Bauvoranfrage wegen Hotelbau

Neue Planung für Gelände von Badmöbel Kesper in Willingen nötig

In prominenter Lage zwischen Bahnhof und Seilbahn befindet sich das Kesper-Gelände.
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In prominenter Lage zwischen Bahnhof und Seilbahn befindet sich das Kesper-Gelände.

Was geschieht auf dem Gelände der geschlossenen Badmöbel-Fabrik Kesper? Die Bauvoranfrage für ein Hotel beschäftigt die Kommunalpolitik.

  • Für das Gelände der früheren Möbelfabrik Kesper in Willingen gibt es eine Bauvoranfrage für ein Hotel
  • Die Gemeindevertretung war von einem Konzept für das Gelände nicht überzeugt und hatte eine dafür nötige Bebauungsplanänderung abgelehnt
  • Ein Hotel und eine Gastronomie könnten möglicherweise auch nach aktuellen Stand gebaut werden. Der Bauausschuss empfiehlt, wieder in die Planung einzusteigen

Willingen – Im Februar hatte die Gemeindevertretung mit 15 zu 10 Stimmen eine Änderung des Bebauungsplans abgelehnt, die das Gewerbegebiet rund um die geschlossene Möbelfabrk Kesper in ein „urbanes Gebiet“ verwandelt und Beschränkungen für Einkaufsmärkte aufgehoben hätte, auch wegen Sorgen vor Club-Tourismus. Geplant waren ein B&B-Hotel, eine Gastronomie, ein Drogerie-Markt, ein Discounter und der Zugang zur Fußgängerbrücke zwischen Seilbahn und Bahnhof.

Der Investor hielt daran fest, auf dem gekauften Grundstück etwas entwickeln zu wollen – mit einer Bauvoranfrage für das Hotel hat er abermals die Gemeinde auf den Plan gerufen, die Stellung beziehen muss: Hält sie einen Hotelbau im Gewerbegebiet für zulässig?

Dass eine Gastronomie gebaut werden dürfte, bezweifele er nicht, erklärte Bürgermeister Thomas Trachte bei der Sitzung des Bauausschusses – beim Hotel sei die Sache schwieriger: Die Investoren und ihre Rechtsberater verwiesen darauf, dass Übernachtungsbetriebe erlaubt sind, nur Erholung sei in einem Gewerbegebiet nicht vorgesehen. Und B&B sei kein klassisches Erholungs- und Kurhotel, es gehe bloß um die Übernachtung. Das Kreisbauamt sieht das laut Trachte wegen des Charakters Willingens als Erholungsort anders, die Gemeinde hat sich aber auch Rat beim Städte- und Gemeindebund geholt: Der unterstreiche, dass das Vorhaben zulässig sei und der Bauherr Anspruch auf Genehmigung hat.

„Der Gemeindevorstand ist somit in einer komplizierten Situation“, erläuterte Trachte: Er wolle sich weder gegen die politische Entscheidung des Parlaments noch gegen geltendes Recht stellen. Deshalb wende er sich an die Gemeindevertreter, denen sich drei Optionen böten.

Die Badmöbelfabrik Kesper hatte Ende 2018 ihre Schießung angekündigt.

Erstens könnten sie dafür stimmen, dass die Gemeinde sich der Haltung des Kreisbauamts anschließt und festhält, dass sie das Vorhaben für nicht zulässig hält. Zweitens könnten die Parlamentarier die Sache als rechtliche Frage dem Gemeindevorstand überlassen, der sich am Rat des Städte- und Gemeindebunds orientieren und den Hotelbau als zulässig bezeichnen würde. In beiden Fällen würde das Kreisbauamt die Bauvoranfrage wahrscheinlich ablehnen, dem Investor stände allerdings offen, zu widersprechen und den Klageweg zu gehen.

Die dritte Option schließlich wäre, als Gemeinde bauleitplanerisch tätig zu werden und das Gewerbegebiet doch noch zum „urbanen Gebiet“ zu erklären, die Beschränkungen für die Märkte aber in Kraft zu lassen und die Größe eines Gastronomie-Betriebs zu reglementieren. Die Meinung des Bürgermeisters: „Es ist besser, wir regeln das in unserem Sinne, als wenn wir die Entscheidung Richtern oder Dritten überlassen.“ Eine Mehrheit im Ausschuss sah das ähnlich: Mit den sechs Stimmen von CDU, FDP und FW gegen die drei der SPD empfiehlt er der Gemeindevertretung, die Bebauungsplanänderung vorzunehmen. Das hatte er derweil auch im Februar getan, mit einer Stimme weniger.

