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Das „K1“-Projekt am Köhlerhagen gilt als das bis dato größte Seilbahnprojekt im Sauerland

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Winter an K1
Winter an K1 © iftgemeinschaft Köhlerhagen

Die verbaute Technik entspricht in all seinen Facetten dem modernsten Stand der Seilbahntechnik. Nach nur acht Monaten Bauzeit war gestern die Eröffnung. Damit bekommt Willingen eine weitere Superlative: Deutschlands derzeit modernste Sesselbahnanlage, den längsten Lift im Sauerland. Der offizielle Fahrbetrieb startet am heutigen Samstag, 15. Dezember.

Die Liftgemeinschaft Köhlerhagen, ein Unternehmen der Ettelsberg-Seilbahn Willingen, setzt mit dieser Investition im Weltcup-Ort Willingen auf die sichere, komfortable und leistungsstarke 8-er Sesselbahn auf alpinem Niveau. Die neue K1 geht jetzt in Betrieb. Sie ist damit nicht nur ein Ersatz für die 50 Jahre alten Schlepplifte Köhlerhagen 1 und 2, sondern der momentan längste Sessellift im Sauerland mit insgesamt 1.500 Metern. „Die Umsetzung dieses K1-Projektes ist die konsequente Fortführung unserer ganzjährigen Betriebsphilosophie am Ettelsberg – und das auf allerhöchstem Niveau: im Sommer wie im Winter“, betont Jörg Wilke, Geschäftsführer der Liftgemeinschaft.

Die bestehende Piste wird oben bis zur neuen Bergstation nahe des Gipfelkreuzes und unten bis zur neuen Talstation auf dem heutigen Sportgelände verlängert. Die Länge der Piste „Köhlerhagen“ beträgt dann über 1.600 Meter.
Die bestehende Piste wird oben bis zur neuen Bergstation nahe des Gipfelkreuzes und unten bis zur neuen Talstation auf dem heutigen Sportgelände verlängert. Die Länge der Piste „Köhlerhagen“ beträgt dann über 1.600 Meter. © ftgemeinschaft Köhlerhagen

Das Zehn-Millionen-Projekt wurde mit der nötigen Kompetenz und Erfahrung des Seilbahnspezialisten Doppelmayr aus Österreich umgesetzt. Erstmals wurde die Bahn der neuen D-Line-Baureihe als Achter-Sesselbahn in Deutschland aufgebaut. Rot-schwarze Komfortsessel und windabweisende Wetterschutzhauben sorgen bei den Wintersesseln für Komfort und perfekten Schutz vor Wind und Kälte auf dem Fünf-Minuten-Weg zum Gipfel. Pro Stunde können bis zu 3000 Skiläufer den Weg nach oben als Verschnaufpause nutzen. Außerdem haben die Wintersessel auch eine komfortable Sitzheizung.

3,8 Tonnen heben ab: Um die Sesselbahn zu errichten, wurde einiges in Bewegung gesetzt.
3,8 Tonnen heben ab: Um die Sesselbahn zu errichten, wurde einiges in Bewegung gesetzt. © Liftgemeinschaft Köhlerhagen

Der trockene Sommer hat das Bauvorhaben begünstigt. „Wir hatten kaum Ausfalltage“, freuen sich die Betriebsleiter Lars Ückert und Rolf Schnurbus, „nur so konnten alle Arbeiten im Zeitplan durchgeführt werden.“ Ende September wurde am Köhlerhagen nach Errichten der Stützen das Seil aufgezogen.

Komfortable Verkehrssituation

Alle Sessel sind zusammengebaut, und die Berg- und Talstation nach mühevollen Erd- und Felsarbeiten des Sommers fertiggestellt. In der ersten Dezemberwoche wurde die gesamte Anlage behördlich abgenommen. Neben den umfangreichen Bremsproben zur richtigen Einstellung der verschiedenen Bremsen wurden so auch Sommer- und Winterfahrten simuliert. Die Willinger Bergwacht absolvierte eine Rettungsaktion aus dem Sessel und seilte die Fahrgäste ab. Mit Erteilung und Übergabe der Betriebsgenehmigung startet der offizielle Fahrbetrieb am heutigen Samstag, 15. Dezember.

