"Weltcup-Einnahmen haben unser Vereinsleben gesichert"

Auch wenn nur noch die Hälfte früherer Zuschauerzahlen erreicht werden, seine treue Fangemeinde hat der Willinger Weltcup. Foto: Patrick Donatil

SC Willingen zieht Bilanz — "Tolle Veranstaltung" habe mehr Zuschauer verdient

Willingen.(akj)

Rund 35.000 Zuschauer sind am vergangenen Wochenende nach Willingen gekommen, um das Weltcup-Skispringen zu besuchen. Für ein Weltcup-Wochenende sind das durchaus hohe Besuchszahlen — und doch sind die Veranstalter vom Ski-Club Willingen anderes gewöhnt. Zu Zeiten, in denen die deutschen Skispringer — besonders Martin Schmidt und Sven Hannawald — ihre größten Erfolge gefeiert haben, zog der Weltcup rund 70.000 Zuschauer pro Wochenende ins Upland.

"Wir waren etwas enttäuscht darüber, dass das tolle Wetter nicht noch mehr Besucher an die Schanze gelockt hat", bedauert Thomas Behle, der Pressesprecher des Ski-Clubs. Alles in allem zieht der Willinger jedoch ein positives Fazit: "Organisatorisch hat man gesehen, dass wir unsere Hausaufgaben gemacht haben, das großartige Wetter hat uns in die Hände gespielt und wir haben an allen Tagen tollen Sport gesehen."

Über drei Millionen Fernsehzuschauer

Die Schanze sei in hervorragendem Zustand gewesen, so der Pressesprecher weiter. Zudem lobt er das Publikum, die Polizei habe nur wenige Vorfälle registriert. "Es war rundherum eine tolle Sportveranstaltung", resümiert Thomas Behle. Sein Lob galt vor allem dem unermüdlichen Einsatz zahlreicher ehrenamtlicher Helfer sowie dem "fantastischen Publikum". Auch die Einschaltquoten der Fernsehzuschauer sorgten für Zufriedenheit bei den Ski-Club-Mitgliedern. Mehr als drei Millionen Zuschauer schalteten zu den Wettkämpfen die TV-Geräte ein. Mit Einnahmeverlusten durch den Rückgang der Besucherzahlen habe der Verein nicht allzu stark zu kämpfen: "Wir konnten in diesem Jahr an einigen Stellen Kosten einsparen." So habe der Ski-Club etwa weniger Sicherheitspersonal engagieren müssen oder den Standort der Siegerehrung verlegt. Es handele sich aber um Einsparungen, unter denen die Attraktivität der Veranstaltung nicht gelitten habe.

Durch die Einnahmen, die der Weltcup dem Ski-Club eingebracht hat, sei das Vereinsleben vorerst wieder gesichert. Schließlich müssen Faktoren wie Trainer, Betreuer, Fahrzeuge, Material oder Lehrgänge auch finanziert werden. "Ohne das Weltcup-Skispringen könnten wir unsere intensive Trainingsarbeit nicht durchführen", stellt Thomas Behle klar.

Folglich liegt es dem Ski-Club am Herzen, dass Willingen auch in Zukunft als Veranstaltungsort im Weltcup-Kalender etabliert ist.

Chancen für "Team-Tour" gut

Die Chancen stehen gut: Gemeinsam mit weiteren deutschen Austragungsorten — die Rede ist derzeit von Klingenthal und Oberstdorf — planen die Willinger eine neue Serie, die "Team-Tour". An allen drei Veranstaltungsorten sollen jeweils ein Einzel- sowie ein Teamspringen stattfinden. Aus allen Wettkämpfen — in Oberstdorf würde ein Skifliegen stattfinden — wird dann die beste Nation ermittelt.

Gespräche mit dem Deutschen Skiverband (DSV) sowie dem Internationalen Skiverband (FIS) laufen. "Wenn das klappt, haben wir natürlich Planungssicherheit für die nächsten drei bis fünf Jahre", erklärt Thomas Behle. Im Moment sehe es so aus, als bleibe Willingen Weltcup-Veranstaltungsort.

Zudem denkt der Ski-Club derzeit über die Anschaffung einer eigenen Flutlichtanlage für die Sprungschanze nach. Zahlreiche Weltcup-Skispringen werden am späten Nachmittag ausgetragen. "Wenn wir die Anlage drei Mal mieten, da kann man finanziell betrachtet fast schon eine eigene Anlage anschaffen." Auch hier laufen derzeit Gespräche: "Alleine können wir das nicht stemmen, wir wären auf öffentliche Unterstützung angewiesen", verdeutlicht Thomas Behle.

Getreu dem Motto "Nach dem Weltcup ist vor dem Weltcup" engagiert sich die Ski-Club-Spitze also schon für die kommenden Veranstaltungen. "Mit unserem Konzept liegen wir richtig. Was fehlt, ist ein neues Idol, deutsche Springer, die wieder um die vorderen Plätze mitspringen können", bedauert Thomas Behle. "Hier ist der DSV verpflichtet, gute Arbeit zu leisten."

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