Mehrere Willinger Parlamentarier offen für Vorschlag

Unter den Ausschussmitgliedern überwogen die positiven Stimmen zur Änderung des Bebauungsplans: Patrick Stöcker (CDU) erklärte, nichts gegen Hotel und Gastronomie zu haben – und als Ort, der Erholung biete, sei es folgerichtig die auch bauleitplanerisch zu ermöglichen. Fraktionskollege Friedrich Pohlmann merkte an, dass die aktuelle Nutzung des Geländes für eine Spedition zeige, dass so viel Lkw-Verkehr „im Herzen Willingens“ nicht gut sei. Da hakte Bürgermeister Thomas Trachte ein: So wertvoll Badmöbel Kesper als Betrieb gewesen sei – heute käme niemand auf die Idee, dort ein Gewerbegebiet auszuweisen.

Auch Friedrich Wilke (FW) merkte an, dass der Sinn eines Gewerbegebiets an der Stelle überdenkbar sei. Die Gemeinde solle es nicht auf den Rechtsweg laufen lassen. „Wir stehen zum Qualitätstourismus“, sagte er – auf die Sternezahl des Hotels habe das Parlament aber keinen Einfluss. „Wenn wir ein urbanes Gebiet ausweisen, sind wir die Kartengeber“, sagte Dirk Wilke (FDP): Außenflächen können beschränkt und Sitzflächen definiert werden.

Das Gelände von Badmöbel Kesper liegt im Willinger Gewerbegebiet direkt an Seilbahn und Skigebiet.

Ablehnend blieb die SPD. Manfred Feistner zeigte sich besorgt über die Aufsicht im Hotel – ohne gebe es Chaos und Störungen. Sie sei im Betriebskonzept vorgesehen, sagte der Bürgermeister – aber eben nur bis 23 Uhr, fügte Feistner hinzu.

„Es kann niemand versprechen, dass da keine Clubs unter den Gästen sind. Aber ich glaube den Betreibern, dass das nicht ihr Ziel ist“, befand Thomas Trachte. Er teile die Ansicht, dass ein Hotel im unteren Preissegment „minderwertige“ Gäste anziehe, nicht. Und er fragte: „Ist Qualitätstourismus nur das teure, gehobene Segment oder auch das Angebot für den Gast mit kleinem Portemonnaie, der das klassische Urlaubsangebot nutzt?“

Status der Fußgängerbrücke zwischen Willinger Hauptstraße und Seilbahn unklar

Scheitert der Bau der geplanten Fußgängerbrücke zwischen Seilbahn und Hauptstraße, wenn es nicht zum Hotelbau kommt? Schließlich wird für sie eine Parzelle benötigt, die nun Besitz des Investors ist. Die Frage von Karl Göbel (FDP) sei nicht leicht zu beantworten, erklärte Thomas Trachte. Es gebe keine verbindliche Zusage, dass die Gemeinde die Parzelle erhalte, auch wenn das Projekt stirbt. „Es sagt aber auch keiner: Wenn es kein Hotel gibt, gibt es kein Wegstück.“ Er rate beiden Seiten, die Entscheidungen nicht voneinander abhängig zu machen.

Zum Willinger Bahnhof soll die Brücke einen Ein- und Ausstieg bieten.

Private Geldgeber hatten Unterstützung zugesagt – er gehe davon aus, dass sie im Fall des Brückenbaus dazu stehen, aber verbindliche Verträge gebe es nicht, antwortete der Bürgermeister auf Anfrage von Dirk Wilke (FDP). Die Zuschüsse vom Land wurden zurückbezahlt, aber der Bewilligungsbescheid bestehe noch.

Die Brücke soll Besucherströme von Wohngebieten weg leiten. Patrick Stöcker (CDU) betonte ihre Bedeutung für Verkehrslenkung und als ökologischer Einstieg ins dann bequem per Bahn erreichbare Skigebiet.

Das Traditionsunternehmen Badmöbel Kesper hatte im Juli 2018 Insolvenz beantragt. Gespräch mit Investoren fruchteten nicht, Ende 2018 verkündete das Unternehmen seine Schließung. (wf)

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