Fortschritte auf Pön, Eideler und Neuem Hagen

Bergheiden im Rothaargebirge schützen und erweitern: Projekt erreicht Halbzeit

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Biodiversität und Tourismus profitieren von einem guten Pflegezustand der Bergheiden gleichermaßen – wie im Naturschutzgebiet auf dem Kahlen Pön (links).

Willingen/Brilon. Zur Halbzeit des Bergheiden-Projekts vermeldet die Lenkungsgruppe Erfolge auf Kahlen Pön und Eideler sowie am Neuen Hagen

Seit genau zwei Jahren läuft das grenzüberschreitende Projekt zur Entwicklung der Bergheiden im Rothaargebirge. Die Lenkungsgruppe zog eine positive Zwischenbilanz: Die Planungen sind weitgehend abgeschlossen, verschiedene Maßnahmen wurden bereits umgesetzt. Bis Ende des Jahres werden deutlich mehr als 200 000 Euro investiert worden sein. Zur Halbzeit wurden mehrere Projekte besichtigt.

Naturdenkmal „Eideler Berg“ bei Usseln: Auf der 3,3 Hektar großen Heidefläche wurden Fichten entnommen, um die typische Heidevegetation zu fördern. Sie wird zu ihrer Erhaltung durch eine örtliche Schäferei beweidet.

Dort, wo Fichten standen, ist der Boden nioch etwas kahl – doch die Bergheide am Eideler Berg wird sich dort wieder ausbreiten.

Naturschutzgebiet „Kahle Pön“ bei Usseln: In Teilen befindet sich die Heide im FFH-Gebiet in einem guten Pflegezustand – durch mechanische Pflegemaßnahmen und Beweidung. Ein Teilbereich soll in Kürze nach historischen Vorbild geschoppert werden. Das heißt, überalterte Heide wird bis zum Oberboden abgeschoben und entfernt. Auf einer weiteren Teilfläche sollen Gehölze entnommen werden, um die Heidefläche zu vergrößern.

Naturschutzgebiet „Neuer Hagen“ bei Niedersfeld: In der größten Bergheide Nordwestdeutschlands, ebenfalls als FFH-Gebiet geschützt, wurde im Winter ein Teilbereich gemäht und das gewonnen Material dazu genutzt, um auf einer ehemaligen Windwurf-Fläche Heide neu anzusiedeln. Beide Flächen entwickeln sich gut.

Der weitere Ablauf des Bergheiden-Projekts

Naturpark-Geschäftsführer Dieter Pollack und Projektleiter Prof. Dr. Eckhard Jedicke zogen eine positive Bilanz: Das Projekt habe umfangreiche Planungsunterlagen entwickelt und viele Maßnahmen vorbereitet. Diese würden nun in den nächsten beiden Winterhalbjahren Schritt für Schritt umgesetzt. Ein besonderer Erfolg sei, dass nach dem angekündigten Rückzug eines großen Schäfereibetriebes für alle Heideflächen neue Weidetierhalter gefunden wurden, so dass die weitere Pflege gesichert werden konnte.

Die Heide entwickelt sich gut, stellte die Lenkungsgruppe für das Bergheidenprojekt im Rothaargebirge auf dem Kahlen Pön fest.

Den Erfolg der Maßnahmen des 2017 gestarteten Projekts untersucht die Universität Osnabrück durch ein begleitendes Monitoring. Prof. Dr. Thomas Fartmann und sein Team analysieren, wie sich frühere Maßnahmen zur Heiderenaturierung entwickeln und ob sich die typischen Pflanzen und Tiere ansiedeln. Sie schauen, wie sich verschiedene Maßnahmen zur Verjüngung der Heide auswirken und unter welchen Voraussetzungen die bedrohte Arnika gefördert werden kann. 

Bergheiden im Rothaargebirge: Darum geht es

Die rund 190 Hektar großen Heideflächen beiderseits der Landesgrenze sind die größten erhaltenen Reste von Mittelgebirgs-Bergheiden in Deutschland. Die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie stellt sie unter besonderen Schutz. Die Rote Liste der Biotoptypen des Bundesamtes für Naturschutz sieht sie als „stark gefährdet“. 

Kein Wunder, denn im Hauptvorkommensgebiet in Willingen und Winterberg ging ihre Flächengröße in den vergangen gut 100 Jahren um fast 92 Prozent zurück, belegte jüngst Jan Kraus in seiner an der Hochschule Geisenheim erarbeiteten Master-Thesis – die meisten Flächen wurden aufgeforstet. Das bedeutet nicht nur einen starken Verlust für die Biodiversität, sondern auch für das Landschaftsbild und Erholungssuchende.

Auf der Fläche des „Neuen Hagen“ bei Niedersfeld wurde die Heide im vergangenen November gemäht – die Besenheide und andere Pflanzenarten profitieren davon.

 

All das waren Gründe, aus denen der Zweckverband Naturpark Diemelsee in Kooperation mit dem Naturpark Sauerland-Rothaargebirge ein Projekt für die Bergheiden gestartet hat. Ziel ist, verbliebene Heiden besser zu pflegen und ehemalige wiederherzustellen. Die Biologische Station Hochsauerlandkreis in Brilon mit Benedikt Wrede und Holger Krafft setzt dies um. Das Projekt wird durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, das Regierungspräsidium Kassel und die Bezirksregierung Arnsberg für vier Jahre gefördert. Zusätzliche Finanzmittel für die Umsetzung kommen aus weiteren Fördertöpfen und der Kompensation für Eingriffe in Natur und Landschaft.

Quelle: Waldeckische Landeszeitung

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