„Hebst nur auf der Schanze ab“

Skispringer Stephan Leyhe und Biathletin Nadine Horchler bei Empfang in Willingen geehrt

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Sie sind zur Zeit die Top-Athleten des SC Willingen (von links): Christopher Niggemann, Ilva Kesper, Sven Lohschmidt, Marie Zeutschel, Tom Gomberg, Nadine Horchler und Stephan Leyhe (sowie nicht auf dem Bild: Michelle Göbel und Hannah Möller).

Willingen. „Stephan, du bist der Überflieger“ oder: „Stephan, du fliegst immer sooo weit!“, hatten die sieben-bis neunjährigen Nachwuchssportler auf die Tafel am Eingang der Schwalefelder Schützenhalle geschrieben, wo der Sportlerempfang des Ski-Club Willingen stattfand.

Der Team-Olympiasieger und nun auch Team-Weltmeister im Skispringen Stephan Leyhe war die Hauptperson des Abends, aber auch die anderen Sportler, die an diesem Tag geehrt wurden (das hatte sich Leyhe so gewünscht), Nadine Horchler, Michelle Göbel, Ilva Kesper, Hannah Möller, Marie Zeutschel, Christopher Niggemann, Tom Gombert und Sven Lohschmidt, fanden sich dort gewürdigt: „Nadine, du bist krass“, „Hannah, bei dir bleibt keine Scheibe stehen“, oder „Ilva, du bist die Schnellste!“, stand da unter anderem zu lesen.

Die gesamte Hauptstraße von Schwalefeld war mit Flaggen-Wimpeln geschmückt, vor der Schützenhalle wartete ein Begrüßungsbanner, den die Schul- und Kindergartenkinder bemalt hatten und schließlich marschierten die Athleten, die in einem Autokorso vorgefahren waren, durch ein Spalier aus Fahnen und Skiern ein. In der Halle brandete der Jubel auf und es gab „Standing Ovations“. Es war nicht zu übersehen, wie stolz der kleine Ort auf sein Ausnahmetalent ist.

Dass Stephan Leyhe trotz seiner internationalen Erfolge der grundanständige, sympathische Upländer Junge geblieben ist, bescheinigten ihm an diesem Abend alle „Laudatoren“, vom Sportwart Volkmar Hirsch bis zum Ortsvorsteher Schwalefelds Christopher Leeser: „Stephan, du hebst nur auf der Schanze ab.“ Es ist dem Athleten, der inzwischen im Schwarzwald lebt und trainiert, aber auch selbst wichtig: „Als Schwalefelder bleibt man immer bodenständig“, bestätigte er. In der eigenen Heimat im Weltcup anzutreten, bezeichnete er als besondere Herausforderung, aber er versuche immer, es wie einen normalen Wettkampf anzugehen. Dass er mit dem deutsche Team bei der WM in Seefeld nach einem eher schlechten Start noch den Sieg holte, bezeichnete er als „einen unglaublichen Tag“.

Wie es nun unter dem neuen Bundestrainer weitergeht, bekanntermaßen hatte Werner Schuster zum Saisonende seinen Abschied genommen, dazu äußerte sich Leyhe optimistisch. Immerhin kenne er den neuen Trainer Stefan Horngacher bereits von früher, habe auch unter ihm schon trainiert. Zunächst aber wird Leyhe einmal auf eine andere Art „abheben“:

Die Schwalefelder Dorfgemeinschaft hat ihm und seiner Freundin nämlich eine Ballonfahrt geschenkt, mit einem romantischen Dinner im Café Fernblick zum Ausklang. Zudem gab es von Dieter Becker ein Erinnerungsshirt mit den Unterschriften früherer Ski-Club-Größen.

„Jeder kann gewinnen“

Im Rampenlicht standen an diesem Abend des Weiteren auch Langläufer und Biathleten, allen voran Nadine Horchler. Sie ging im Saisonrückblick unter anderem auf die EM-Bronzemedaille in der Verfolgung ein, wo sie von Platz 15 im Sprint noch auf den Medaillenplatz gestürmt war. „Ich habe so viele Rennen bestritten, aber der Wettkampf war ein Super-Rennen auch für mich selber“, so die sympathische Skijägerin.

Tom Gombert nutzte die Ehrung, um sich zu verabschieden; er hat seine aktive Karriere mit einem zweiten Platz beim Deutschlandpokal beendet (Sven Lohschmidt mit dem ersten Platz und Christopher Niggemann mit Bronze komplettierten an diesem Wettkampftag das Podest). „Jeder kann gewinnen, wenn er einen guten Tag hat“, kommentierte er diese Leistung. „Ich möchte mich für neun großartige Jahre beim Trainerteam und den Technikern herzlich bedanken, es war eine tolle Zeit. Was der SC Willingen seinen Sportlern an Unterstützung zukommen lässt, das ist deutschlandweit konkurrenzlos“, lobte Gombert.

„Ich bin fasziniert davon, welche Erfolge unsere Sportler auf nationaler und internationaler Ebene erzielt haben“, erklärte Willingens Bürgermeister Thomas Trachte. Er äußerte sich anerkennend zur Disziplin und dem Wettkampfgeist der Athleten. Der Bürgermeister unterstrich aber auch den großen Verdienst des Vereins daran, der zudem ja überwiegend ehrenamtlich arbeite: „Das ist eine phänomenale Leistung.“

Weitere Grußworte sprachen der Landtagsabgeordnete Armin Schwarz, der die Gratulation von Hessens Innen- und Sportminister Peter Beuth überbrachte, sowie Uwe Wendt vom SCW-Sponsor Warsteiner Brauerei, der den Sportlern Bierkrüge mit persönlicher Namens-Gravur und eine Kappe mit dem Brauerei-Emblem als Geschenk überreichte. Bei Freibier von der Warsteiner und von den „Free Willis“ geschmierten Schnittchen sowie musikalisch von der Willinger Schützenblaskapelle eingestimmt, feierten die Upländer „ihre“ erfolgreichen Athleten weiter bis tief in die Nacht.

Sportlerempfang des Ski-Club Willingen in Schwalefeld

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