Rahmenvereinbarung zur Schulsozialarbeit aufgekündigt

Mit Ungewissheit ins neue Jahr

Die Nachricht war ein Schock: Der Kreis hat die Rahmenvereinbarung zur Schulsozialarbeit gekippt, nachdem bereits im Vorjahr das Land signalisiert hatte, sein Drittel an der Finanzierung nicht mehr zu übernehmen.

Auch der Uplandschule in Willingen wurde zum 31. Juli 2015 gekündigt. Dabei war das Stundenkontingent erst Anfang 2011 von zehn auf 15 Stunden angehoben worden – die Schulsozialarbeiterin Karin Stade sprach damals von einem stetig wachsenden Bedarf.

Eine Besonderheit der Rahmenvereinbarung mit der Uplandschule ist der evangelische Gesamtverband Upland, der hier mit im Boot ist: Die Schulsozialarbeiterin ist Diakonin der evangelischen Kirche und dort angestellt. Dieses Sondermodell, jahrelang als vorbildlich gepriesen, steht nun im Widerspruch zu einem neuen Landeserlass vom 1. August zur „unterrichtsunterstützenden sozialpädagogischen Förderung“ an Schulen (kurz USF). Demnach sollen die betreuenden Kräfte durch die Schulen eingestellt werden. „Es sind ausschließlich die Arbeitsverträge des Hessischen Ministeriums (…) zu verwenden“, heißt es in dem Erlass.

Auf den ersten Blick deckt sich der Erlass in seiner Zielformulierung und seinen Aufgabenbereichen mit dem, was die Schulsozialarbeiterin an der Uplandschule auch tut: Beratung, Entwicklung von Präventionskonzepten, sozialpädagogische Gruppenarbeit, Projekte und Arbeit mit Schulklassen, innerschulische und außerschulische Vernetzung sowie offene Angebote für alle Schüler.

Kirchlicher Träger war „ein gutes Modell“

„Wenn man genauer hinschaut, erkennt man aber, dass darin Aufgaben enthalten sind, wie die Nachmittagsbetreuung im Ganztagsberieb, die Unterrichtsbegleitung einzelner Schüler oder die Begleitung von Klassenfahrten, die sehr viel Zeit beanspruchen, die mir dann an anderer Stelle fehlen würde“, gibt Stade zu bedenken. Mit ihren 15 Wochenstunden könnte sie das gar nicht leisten.

Die Diakonin leitet zwar auch Arbeitsgemeinschaften an der Uplandschule, betreut ein Zeitungsprojekt und initiiert kreative Präventionsprojekte, aber ihre Hauptaufgabe ist doch die Einzelfallberatung, erklärt sie. Sie mischt sich in den Pausen unter die Schüler – und hält überall Augen und Ohren offen, für die alltäglichen Probleme genauso wie für ernste Krisen. Stade ist „eine Abladestelle für Frust bei Noten, Liebeskummer, Problemen zu Hause oder Streitigkeiten mit Mitschülern“, so liest man auf der Schulhomepage. An der Uplandschule ist sie ein vertrauter Fels in der Brandung, der auch außerhalb der offiziellen Sprechzeiten an der Schule gerne von allen Beteiligten – Schülern genauso wie Lehrern und Eltern – beansprucht wird. Seit 2008 ist die Diakonin an der Schule installiert. Manche der Schüler kennen sie inzwischen seit fünf Jahren und haben mit der Zeit ein enges Vertrauensverhältnis aufgebaut. Da die Sozialarbeiterin zugleich die kirchliche Jugendarbeit im Upland leitet, ist sie gut vernetzt – sie kennt die Lebensumstände derjenigen, die sie betreut. Beim Willinger Arbeitskreis Suchtprävention sitzt sie zudem seit zehn Jahren mit am runden Tisch. „Es ist eigentlich ein gutes Modell und wir hoffen weiterhin auf die kirchliche Trägerschaft“, erklärte Schulleiterin Barbara Pavlu.

Die Schulleitung und der evangelische Gesamtverband ringen nun mit Land und Kreis um Schadensbegrenzung. Der Korbacher Landtagsabgeordnete Armin Schwarz habe der Schule zugesichert, dass die Sozialarbeit auf jeden Fall weitergehen soll, so die Schulleiterin. Für dieses Jahr ist ein Treffen der Schulleitung mit dem Schulamt geplant sowie Gespräche zwischen Land und Kreis. „Es wäre mein Wunsch, dass sich Kirche, Kreis und Land auf ein Sondermodell für Willingen einigen“, hofft die Diakonin.

Ungewissheit wirkt demotivierend

Ob sie ihre Arbeit weitermachen kann, ist unklar. Die Stelle des Schulsozialarbeiters wird vermutlich neu ausgeschrieben werden. Welche Chancen sie bei einer Bewerbung hätte und wie ihr zuküntiger Arbeitsvertrag aussehen könnte, weiß sie nicht, denn zuständig wäre dann das Schulamt. „Man kann kämpfen, aber unser Einfluss in Wiesbaden ist gering“, weiß Stade. Mit so viel Ungewissheit in das neue Jahr zu starten, ist für die engagierte Korbacherin demotivierend: „Man will doch planen, neue Projekte terminieren – das Ganze lähmt schon sehr.“ Der Kirchenverband wurde in einem sehr nüchternen Schreiben von der Kündigung Ende November in Kenntnis gesetzt – Verständnis für die politische Vorgehensweise hat vor Ort kaum jemand. (Von Kristin Sens, willingen@sauerlandkurier.de)

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