Bürger können sich bei "Kompass" einbringen

Willingen will an Problemen des Clubtourismus arbeiten

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Stark geplagt von den Auswüchsen des Club-Tourismus ist der Neue Weg in Willingen als schnellste Route zwischen Ettelsberg und Party-Meile. Die Gemeinde überlegt, wie sich das ändern lässt.

Willingen. Der Clubtourismus hat in Willingen negative Begleiterscheinungen. Die Gemeinde feilt an ihren Konzepten - und fragt bei der Initiative "Kompass"  die Bürger.

Mit dem Beitritt zur Sicherheitsinitiative „Kompass“ des Hessischen Innenministeriums möchte die Gemeinde Willingen in diesem Jahr zusammen mit Polizei und Bürgern Probleme im Ort benennen und gemeinsam Lösungen diskutieren – ein herausragender Punkt sind dabei die Auswüchse des Clubtourismus. Eine Befragung der Bevölkerung für die nächsten Monate wird derzeit vorbereitet, daran anschließen soll sich eine Sicherheitskonferenz und die Möglichkeit für die Bürger, ihre Meinung zu Problemen zu äußern.

Derweil arbeitet die Gemeinde weiter an der Problematik, erklärt Bürgermeister Thomas Trachte im Gespräch mit der WLZ. Der Gemeindevorstand habe die Auftragsvergabe für den Sicherheitsdienst erneut beschlossen. Dieser unterstützt mit rund 20 Mitarbeitern die Ordnungspolizeibeamten der City-Streife. Diese neun nebenberuflichen Kräfte können zusammen rund 1960 Stunden Dienst leisten.

Überlegt wird, wie sich der Strom potenziell störender Gäste zwischen Seilbahn und der Hauptstraße regeln lässt. Ideallösung wäre eine Fußgängerbrücke nahe des Bahnhofs, erläutert Trachte – Herausforderungen sind hier die Finanzierung und die benötigten Grundstücke. Alternative ist die Verlegung der Fußgängerführung vom Neuen Weg über die Anbindung West, etwa durch Beschilderung. Zudem wird geprüft, wie entlang dieser Strecke und im Bereich der Seilbahn weitere Toilettenanlagen errichtet werden können.

Aufgebaut werden soll ein Kontaktmanagement mit den Busunternehmen. Ziel ist, möglichst frühzeitige Abholtermine zu vereinbaren und vielleicht schon im Bus „Benimmregeln“ zu verteilen. Im Gegenzug könnte die Gemeinde Busfahrern einen beheizten Raum zur Verfügung stellen.

Geprüft und für untauglich befunden wurde die Idee einer Kurkarte für Tagesgäste. Sie brächte zwar finanziellen Ausgleich, organisatorisch sei sie aber kaum zu realisieren. Zudem müsste bei allen Tagesgästen kassiert werden, nicht nur bei Clubtouristen, erläutert Thomas Trachte.

Geprüft wird derzeit, ob und wie die Vermieter unbeaufsichtigter Selbstversorgerhäuser in die Pflicht genommen werden können – bislang wird nur störendes Verhalten der Gäste geahndet.

Wünschenswert wäre derweil, das Personal der Ortspolizei aufzustocken, am besten mit ein oder zwei Hauptberuflichen – die große Frage ist hier die Finanzierung. Die im Nebenberuf tätigen Ordnungspolizeibeamten seien hohen Belastungen ausgesetzt. Immer wieder träten Gäste ihnen gegenüber sehr aggressiv auf, erklärt Trachte, was die Gemeinde dann zur Anzeige bringe.

Video-Überwachung im Bereich der Seilbar mit direkter Übertragung zur Polizeistation Korbach soll im Frühjahr umgesetzt werden. Bereits 2014 stellte die Gemeinde einen Antrag auf dauerhafte Polizeipräsenz – bislang sind von Ende Mai bis Anfang Juli Beamte fest im Ort. „Wir wissen, dass das wegen der Personalsituation nicht so einfach ist“, sieht Thomas Trachte ein.

Quelle: Waldeckische Landeszeitung

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