Tagesgäste wieder öfter zu sehen

Übernachtungen in Willingen: Nach Corona-Lockerungen noch verhaltene Nachfrage

Der Hochheideturm auf dem Ettelsberg bei Willingen sowie der Teich für die Beschneiung.
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„Die Menschen wollen raus“, sagt Tourismus-Direktor Norbert Lopatta – das zeige sich etwa am Ettelsberg. Doch bei den Beherbergungsbetrieben bleibt die Nachfrage trotz gelockerter Regeln verhalten.

Biker, Wanderer und Gäste vor den Lokalen sind in Willingen wieder öfters zu sehen – um die Übernachtungsgäste ist es aber noch nicht so gut bestellt. 

„Es ist noch sehr verhalten“, bewertet Tourismus-Direktor Norbert Lopatta die Situation: „Ich glaube, die Menschen sind noch am Sortieren.“ Sie müssen klären, ob bereits gebuchte Urlaube stattfinden – und von stornierten Reisen sei das Geld noch nicht wieder da, um es für einen Ersatz-Urlaub einzusetzen. Kurzarbeit tue ihr übriges, ebenso Unklarheit, ob die Ferien zur freien Verfügung stehen oder für Lernangebote genutzt werden.

Auch herrsche bei vielen schlicht noch Vorsicht – es dauere, bis die Menschen sich an die Lage gewöhnt haben. „Ich sehe aber schon Chancen, dass sich etwas tut, in der zweiten Ferienhälfte und im Herbst“, sagt Lopatta: „Die Skepsis wird sich legen.“

Wie gut es aktuell für die einzelnen Übernachtungsbetriebe läuft, unterscheide sich – am besten stehen derweil Ferienwohnungen da: „Da bin ich für mich und begegne keinen beim Essen.“

Nach Lockdown: Upländer Hotelbetreiber sehen langsamen Aufwärtstrend

Das bestätigt sich in Gesprächen mit Upländer Gastgebern: Ein gesteigertes Interesse an ihren Ferienwohnungen sieht Ingrid Brüne-Frisch vom Posthotel in Usseln, bei Hotelzimmern sei es schwieriger. Insgesamt sei die Lage verhalten: „Es ist Bewegung drin, aber es geht langsam.“ Viele Gäste seien noch zurückhaltend. Wer aber kommt und sieht, dass die Regeln minutiös eingehalten werden, begrüße das dankbar.

Nach den Stornierungen zu Beginn der Pandemie müsste ein Bestand an Buchungen erst wieder aufgebaut werden. Als Hotel mit vielen Seminargästen sei der Betrieb schnell stark betroffen gewesen – aber Stammkunden könnten die Lage gut einschätzen und kommen zurück. Abstandsregelungen schränken die Kapazitäten in diesem Bereich ein. Doch dass sie im geschäftlichen Bereich aufgehoben werden sollen, sei ein gutes Signal. Geschäftsreisende fehlen derweil – ob wegen Kurzarbeit oder weil die Firmen das Reisen noch nicht erlauben.

Der Prognose, dass der Deutschland-Tourismus diesen Sommer profitieren könnte, kann sich Ingrid Brüne-Frisch so nicht anschließen – vielleicht für Nord- und Ostsee, aber nicht für die Mittelgebirge.

Es kommen wieder Gäste aus dem Ruhrgebiet, vereinzelt aus den Niederlanden, fügt ihr Mann Gerald Frisch hinzu: Von Auslastung sei das Hotel weit entfernt, aber an Wochenenden halb voll – schlecht sei das nicht. Die Stimmung sei gut, viele tragen freiwillig Masken. „Die Leute sind entspannter als vor Corona“, sagt er.

„Verhalten“ nennt auch der Willinger Hotelier Friedrich Göbel die Nachfrage. Am verlängerten Wochenende war das Restaurant zwar gut besucht und die Zimmer im Sporthotel Göbel zur Hälfte belegt, doch für die nächsten beiden sind bloß acht und zwölf der 70 Betten gebucht.

„Es haben alle noch ein bisschen zu viel Angst“, schätzt er die Lage ein. Er erwähnt einen Einbruch bei Gruppen, die mit Reisebussen anreisen: Gerade ältere Gäste wollten das nicht; zudem seien die Plätzbeschränkungen restriktiver als im Linienverkehr.

Im Hotel selbst fühlen Gäste sich wohl und seien erleichtert, nicht mehr unbedingt Mund-Nasen-Schutz tragen zu müssen, schildert Friedrich Göbel. Jüngst habe er sich mit Freunden aus der Gastronomie getroffen, die ähnliche Erfahrungen machen: „Es kommt noch lange keiner auf die 50 Prozent Auslastung, eher so 20 bis 30 Prozent.“ Er hoffe, dass die Menschen bald die Angst verlieren und es wieder aufwärts geht. Bis dahin heiße es durchhalten.

„Willingen sagt Danke“: Erste Gäste kommen

Neuen Gästen das Upland näher bringen soll die Aktion „Willingen sagt Danke“, bei der die Gemeinde und 130 Betriebe zusammenarbeiten, um Beschäftigten etwa aus Krankenhäusern und Einzelhandel Gratis-Übernachtungen und Vergünstigungen zu bieten. Seit Mitte Mai haben das mehr als 200 Gäste genutzt: „Das ist erst der Anfang“, sagt Norbert Lopatta. Fast jeder dritte Anruf bei der Tourist-Info drehe sich darum, über Krankenhäuser und Unternehmen werde das Angebot weiter stark beworben.

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