Blick hinter die Kulissen des Schwertkampfes

Auf das geplante Finale des Willinger Musicals "Robin Hood" könnte noch mehr folgen

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Feinheiten des Schwertkampfs: Carlo Himmel (links) und Werner Schwager demonstrieren die unterschiedlichen Klingen des Musicals – derweil ringen sie um eine Fortführung der Show.   

Willingen. Künstlerisch ist das Musical "Robin Hood" ein voller Erfolg - um mehr Gäste zu ziehen, werden weitere Vorstellungen erwogen.Die Produktion ist aufwendig, wie sich am Schwertkampf zeigt.

15 Prozent: So viel schneller mussten die Macher des Willinger Musicals „Robin Hood“ die Musik in den Kampfszenen machen, als sie die richtigen Schwerter gefunden hatten – mit den leichteren und besser ausbalancierten Klingen duellierten sich Patrick von Castelberg als Titelheld und Carlo Himmel als Sheriff von Nottingham eben viel rasanter.

Noch bis Sonntag kreuzen sie die Klingen: Am Wochenende stehen die letzten fünf Vorstellungen der regulären Spielzeit an. Wie es weitergeht, lotet das Team um Produzent Werner Schwager derzeit aus. Denn welch ein Spektakel die Truppe in Willingen auf die Bühne gebracht hat, werde vielen Menschen erst langsam klar, sagt er - das Publikum umjubelte die Premiere.

Viel musste vorbereitet werden, um so weit zu kommen: Ein 100-köpfiges Ensemble – Musical-Profis ergänzt durch die Willinger Concordia-Chöre – studierte eingängige Nummern und aufwendige Choreografien ein. Mit Schiebe- und Klappmechanismen entstand ein Bühnenbild, das die Bühne im Besucherzentrum eindrucksvoll etwa in den Hof Prinz Johns oder den Sherwood Forrest verwandelt.

Und da waren die Kämpfe: Werner Schwager hat schon bei kleinen wie großen Produktionen als Kampfchoreograf gearbeitet, das Musical enthält einige Scharmützel und spannende Duelle zwischen Robin Hood und dem Sheriff. „Wir haben verschiedene Schwerter ausprobiert“, berichtet Carlo Himmel – und damit wurde es knapp: Nicht nur waren viele zu schwer, bei den Proben erwiesen sie sich auch als instabil. Castelbergs Schwert zerbarst beim Parieren, der Knauf traf ihn am Kopf. „Da stand fest: mit diesen Schwertern können wir kein Finale machen“, berichtet Carlo Himmel.

Er hat Erfahrung beim Fechten – doch Degen passen nicht ins Stück. Auch Stuntwaffen aus Aluminium boten nicht den gewünschten historischen Anblick. Die Musical-Truppe stieß aber auf einen norddeutschen Fechtmeister, der mehr als 30 Jahre Erfahrung ins Schmieden einfließen ließ. Mit 1,25 Kilogramm ist seine Waffe knapp ein halbes Pfund leichter als das Standart-Modell – entscheidend ist aber ihr Schwerpunkt: Die Waffe ist so ausbalanciert, dass die ganze Klinge nur unwesentlich mehr wiegt als Knauf, Heft und Parierstange. Sie ist also viel leichter in Bewegung zu bringen. „Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht“, befindet Himmel. Mit diesen Schwertern hätte er auch dem ursprünglichen Plan folgen können, als Sheriff gleich mit zwei Waffen zu kämpfen – stattdessen wurde eigens ein Dolch gefertigt.

Auch eine Halterung, damit er ein Messer während seiner Solo-Nummer besonders dramatisch werfen kann, wurde speziell angeschafft. Und letztlich wurde ein wenig aus Schmerz gelernt: Für das große Duell tragen Castelberg und Himmel mittlerweile Handschuhe mit Gitterschutz.

„Wirklich ernste Verletzungen sind ausgeblieben“, sagt Werner Schwager über die Kämpfe – aus ganz anderem Grund wurde der ursprüngliche Premierentermin verschoben: Andrea Esser, Schauspielerin der Jessica, hatte sich beim Schwung unter Robin Hoods Beine hindurch den Finger lädiert. Bei der Premiere wurde derweil „Little John“ Sebastian Kinder beim Stockkampf im Gesicht getroffen. Er hielt sich auf den Beinen – da ist es wie beim der geplanten Fortführung des Musicals: Die Show muss weiter gehen.

Am Wochenende stehen fünf Vorstellungen des Musicals „Robin Hood – Für Liebe und Gerechtigkeit“ im Willinger Besucherzentrum an: Freitag um 20 Uhr, Samstag um 14 und 19 Uhr, Sonntag um 14.30 und 19.30 Uhr. Karten kosten ohne Vorverkaufsgebühren 52,90 Euro, von sechs bis 14 Jahren 48,90 Euro, darunter frei.

Das war die Premiere von "Robin Hood" in Willingen

Quelle: Waldeckische Landeszeitung

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