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Interview: Wann Thomas D mit den Fantastischen Vier ins Sauerland kommt

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Von: Stefanie Schümmer

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Interview Thomas D die Fantastischen Vier Konzert Willingen
„30 Jahre Live Tour“: Die Fantastischen Vier (v.l. Michi Beck, Thomas D, And.Ypsilon und Smudo) kommen nächstes Jahr für ein Open-Air-Konzert nach Willingen. © Veranstalter

„Die Da“, „MFG“, „Troy“, „Zusammen“ – Die Liste der Hits ist lang. Die Fantastischen Vier wollten zu ihrem Bandgeburtstag mit ihren größten Ohrwürmern schon vor zwei Jahren auf große „30 Jahre Live Tour“ gehen. Doch Corona verhinderte den Plan. 

Willingen/Hochsauerland – Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben. Jetzt stehen die neuen Termine fest.

Im Sommer 2022 können sich die Fans auf mehrere Open-Air-Konzerte freuen, unter anderem treten sie am 5. August 2022 in Willingen auf.

Höhepunkte, Erinnerungen, keine Corona-Platte

Frontmann Thomas D sprach mit SauerlandKurier-Redakteurin Stefanie Schümmer über die Höhepunkte der 30-jährigen Bandgeschichte, was es für ihn bedeutet auf der Bühne zu stehen, welche Erinnerungen er ans Sauerland hat (oder auch nicht) und warum es keine Corona-Platte geben wird.

Wie sehr freust du dich, dass ihr die Tour endlich nachholen könnt?

Es ist unglaublich! Wir hatten ja in diesem Jahr tatsächlich auch Konzerte. Es waren die ersten zaghaften Gehversuche in eine neue Realität, um ein bisschen blumig zu sprechen . Beim ersten Mal hatten die Leute noch Masken auf. Beim zweiten Konzert waren die Regeln so, dass die Besucher keine Masken mehr brauchten. Es waren so 2000-3000 Leute vor der Bühne – und das war so wahnsinnig großartig, dass wir es selbst kaum glauben konnten.

Du hast die Bühne schon sehr vermisst?

Im ersten Jahr der Pandemie dachte ich als „alter Hase“ im Musikgeschäft (schmunzelt) ein Jahr keine Konzerte geben – das hälst du auch aus, das ist ja nicht schlimm... Ich kann mich beschäftigen und gehe meinen Hobbys nach. Ich habe einen Bagger zu Hause (lacht). Aber irgendwann fehlt doch etwas und zwar ist das irgendwas wie Bestimmung oder Berufung oder so. Wenn du dann auf der Bühne stehst und siehst den Leuten ins Gesicht, wie sie mitsingen und wie sie das wieder abfeiern, was für unterschiedliche Menschen da stehen, die dann alle vereint diesen Moment mit einem selbst genießen – das ist wirklich unglaublich! Ich hätte nicht gedacht, dass mich das so bewegt.

Und hoffentlich finden die Konzerte ohne Abstandregelungen und andere Einschränkungen statt...

Hoffentlich. Jetzt sprechen wir in einem Moment, wo die Zahlen wieder durch die Decke gehen – und keiner weiß, wie es wird. Aber – wir sind zuversichtlich und schieben ja unser 30-Jähriges jetzt seit zwei Jahren vor uns her. Mittlerweile müsste es heißen: 33 Jahre Fanta 4. Aber wir haben gesagt: Für immer 30 Jahre. Dann ist es egal, wann es stattfindet. Auch wenn es jetzt nochmal zehn Jahre dauert... Das 30-Jährige wird gebührend gefeiert!

Apropos: Hast du ein persönliches Highlight in 30 Jahren Bandgeschichte?

Eins reicht da bei Weitem nicht. Es sind mit Sicherheit eine Hand voll. Wenn du die Top 5 nimmst, muss ich mich immer noch sehr stark einschränken. Das sind Momente wie Schwimmbad-Club Heidelberg – 300 Leute passen rein, 1500 stehen vor der Tür – das war in dem Jahr, als „Die da“ durch die Decke ging und wir realisiert haben: „Oh mein Gott, wir sind Popstars! Jetzt haben wir es geschafft!“ Das waren „20 Jahre Die Fantastischen Vier“ mit 66.000 Leuten auf den Cannstatter Wasen, ein Gig in Paris in so einem kleinen Club, wo aber über die Hälfte doch deutsch war und wir versucht haben, französisch zu sprechen (lacht). Das sind alles so Momente, die bleiben einem doch in Erinnerung. Und dann sind da noch die kleinen Sachen: Ein Fan, der vorne links steht und bei irgendeinem Stück weinen muss. Oder ein Brief, den ich von einem Fan bekomme, der mir seine Lebensgeschichte offenbart, wo ich weinen muss. Das sind ganz viele Momente, die auch so einem vergesslichen Typen wie mir in Gedächtnis bleiben.

Da kommen bestimmt noch weitere Momente hinzu – in den nächsten 30 Jahren. Gibt es denn noch unerfüllte Wünsche oder Ziele – trotz der Erfolge?