Zusätzlich ermöglichen der neue Fußgänger- und Autotunnel oberhalb der Talstation eine komfortable Parksituation an der Straße „Zur Ruthenaar“ mit rund 350 kostenfreien Parkplätzen. Ab der Wintersaison 2018/2019 ist die gesamte Köhlerhagenpiste frei von gefährlichen Verkehrskreuzungen. Die Verbindung der beiden Ski-Berge Ettelsberg und Hoppernkopf/Ritzhagen wird deutlich vereinfacht. Durch die Verlängerung der Skipiste Köhlerhagen bis zur neuen Bergstation nahe dem Ettelsberg-Gipfelkreuz und unten im Tal bis zur neuen Talstation auf dem früheren Willinger Sportgelände beträgt die neue Länge der Piste nun 1.600 Meter. „Das ist ein echter Gewinn für das gesamte Skigebiet“, freut sich Geschäftsführer Jörg Wilke.

Die Betriebsleiter des K1, Rolf Schnurbus und Lars Ückert, überprüfen die Technik
Die Betriebsleiter des K1, Rolf Schnurbus und Lars Ückert, überprüfen die Technik © Liftgemeinschaft Köhlerhagen

Die bestehende Maschinenbeschneiung wurde außerdem um eine neue Schneileitung zwischen der Berg- und Talstation ergänzt. Sie ermöglicht eine in Zukunft deutlich besserer Belegung der Skipiste mit technischem Schnee. Die im Winter 2010 errichtete provisorische Flutlichtanlage wurde demontiert und durch eine neue Flutlichtanlage für den Nachtskilauf ersetzt: Die Köhlerhagenpiste erstrahlt künftig nachts als eine der ersten großen Pisten Europas mit energieeffizienter LED-Technik.

Zentrale Liftkasse im Funktionsgebäude

Direkt an der Skipiste entsteht derzeit das neue Funktionsgebäude. Ziel ist der Bau des Erdgeschosses noch in diesem Jahr. Die Fertigstellung des gesamten Gebäudes ist für den Frühsommer 2019 vorgesehen. Hier wird auch die zentrale Liftkasse entstehen. Denn an der K1- Sesselbahn-Talstation direkt gibt es weder Tickets noch Parkplätze. Die Talstation selbst ist ausschließlich als Einstieg in die Bahn konzipiert. Zusätzlich zur Kasse entstehen im Funktionsgebäude zentral ein Skiverleih sowie eine neue, speziell auf die Bedürfnisse von Bikern und Wintersportlern abgestimmte Gastronomie. Für den Winter 2018/2019 jedoch geht die alte Köhlerhütte in ihre allerletzte Saison und wird vom Willinger Brauhaus betrieben, sodass der Gastronomiebetrieb sichergestellt ist. Außerdem wird es auf Containerbasis einen Ticketschalter für Liftkarten und einen Ski- und Bikeverleih geben.

Willingen ist ein ganzjähriges Freizeit- und Reiseziel. Die Bahn wird in der grünen Jahreszeit für den Bikepark genutzt. Parallel zum Bau der K1 wurden zusätzlich weitere Bike-Strecken angelegt. Die Bahn ist so konzipiert, dass nicht nur Wintersportler bequem liften, sondern auch Mountainbiker und Fußgänger. Ab Frühjahr 2019 kommen daher die dazu eigens angeschafften Sommersessel zum Einsatz. Pro Sessel gibt es bis zu fünf Bikehalterungen zum Befestigen der Sportgeräte. 1.200 Biker lassen sich innerhalb einer Stunde nach oben auf den Gipfel des Ettelsbergs befördern.

