich enthusiastisch Ingrid Brüne-Frisch vom Posthotel Usseln. Die Arbeitgeber bescheinigten ihren Praktikanten durchweg eine hohe Motivation: „Sie sind höflich, fleißig und engagiert. Unsere drei Spanier sind ‚everybodys darling’“, freute sich Katharina Höhle vom Romantik-Hotel Stryckhaus. Finanziell unterstützt wird die länderübergreifende Kooperation durch das Förderprogramm „The job of my life“ der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV). Auch die IHK unterstützt das Programm. Der Kontakt mit den Spaniern kam auf Initiative der hiesigen Wirtschaftsförderung und des Arbeitsamtes in Korbach mit Hilfe der ZAV und der Bundesanstalt für Arbeit zustande. Die spanischen Bewerber absolvierten in ihrer Heimat einen zweimonatigen Sprachkurs und erhalten nun vor Ort zweimal wöchentlich Sprachunterricht. „Das war wie eine Geburt ohne Vorbereitungskurs“, beschrieb Stefanie Göbel von Göbel’s Landhotel die Situation. „Aber wie bei einem Baby kann man sich auch gut ohne Worte verständigen und mittlerweile klappt es sehr gut.“ Auch die Gäste seien rücksichtsvoll und würden langsamer sprechen, damit die spanischen Praktikanten sie verstehen. Katja Kremser-Stuhldreier vom Sauerland-Stern-Hotel sagte: „Wir haben zum Glück schon einige spanische Mitarbeiter, die uns hilfreich zur Seite stehen.“ Die Sprachbarriere sahen dennoch alle Beteiligten als die große Hürde an: „Das Deutsch muss noch besser werden“, stimmte Marjolijn Lammers vom Hotel Hochsauerland 2010 zu. Eine große Herausforderung ist der Berufsschulunterricht, der auf Deutsch bewältigt werden muss. Die Berufsschule bietet einen Spanischkurs an, allerdings nur alle zwei Wochen für zwei Stunden. Je nach Bedarf, soll es aber weitere Förderung durch die Arbeitsagentur geben. Bis zur Abschlussprüfung müssen die schriftlichen Deutschkenntnisse hinreichend sein. „Dann wird es spannend“, so Dirk Schmid von den Beruflichen Schulen in Korbach. Die Spanier sollen auf zwei Klassen aufgeteilt werden, damit sie sich besser integrieren. Die Initiatoren des Projekts sind sehr optimistisch und vom Erfolg des Programms überzeugt. Trachte erklärte: „Wir sind Teil der Europäischen Union und das ist ein kleines Stück gelebtes Europa.“ Wirtschaftsförderer Dieter Pollack, der das Projekt vor Ort maßgeblich koordinierte, fügte hinzu: „Geplant ist, die Kooperation in den nächsten Jahren auf andere europäische Länder auszudehnen“.

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