Das ist schwer zu sagen, weil unsere Träume tatsächlich bei Weitem übertroffen wurden – und wir haben ja schon groß geträumt, dass wir Popstars werden wollten. Damals war Popstar noch ein ehrbarer Beruf. Damals konnte man den noch nicht in einer Castingshow gewinnen (lacht). Das musste man sich noch echt erarbeiten. Aber niemand hätte gedacht, dass es 30 Jahre geht. Wie so schön in dem Song „Wir ernten, was wir säen“ gesagt wird: „Nur leider, leider sagt dir keiner deiner Neider Bescheid, wie geht es weiter, weiter hast du erstmal alles erreicht?“ Es ist ein ganz schwieriger Punkt, wenn man eigentlich da ist, wo man sagt: „Ich habe eigentlich viel mehr erreicht, als ich mir je erträumt hätte.“ Als Künstler möchte man sich aber immer wieder neu erfinden, zum Beispiel mit einer neuen Platte. Dann zählt nicht mehr, was man Großartiges vollbracht hat. Man ist wieder bei Null und muss sich selbst nochmal beweisen, dass man es noch drauf hat.

Gibt es denn vielleicht einen Künstler, mit dem ihr gerne mal zusammen arbeiten möchtet?

Das gab es eigentlich auch noch nie, denn die Fantas waren sich selbst schon genug – drei zu viel, ne Quatsch! Wenn es so Lieder gab wie „Einfach sein“ mit Herbert Grönemeyer, kam es nur, weil Smudo den Refrain gesungen hat und alle, die es gehört haben, gemeint haben, dass es wie Grönemeyer klingt. Smudo war voll sauer: „Wir sind doch die Fantas, wir sind doch nicht Grönemeyer! Wenn ihr alle meint, dass es so klingt, dann soll doch der Grönemeyer das singen!“ Wir haben ihn dann angerufen und er hat zugesagt. Oder unsere letzte Single „Zusammen“ mit Clueso, einer unserer größten Hits, hat sich so angeboten, weil wir ihn wirklich schon sehr lange kennen. Wir sind diesen Weg auch irgendwie zusammen gegangen. Er war auch auf unserem Label. Man hat sich immer wieder getroffen und man versteht sich gut. Wer könnte also unseren Refrain besser singen als Clueso, wo es auch noch inhaltlich stimmt?

Nächstes Jahr kommt ihr nach Willingen. Was verbindest du mit dem Sauerland?

Wo liegt das denn in etwa (lacht)? Die Balver Höhle ist doch im Sauerland? Wir haben dort MTV Unplugged 1 und 2 – zwei grandiose Platten mit keinem gleichen Song drauf – gespielt. Das war legendär! Das erste Unplugged war ein Ritterschlag für uns, weil damals noch viele gedacht haben: „HipHop geht nicht mit echten Instrumenten, der Computer macht die ganze Musik.“ Da waren noch Vorurteile im Raum. Als wir dann da standen mit den Musikern und die Leute gemerkt haben: „Wow, das ist ja echte Musik!“ Das werden wir nie vergessen. Das ist eine einmalige Location. Dem Junggesellenverein aus Balve, der es uns erlaubt hat, dort zu spielen, ist auch ewiger Dank sicher. Und da gibt es bestimmt noch ganz viele andere Momente, die im Sauerland stattgefunden haben, mir aber gerade nicht einfallen.

Eine letzte Frage, habt ihr die Corona-Zeit denn musikalisch genutzt, sodass die Fans in Willingen auch neue Songs zu hören bekommen?

Ja, tatsächlich. Ziemlich zu Beginn hatten wir einen Song geschrieben, der hieß „Irgendwann“ und hat sich mit dieser Zeit beschäftigt. Irgendwann schauen wir auf die Zeit zurück und sagen: „Guck mal, was damals für komische Zeiten waren.“ Also die Verarbeitung von dieser seltsamen Zeit. Aber dann haben wir festgestellt, dass die Folgesongs alle so Corona-geprägt sind. Da gab es ein Song, der handelt von Angst, ein anderer von schlechter Laune – das war dann so: „Lass uns sofort aufhören, solche Songs zu machen! Die ziehen uns nur runter!“ Ich will keine Corona-Platte machen, in der es nur darum geht, dass im Moment alles scheiße ist und die Gesellschaft sich zu stark spaltet. Ist kein angenehmes Thema. Deshalb haben wir es nicht geschafft, während Corona eine neue Platte herauszubringen. Wir arbeiten aber an Songs. Ich denke, dass wir auf der nächsten Tour auch zwei-drei neue Stücke mitbringen, die trotzdem der Knaller sind und keine Depri-Stimmung verbreiten. Wir können auch nicht so tun, als wäre nichts. Aber wir können Songs schreiben, die Mut machen, Hoffnung geben und Trost spenden – ohne traurig zu machen.

Verlosung

Der SauerlandKurier verlost fünf Karten für das Konzert am 5. August 2022 in Willingen. Einfach eine E-Mail mit dem Betreff „Fanta 4“ an gewinnspiel@sauerlandkurier.de mit Name und Telefonnummer senden. Einsendeschluss ist Montag, 20. Dezember, 13 Uhr. Ansonsten gibt es die Tickets im Vorverkauf.

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