Aufwendige Bauarbeiten 

Viele Herausforderungen für die neue Sesselbahn K1 überwunden

Von den Ufern der Hoppecke bis fast ans Gipfelkreuz des Ettelsbergs zog sich das Jahr über eine anderthalb Kilometer lange Baustelle den Köhlerhagen hinauf – die Idee für die neue Sesselbahn K1 Realität werden zu lassen, war kein einfaches Vorhaben. 50.000 Kubikmeter Erde wurden bewegt: Gut 31.000 davon entfallen auf die Tunnelbauten an den Straßen zum Waldhotel und „Zur Ruthenaar“. Die beiden Stahlrohre mit 130 Metern Gesamtlänge sollen die Verkehrssicherheit garantieren. Auch für Pistenverlegung sowie Berg- und Talstationen wurde mit dem Willinger Boden gearbeitet. Auf Betonwänden entlang des Bachbetts wurde ein Übergang der Hoppecke ermöglicht. Vier Kilometer Gußrohrleitungen und 36 Kilometer Kabel verschiedenster Art wurden verlegt. Dafür musste teils die Heide abgenommen werden – später wurden sie wieder an ihrem Ursprungsort aufgesetzt. 14 Stützen wurden im Sommer entlang der Strecke errichtet: Schon der Bau der Betonfundamente war eine Präzisionsarbeit; Teams aus Doppelmayr-Monteuren und Bahnmitarbeitern positionierten die mehrere Tonnen schweren Einzelteile mit einem Kranwagen. Außer Stütze Nummer acht: Am Steilhang wäre eine aufwendige Baustraße nötig gewesen, was auch die Borstgrasbestände beeinträchtigt hätte. So kam es zu einem Bauschritt, der reihenweise Zuschauer anzog: Ende Juli hob ein Schwerlasthelikopter die Stütze an ihren Bestimmungsort. Damit K1 entstehen konnte, musste das Hoppecketal- Stadion weichen: Wo früher die Willinger Fußballer spielten, türmte sich Erde auf. Das Sportlerheim wurde abgerissen, die Talstation entstand. Parallel dazu wurde auf dem Gipfel die Bergstation gebaut, den Herbst über kam die Seilbahntechnik hinzu – von Tag zu Tag wurde die Anlage mehr als Sesselbahn erkennbar. Zuletzt absolvierte sie den umfangreichen Testbetrieb. Derweil wurde noch etwas anderes aufgebaut: das Team. Zehn zusätzliche Mitarbeiter kümmern sich als Maschinisten, Betriebsleiter und Kassierer um die K1 – und um ihre Gäste. 

Das K1-Team freut sich auf die Eröffnung an diesem Wochenende. Damit den Skifahrern nicht kalt wird, haben die Wintersessel sogar eine komfortable Sitzheizung.
Das K1-Team freut sich auf die Eröffnung an diesem Wochenende. Damit den Skifahrern nicht kalt wird, haben die Wintersessel sogar eine komfortable Sitzheizung. © Liftgemeinschaft Köhlerhagen

Nach der gestrigen Eröffnung wird am heutigen Samstag, 15. Dezember, mit dem offiziellen Fahrbetrieb gestartet. „K1 – das waren viele Stunden von Planung und harter Arbeit - und umso stolzer bin ich darauf, dass wir jetzt im Dezember schon in Betrieb gehen“, freut sich K1-Betriebsleiter Rolf Schnurbus und Lars Ückert, ebenfalls K1-Betriebsleiter, ergänzt: „Die Bahn bietet viele technische Raffinessen und Besonderheiten – und denen stellen wir uns jetzt im Echtbetrieb. Das ist die Herausforderung, die wir gern annehmen.“ Auch Willingens Bürgermeister Thomas Trachte fasst die Vorteile für den Tourismus zusammen: „Die neue Sesselbahn K1 am Köhlerhagen stellt eine wesentliche Erweiterung unserer touristischen Infrastruktur dar und trägt so dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit der Fremdenverkehrsgemeinde Willingen (Upland) zu stärken. Das Projekt verbindet Innovation und Wachstum als die wesentlichen Erfolgsfaktoren für die Zukunftsfähigkeit unseres Tourismusstandortes.“ 

Strecke und Stationen

Streckenlänge: 1491 Meter (zwischen Ein- und Ausstieg) 

Seillänge: 2954 Meter Seilgewicht: ca. 27 Tonnen 

Stützenbauwerke: 14 Mittlere Neigung: 18,58 Prozent 

Höhenunterschied: 262,60 Meter 

Spurweite: 7,70 Meter 

Dauerfahrleistung: 543 kW 

Fahrgeschwindigkeit: 6 m/s 

Fahrzeit: 4,83 Minuten 

Stationen: Hallenbauweise (keine offenen Sportstationen) 

Garagierung: Beide Sesselgarnituren für Sommer- und Winterbetrieb werden im vollautomatischen Schleifenbahnhof in der Talstation garagiert.

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