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Sprungrichter Erik Stahlhut vom Ski-Club Willingen berichtet von Olympia

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Von: Stefanie Schümmer

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Eine beeindruckende Kulisse: Auf den Anlagen in der Olympiastadt Pyeongchang werden noch bis zum 25. Februar die Wettkämpfe ausgetragen. Fotos: Erik Stahlhut
Eine beeindruckende Kulisse: Auf den Anlagen in der Olympiastadt Pyeongchang werden noch bis zum 25. Februar die Wettkämpfe ausgetragen. © Erik Stahlhut

Willingen/Pyeongchang. Der Höhepunkt der Karriere ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen – nicht nur für die Athleten selbst, sondern auch für die Crew hinter den Kulissen. Der FIS-Kampfrichter Erik Stahlhut vom Ski-Club Willingen gehört dazu. Der Sprungrichter ist erst der dritte Deutsche in den letzten 16 Jahren in dieser Funktion und der einzige Deutsche neben je einem Finnen, Polen, Koreaner und Slowenen. Der frühere Skispringer am Willinger Skiinternat war bei Weltmeisterschaften, der Vierschanzentournee, der Universade und natürlich im Weltcup im Einsatz. Mit SauerlandKurier-Redakteurin Stefanie Reinelt sprach er jetzt über seine bisherige Zeit in Pyeongchang.

Gut eine Woche Olympia liegt bereits hinter Ihnen. Was haben Sie für einen Eindruck bisher, wie ist die Atmosphäre vor Ort?

Erik Stahlhut: In der ersten Woche war es ja bekanntlich sehr kalt und windig. Das Windnetz hat ein Springen überhaupt erst möglich gemacht. Die wenigen Fans unten im Auslauf hatten mit den gefühlten Temperaturen unter -20 Grad ganz schön zu kämpfen. Seit dem ersten Training auf der großen Schanze ist der Wind nahezu komplett eingeschlafen, sodass man dies generell auch an der Stimmung merkt.

Wie sind denn die Schanzenanlagen in Pyeongchang?

Erik Stahlhut: Beide Anlagen sind optimal hergerichtet. Als ich mit Andi Wellinger nach dem Gewinn der Goldmedaille gesprochen habe, meinte er, man könne auf der kleinen Schanze auch noch ein bis zwei Meter weiter springen und auch noch einen Telemark setzen. Ich denke dazu braucht es aber die entsprechenden Windbedingungen im unteren Bereich. Ein Team von Fachleuten aus Kanada und USA unterstützen hier seit Wochen. Einige sind seit Anfang Januar hier und haben den Schnee produziert.

Ganz speziell zu Ihrer Arbeit als Sprungrichter: Ist es ein Unterschied bei Olympia oder bei einem Weltcup als Kampfrichter zu arbeiten?

Erik Stahlhut: Die Arbeit ist die gleiche. Das Team rund um die Technik ist gleich und die Abläufe unterscheiden sich nicht vom Weltcup. Allerdings ist natürlich jedem die Wichtigkeit der Wettkämpfe bewusst. Olympia ist nur alle vier Jahre. Weltcups gibt es eine Reihe pro Saison. Das baut für alle Beteiligten auch einen gewissen Druck auf.

Riesenfreude: Erik Stahlhut (rechts) feierte die Goldmedaille von Olympiasieger Andreas Wellinger (Mitte).
Riesenfreude: Erik Stahlhut (rechts) feierte die Goldmedaille von Olympiasieger Andreas Wellinger (Mitte). © Erik Stahlhut

Andreas Wellinger hat bereits eine Goldmedaille. Darf man sich denn als Sprungrichter über den Sieg eines deutschen Skispringers freuen oder muss man auch dann unparteiisch bleiben?

Erik Stahlhut: Wir sind hier sechs Sprungrichter aus unterschiedlichen Nationen. Wenn eine Nation eine Medaille gewinnt, gratulieren alle dem Sprungrichter aus dieser Nation. Ergo ist Freude jederzeit erlaubt.

Was wünschen Sie sich für die kommenden Springen?

Erik Stahlhut: Faire Bedingungen für alle und schöne Flüge an erster Stelle. Wenn dann noch eine Medaille für Deutschland im Spezialspringen oder Nordischen Kombination dabei herauskommt, wäre das natürlich sehr schön.

Drücken Sie besonders Ihrem SC-Kollegen Stephan Leyhe die Daumen? Er darf auch am heutigen Samstag wieder nicht mitspringen.

Erik Stahlhut: Leider hat es nicht sollen sein, zumindest für das Einzelspringen. Stephan ist super gesprungen und dennoch hat es nicht gereicht für das Einzelspringen am Samstag. Das Team ist im Training auf der Schanze insgesamt unglaublich stark gesprungen. Hoffen wir auf das Teamspringen.

Wie ist denn die Stimmung allgemein bei den Athleten im Deutschen Haus?

Erik Stahlhut: Ich glaube darüber wurde in den Medien schon sehr oft berichtet. Die Stimmung ist sehr ausgelassen und das ganze Team freut sich über die Medaillen. Feiern können sie im Deutschen Haus...

Und wo sind die Sprungrichter untergebracht?

Erik Stahlhut: Wir sind in einem Hotel untergebracht, circa drei Kilometer vom Athletendorf entfernt. Hier sind alle Funktionäre der FIS an einem Ort. Direkten Kontakt zu den Athleten haben wir deshalb nur selten. Entweder an der Schanze oder mal abends im Deutschen Haus, wenn es eine Medaille zu feiern gibt.

Letzte Frage: Welche Eindrücke werden Sie schon jetzt von den Olympischen Spielen mit nach Hause nehmen?

Erik Stahlhut: Ich bin sehr beeindruckt von den Leistungen der Sportler und ihrer Vorbereitung auf Olympia. Beim Langlauf sind beispielsweise auch Athleten dabei, die nicht zu den starken Nationen zählen und im Weltcup nicht zu sehen sind. Da merkt man den Olympischen Geist ein wenig. Die Stimmung ist allerdings nicht wie erwartet. Oftmals leere Ränge in den Disziplinen, in denen Südkorea wenig oder keine Tradition hat. Dies betrifft leider auch das Stadion der Sprungschanze.

Vielen Dank für das Interview!

Zeitplan Skispringen: 

Samstag, 17. Februar, 13.30 Uhr: Großschanze Herren 

Montag, 19. Februar, 13.30 Uhr: Teamspringen Herren 

Nordische Kombination: 

Dienstag, 20. Februar, 11 Uhr: Großschanze Herren 

Donnerstag, 22. Februar, 11.20 Uhr: Team Herren

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