Gewerbegebiet soll weiterentwickelt werden

Willinger Parlament eröffnet Weg für Hotel- und Gastro-Pläne auf Kesper-Gelände

Das Ende als Gewerbegebiet steht dem Badmöbel-Kesper-Gelände in Willingen bevor.
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Das Ende als Gewerbegebiet steht dem Badmöbel-Kesper-Gelände in Willingen bevor.

Das Willinger Parlament hat zugestimmt, auf dem bisherigen Gebiet von Badmöbel Kesper andere Nutzung zulassen zu wollen. Es geht um ein Hotel und eine Gastronomie – und Größenbeschränkungen.

Willingen – Das Gewerbegebiet um die frühere Badmöbelfabrik Kesper soll in ein „Urbanes Baugebiet“ umgewandelt werden: Diesen Grundsatzbeschluss als Start des weiteren Verfahrens hat das Parlament Montag gefällt. Das soll den Bau eines geplanten B&B-Hotels und einer Gastronomie ermöglichen, gleichzeitig aber der Gemeinde Gelegenheit bieten, deren Ausmaße zu begrenzen. Die im verworfenen ersten Konzept enthaltenen Märkte sind damit nicht möglich, die Fußgängerbrücke zur Hauptstraße aber schon.

Eine Gastronomie wäre bereits zulässig, für das Hotel wurde eine Bauvoranfrage gestellt, die, wenn sie letztendlich vor Gericht landen sollte, wohl im Sinne des Investors beantwortet würde, fasste Bürgermeister Thomas Trachte den vergangene Woche vorgestellten Sachstand zusammen. Mit der Argumentation, lieber selbst zu planen und dabei die Kontrolle zu bewahren, stimmten 20 Abgeordnete von CDU, FDP und FW für die Änderung, sieben der SPD dagegen.

SPD befürchtet durch Projekt am Ettelsberg „Hotspot“ für Club-Tourismus

Als Kunden des Hotels im niedrigen Preissegment werden etwa Sportler und Geschäftsreisende genannt, Club-Touristen seien nicht auszuschließen – SPD-Fraktionschef Thorsten Kesper geht davon aus, dass das Verhältnis umgekehrt wäre und letztere die Hauptkundschaft bilden würden. Das sei an der Stelle ein Problem: „Am Randes des Ettelsbergs besteht die Gefahr, einen bestehenden Hotspot zu vergrößern.“ Das mache auf andere Gäste keinen guten Eindruck.

„Ich habe ein schlechteres Gefühl als vor einem halben Jahr“, sagte er: Entstehe auf der westlichen Grundstückshälfte ohne die Märkte etwa noch ein Hotel und noch eine Gastronomie? Am Rande merkte er an, dass die aktuelle Nutzung des Standorts für eine Spedition anders als berichtet nur sehr wenig Lkw-Verkehr nach sich ziehe.

Mehrheit sieht durch Kesper-Projekt mehr Chancen als Risiken

Das ein oder andere von Thorsten Kespers Argumenten sei nicht von der Hand zu weisen, befand FDP-Fraktionschef Dieter Schütz. Aber es sei die Aufgabe des Parlaments, Chancen und Risiken abzuwägen. Und mit der Fußgängerbrücke, für die der Investor eine Parzelle angeben würde, überwiegen für ihn die Chancen. Entscheidend sei auch, dass die Gemeinde mit der Änderung des Bebauungsplans die Größen der Betriebe beschränken könne: „Wir bleiben auf dem Spielfeld und können die Regeln mitbestimmen.“

Zum Willinger Bahnhof soll die Brücke einen Ein- uns Ausstieg bieten.

Die Brücke sei das letzte unerfüllte Wahlversprechen, begründete auch CDU-Fraktionschef Jochen Schmitt seine Unterstützung: Sie bedeute ein große Entlastung für bislang von Besuchern durchströmte Straßen wie „Neuen Weg“ und „Zur Hoppecke“ und stärke das Skigebiet durch direkte Anbindung an den Bahnhof. Fraktionskollege Jörg Stremme regte für die westliche Grundstückshälfte an, die Gemeinde solle erwägen, sie selbst zu kaufen und mit einem Städteplaner eine gute Nutzung zu entwickeln.

Mit der Brücke argumentierte auch FW-Fraktionschef Ingolf Schinze: Sie beruhige die Lage, mehr als das Hotel schaden könne. Und würde die Gemeinde nicht tätig und die Sache vor Gericht geklärt: „Dann kommt das, was wir verhindern wollen – und was wir wollen, entsteht nicht.“ Ohne Hotel gebe es mehr Platz für Gastronomie-Betriebe, gab er zu bedenken. Und gute Zusammenarbeit mit dem Investor könnte in einer Kooperation in Sachen der ihres Preises wegen diskutierten Toiletten-Anlage am Ettelsberg münden. „Niemand sollte Angst vor dem Hotel haben – viele andere haben auch Clubs“, so Schinze.

200 Betten und 400 Quadratmeter Gastronomie am Ettelsberg geplant

Thomas Trachte erläuterte, dass B&B eine international tätige Kette mit seriösem Konzept sei. Zuletzt habe sie verstärkt Standorte in Erholungsgebieten verwirklicht – Zielgruppe seien dabei keine Club-Touristen. Die Größenordnung, mit der die Projekte präsentiert wurden: Das Hotel soll 200 Betten bieten, die Gastronomie 400 Quadratmeter groß sein. (wf)

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