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Gemeinden kooperieren in der Gesundheitsversorgung mit Pilotprojekt

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Von: Kristin Sens

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Mit viel Optimismus und Herzblut machen sich die Verantwortlichen ans Werk, das Pilot-Projekt „Port“ in Willingen und Diemelsee umzusetzen. Die Tafeln symbolisieren die vier Projektbausteine: Prävention, Vernetzung, Casemanagement und Telemedizin. Foto: Sens
Mit viel Optimismus und Herzblut machen sich die Verantwortlichen ans Werk, das Pilot-Projekt „Port“ in Willingen und Diemelsee umzusetzen. Die Tafeln symbolisieren die vier Projektbausteine: Prävention, Vernetzung, Casemanagement und Telemedizin. © Kristin Sens

Willingen. Die Menschen im Upland sind bekannt für ihren Mut, Neues zu wagen. Gemeinsam mit der Nachbargemeinde Diemelsee nimmt Willingen seit Anfang Oktober an einem dreijährigen Pilotprojekt namens „Port“ teil, bei dem es darum geht, innovative Ideen in der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum umzusetzen. Gefördert wird das Projekt von der Robert-Bosch-Stiftung mit 250.000 Euro. Bundesweit hat diese insgesamt fünf Modell-Initiativen ausgewählt.

„Wir sind sehr stolz, dass (...) die Robert-Bosch-Stiftung unsere Initiative ausgewählt hat“, so Landrat Dr. Reinhard Kubat. „Eine solide Gesundheitsversorgung zu garantieren, den Gesundheitsstandort zu stärken und verbessern, ist eine besondere Herausforderung im ländlichen Raum. Aber ich glaube, dass wir ganz gute Möglichkeiten haben“, betonte Bürgermeister Thomas Trachte.

Unterstützt werden die beiden Gemeinden dabei vom Landkreis Waldeck-Frankenberg, der sich selbst mit Initiativen wie „Gesundheit schafft Zukunft“ und „landarzt-werden.de“ für den ländlichen Raum stark macht.

Ziele des Projekts sind, den Patienten in den Mittelpunkt zu stellen, komplexen Bedürfnissen, wie Mehrfacherkrankungen und Multimedikation, durch koordinierte Versorgung besser gerecht zu werden, den Bereich der häuslichen Pflege zu stärken sowie insgesamt reibungslose Übergänge zu schaffen. Der offizielle Projekttitel lautet: „Patientenorientierte Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung“ - kurz: „Port“.

Projektkoordinatorin Katharina Kappelhoff erläuterte, wofür „Port“ steht: „Das ist der symbolische Hafen, wo alle Fäden zusammenlaufen“. Vernetzung ist das zentrale Stichwort. Einer der vier Bausteine ist ein Versorgernetzwerk in Form einer Online-Plattform. Hier sollen Einheimische, aber auch Urlauber, sich über das medizinische Angebot der Region – ob Hausarzt, Facharzt, Apotheke, Therapiezentrum, Krankenhaus oder Pflegeeinrichtung - informieren können. Dass Willingen/Diemelsee als Pilotregion ausgewählt wurde, habe damit zu tun, dass es bereits gute Ansätze gebe, erklärte Kappelhoff weiter.

Die Pläne sind durchaus ehrgeizig, geht der Blick doch sogar über Ländergrenzen hinweg: „Wir haben unter anderem bereits Kontakte zum Krankenhaus in Brilon geknüpft, bezüglich einer engeren Kooperation“, erläuterte Dr. Dirk Bender, der als Vertreter der Willinger Ärzteschaft im Leitungsgremium von Port sitzt. Er spielt dabei auf den zweiten Baustein des Projektes an, die Vernetzung der Arztpraxen, Krankenhäuser und sonstigen Einrichtungen untereinander, in Form von elektronischen Patientenakten, standardisierten Berichten, bis hin zum Bereich der Telemedizin. Dabei stehe der Schutz der Privatsphäre und die Datensicherheit an oberster Stelle, betonte Bender. So plane man, ein eigenes digitales Netz zu schaffen, dass unabhängig vom globalen Internet ist.

Dritter Baustein ist der Bereich der Prävention. Zu diesem Zweck soll in Willingen ein eigenes Beratungs- und Schulungszentrum entstehen. Zusätzlich wird eine Stelle für einen Fallmanager geschaffen – der vierte Baustein von Port. Dessen Aufgabe werde es sein, die nicht-medizinische, soziale Patientenbegleitung zu übernehmen und zum Beispiel dabei zu helfen, dass der Übergang vom Krankenhaus in die häusliche Pflege gelingt. Dabei sollen vorhandene soziale Strukturen gestärkt und genutzt werden.

Ganz neu ist das nicht. Es gibt bereits die nichtärztliche Praxisassistenz – kurz „Näpa“, die er selbst bereits nutze, erklärte Bender. Die Aufgaben des sogenannten Casemanagers gingen aber darüber hinaus. Zudem ist seine Ausbildung im akademischen Bereich der Fachhochschule angesiedelt. Beide, Schulungszentrum und Casemanager, sollen räumlich am Pflegehotel in Willingen angedockt werden, das zurzeit zukunftsweisend umgebaut und erweitert wird. Dessen Leiterin, Waltraud Rebbe-Meyer, sitzt für den Bereich Pflege und Therapie ebenfalls im Leitungsgremium.

„Goldstück im Gesundheitsbereich“

Kappelhoff sprach von einem „Campus Willingen“. Eine Vision, welche die Gemeinde schon geraume Zeit pflege, so Trachte: Zwischen den beiden Kirchen, dem Besucherzentrum und dem Kurpark, soll, mit Pflegehotel, Arztzentrum, Apotheke, Seniorenresidenz und dem neuen Gesundheitszentrum als weiteren Bausteinen, ein „Goldstück im Gesundheitsbereich“ entstehen.

Mit dem, was hier geplant ist – und der feste Wille der Verantwortlichen ist, die Arbeit über den Projektzeitraum weiterzuführen – könne die Region attraktive Anreize für Mediziner schaffen, sich hier niederzulassen. „Die medizinische Versorgung ist auch eine Standortfrage“, so Kreis-Gesundheitsdezernent Karl-Friedrich Frese.

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