Mehrheit im Parlament für ersten Schritt

Hotel an der Ladestraße in Willingen geplant

Das geplante Hotel beim Bahnhof (Ansicht von der Briloner Straße) löste Diskussionen aus. darstellung: kleine+potthof architekten
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Das geplante Hotel beim Bahnhof (Ansicht von der Briloner Straße) löste Diskussionen aus.

Ein Hotelplan nahe des Willinger Bahnhofs löst Diskussionen aus: Die Brauhaus-Gesellschaft stellte es als ein „Best Western“ für Biker vor – Kritiker sehen Potenzial für Club-Tourismus.

  • Die Brauhaus-Gesellschaft will an der Ladestraße beim Willinger Bahnhof ein Hotel bauen.
  • Das Upländer Parlament sprach sich mit 15 zu 10 Stimmen dafür aus, das nötige Planungsverfahren zu beginnen.
  • Es entspannte sich eine Diskussion über Club-Tourismus und die Grenzen des Fremdenverkehrs.

Willingen – Die Brauhaus-Gesellschaft plant, an der Ladestraße beim Willinger Bahnhof ein neues Hotel zu errichten. In der Gemeindevertretung wurde es als Angebot mit Fokus auf Mountainbiker unter der Flagge der „Best Western“-Gruppe vorgestellt. Mit 15 zu 10 Stimmen beschloss das Parlament, mit dem Aufstellungsbeschluss das nötige Planungsverfahren zu beginnen. CDU und FDP waren dafür, SPD und Freie Wähler dagegen.

Arndt Brüne von der Brauhaus-Gesellschaft und Architekt Uno Kleine stellten das Projekt vor. Der Mountainbike-Tourismus sei ein „riesiger Wachstumsfaktor“, erläuterte Brüne, in Willingen gerade dank der Entwicklung am Ettelsberg und des geplanten Grenztrails. Die Beherbergungsbetriebe im Ort seien darauf bislang nur oberflächlich spezialisiert. Und im „Best Western Plus“ spielten Geschäftsreisende und Tagungsgäste die zentrale Rolle: „In einem Haus sind die beiden Zielgruppen schwierig zu kombinieren.“

In einem Gebäude mit zwei Obergeschossen sind 93 Doppelzimmer geplant, erläuterte Uno Kleine. Im Erdgeschoss ist ein Restaurant für die Gäste des Hauses vorgesehen, im zweiten Obergeschoss ein Wellness-Bereich. Auch Terrassen mit Blick auf Sonnenhang und Ettelsberg sind Teil des Projekts.

Es solle viel mit Holz gebaut werden, um einerseits möglichst CO2-neutral zu arbeiten und andererseits schneller fertig zu werden – die Sperrung der Briloner Straße soll sich in Grenzen halten. Das Flachdach würde begrünt. Eine Tiefgarage böte 51 Stellplätze.

Befürchtung vor mehr Club-Touristen in Willingen

„Wie stellt man sicher, dass hauptsächlich die Zielgruppe der Biker erreicht wird?“, fragte Thorsten Kesper (SPD) als Auftakt einer Diskussion über Auswirkungen auf den Clubtourismus. Beim Betrieb der K1-Hütte habe die Brauhausgesellschaft Erfahrungen und Kontakte im Bike-Segment gesammelt, erklärte Arndt Brüne. Für Biker seien Annehmlichkeiten geplant wie Waschräume und eine Video-Wand, um Aufnahmen ihrer Fahrten zu zeigen.

Dass er diese erst im Nachgang vorstellte, löse seine Bedenken aus, erläuterte Kesper. Das geplante Hotel befinde sich in exponierter Lage. Arndt Brüne verwies auf das bestehende „Best Western“: Sicher seien auch mal Club-Touristen zu Gast, aber es sei ein zu 24 Stunden besetztes Vollhotel ohne Probleme.

Nah am Grünen liegt das Projekt-Areal für das geplante Hotel in der Ladestraße – aber auch direkt an der Party-Meile.

„Arge Befürchtungen“ äußerte auch Friedrich Engelbracht (Freie Wähler): „Auch ohne darauf ausgerichtetes Marketing wird Partytourismus in das Hotel drücken.“ Werde es denn den Vier-Sterne-Standard des „Best Western“ erreichen? Ziel seien „Drei Sterne Superior“, um auch mal Tagungsgäste verlegen zu können, so Brüne. Kein Gast solle sagen müssen: „Ich hab ,Best Western‘ gebucht und ihr schickt mich in eine Club-Bude.“

Bedenken könne er nachvollziehen, sagte Brüne, „auch gegen uns als Gesellschaft“. Aber: „Man kann der Willinger Brauhaus-Gesellschaft zutrauen, dass sie anderen Tourismus kann.“ Das habe sie schon bewiesen.

Es gehe erst mal nur um den Aufstellungsbeschluss, erklärte Dirk Wilke (FDP): „Wir sind der Meinung, dass wir ins Verfahren hineingehen können.“ Einen Antrag der Freien Wähler, den Tagesordnungspunkt zuerst an den Bauausschuss zurückzugeben, wiesen CDU und FDP mit 15 zu 10 Stimmen ab.

Willinger Bürgermeister: Erneuerung wichtig für Urlaubsort

„Wir sind der Meinung, dass man mit dem Argument ,Da könnten Clubs reinkommen‘ nicht jedes Projekt stoppen muss“, erklärte Bürgermeister Thomas Trachte für den Gemeindevorstand. Stark störende Personen seien die Minderheit unter der Party-Gästen, und ohne verträgliche Club-Touristen drohten wirtschaftliche Einbußen.

Derweil habe der Gemeindevorstand ein Treffen mit einem Fachjuristen veranlasst, um „Wege zu finden, an die Betriebe ranzukommen, die keine Rücksicht nehmen“: Das seien nicht die Hotels, sondern unbewachte Ferienwohnungen. „Die haben sich wie Geschwüre in unserer Gemeinde ausgebreitet.“ Ihre Klientel soll lieber zu Hause bleiben. Aber wenn die Politik den Investoren nicht glaube, dass das nicht ihre Zielgruppe sei, könne sie eigentlich gar keine Hotels mehr zulassen.

Angesichts des Projekts Schutzhütte, des B&B-Hotels und eines angedachten Chalet-Parks stellte Christian Kloß (Freie Wähler) eine Grundsatzfrage: „Wie viel Tourismus braucht Willingen?“ Das sei schwer zu beantworten, so Trachte: Aber für ein florierendes Zentrum mit wachsender Wirtschaft und Bevölkerung brauche es Erneuerung. „Wie viele tolle Ferienorte gab es im Sauerland und Waldecker Land, die nun von der Landkarte verschwunden sind?“, fragte Trachte. Es würden garantiert noch Betriebe wegfallen, eine gewisse „Grundmasse“ sei aber notwendig, um die Infrastruktur und Professionalität aufrechtzuerhalten, die der Gast erwarte. (wf)

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