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Geologische Sensation

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Erdvertiefungen deuten auf Bergbauaktivitäten hin, wie sich die Teilnehmer der grenzübergreifenden Exkursion erklären ließen. Fotos: Kristin Sens
Erdvertiefungen deuten auf Bergbauaktivitäten hin, wie sich die Teilnehmer der grenzübergreifenden Exkursion erklären ließen. Fotos: Kristin Sens

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Diese Erfahrung machten auch rund 40 Teilnehmer einer geologischen Exkursion, die sich an zwei Stellen auf die Suche nach dem Edelmetall begaben. Für alle war sie dennoch ein "ganz tolles Erlebnis", wie es Heimatforscher Horst Frese beschrieb.

Ingrid Emde und Horst Frese von den Heimatvereinen in Usseln und Düdinghausen hatten geologisch und historisch interessierte Laien zu einer Erkundung eingeladen. Im Anschluss wurde diskutiert, wie man die neuen Erkenntnisse in der Region bewerten und vermitteln könnte.

Ausgangspunkt war der Bauernhof der Heimatkundlerin Renate Hill, zwischen Usseln und Ohlenbeck. Ganz in der Nähe befindet sich ein Stolleneingang. Die meisten Ortskundigen kennen ihn, nur wenige werden aber wissen, dass dort nach Gold gegraben wurde. Der Geochemiker Dr. Markus Schade, der sich seit knapp 40 Jahren intensiv mit dem Goldvorkommen in Deutschland und weltweit beschäftigt, erklärte anhand einer Karte die geologischen Strukturen der Region und in welchen Gesteinsschichten man ein gehäuftes Goldvorkommen vermuten kann.

Das Besondere am hiesigen Gold ist sein Trägermaterial. Während Gold meist in Quarz eingelagert ist, findet man es hier in Karbonaten wie Calcit oder Dolomit angereichert. Von den erdgeschichtlichen Prozessen waren es die Verschiebungen und Auffaltungen der Erdschichte sowie die vulkanischen und hydrothermischen Aktivitäten der Region, die vor rund 250 Millionen Jahren dazu beitrugen, dass sich in bestimmten kieseligen Übergangsschichten vermehrt Gold anreicherte.

Im Stollen von Welleringhausen wurde wahrscheinlich zwischen dem 12. und 15. Jahrhundert nach Gold gesucht. Abraumhalden und Erdvertiefungen zeugen heute noch von den mittelalterlichen Bergbauaktivitäten.

Partikel zu klein für Goldabbau

Nur wenige Kilometer weiter südlich Richtung Düdinghausen befindet sich ein Steinbruch, in dem goldtragende Gesteinsschichten zutage getreten sind. Abbauen kann man Gold dort aber nicht, dafür sind die Partikel zu klein und der Gewinnungsprozess zu aufwändig. Man kann aber, wie Schade zeigte, mit etwas Glück und Geschick in Bächen der Umgebung winzige Stückchen von Goldflitter finden. Auch dies Gold ist mit bloßem Auge kaum erkennbar, nicht der Mühe wert, gewonnen zu werden.

Auch wenn die Augen der Expeditionsteilnehmer glänzten, als der Goldexperte zwei Fundstücke präsentierte, die Begeisterung galt eher der geologischen Sensation.

Im Anschluss an die Exkursion trafen sich die Teilnehmer in Düdinghausen, um zu überlegen, wie man die Tatsache des Goldvorkommens weiter erforschen und Gästen wie Einheimischen präsentieren kann. Gemäß dem Motto des Geoparks Grenzwelten, wollen die Gemeinden Usseln, Düdinghausen, Welleringhausen, Neerdar und Eimelrod grenzübergreifend zusammenarbeiten. In einem ersten Schritt sollen alle sehenswerten Orte der Region auf einer Karte erfasst werden, um daraus später thematische Rundwege zu gestalten.

"Bergbauhistorisch bietet die Region genügend Potential und Gold ist ein schöner Aufhänger", bestätigte Dr. Schade. Positive Signale kamen auch von der Gemeinde Willingen. "Der Gemeindevorstand wird das Thema weiterverfolgen", erklärte stellvertretend Karl-Volker Sauer.

Der gefundene Goldflitter wird jedenfalls schon einmal einen Ehrenplatz im Kulturspeicher von Düdinghausen finden.

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