Sportlicher Pfarrer

Der Ski-Club Willingen kann jetzt auf göttlichen Beistand verweisen. Der evangelische Pfarrer Christian Röhling ist nicht nur Mitglied im Traditionsverein, er steht auch im Tretkommando als freiwilliger Helfer ("Free Willi") seinen Mann.

Dass er einen strammen Schuss hat, bewies der erst kürzlich beim "Schnellschuss" anlässlich der "heimspiel on tour"-Übertragung im Hessen-Fernsehen von der Mühlenkopfschanze. 66 Stundenkilometer wurden für den evangelischen Geistlichen gemessen, der dabei trotz eines Ausrutschers gegen die sportliche Konkurrenz von den Bundestrainern Behle bis Sturm eine gute Figur machte.

Wenn der 34-jährige Röhling während der tollen Skisprung-Tage an der größten Großschanze der Welt seinen Talar gegen die rote Viessmann-Kluft der Skisprung-Helfer eintauscht, in dicke Skistiefel steigt und sich mit elf weiteren Mitgliedern des Tretkommandos in den von der Pistenwalze präparierten Steilhang wagt, ist er einer vom Dutzend. In einer Reihe steigen die Helfer in winzigen Schritten mit quer gestellten Skiern den Hang hinab, der Fachjargon lautet "durchtreten". Das sei anstrengender als Treppensteigen, gesteht der im Allgäu geborene Geistliche ein. Gleichzeitig bringen die Männer die grünen Tannenzweige für die Entfernungsmaße am Hang an.

Angstschweiß am steilen Hang

Vielen Touristen und Gästen, die im Sommer die Mühlenkopfschanze besichtigen, bequem mit dem Schrägaufzug, treibt der steile Hang schon beim puren Anblick den Angstschweiß auf die Stirn. Angst kennt der Gottesmann nicht. "Aber man merkt schon, dass es ganz schön steil zu geht, und muss sich konzentrieren." Dies ist auch vonnöten, wenn Röhrig mit den 15 Fahnenträgern vor Beginn der Weltcupspringen bei der Begrüßung der auswärtigen Skispringer mit einer Fahne in der Hand den Steilhang auf Ski hinunterdonnert. Zuletzt übrigens mit den schwedischen Nationalfarben.

Für die Gottesdienste am Weltcup-Wochenende besorgt sich Röhling jeweils eine Vertretung, seine seelsorgerischen Aufgaben nimmt er aber in den Tagen zuvor wahr. Da kann es dann schon sein, dass er zu einer Beerdigung muss und seine Tretkommando-Kollegen kurzzeitig ohne ihn im Einsatz sind. Auch vom 5. bis 7. Februar beim Finale der TelDaFax-FIS-Team-Tour kann sich der dann schon 100-jährige Ski-Club des göttlichen Beistandes wieder sicher sein.

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