Ensemble des „Schwaleaters“ sorgt mit Aufführung für beste Unterhaltung

Zicken und grüne Männer machen ordentlich Theater  

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„Grün sein darf nur ich“: Wachtmeister Erich (Arnd Lange) jagt den Außerirdischen. Dank der Unterstützung seiner Verlobten Rosa (Katharina Lange) sowie seiner Schwiegereltern Carlo (Tracy Reitz) und Maria (Andrea Donath-Hellwig) ist dieser aber nicht mehr grün hinter den Ohren.

WILLINGEN-SCHWALEFELD. „Ein Außerirdischer in Schwalefeld“, ein Stück Science-Fiction im „Haus des Kurgastes“ – kann das funktionieren? Es kann, wie das Ensemble des „Schwaleaters“ am Samstag eindrucksvoll beweist. Der Besuch von Alpha MX5 (Chris Becker) sorgt auf der Bühne für Verwirrung, im Publikum für zweieinhalb Stunden beste Unterhaltung. Schließlich scheuen die Darsteller nicht davor, eine Frage aufzuwerfen: Was ist befremdlicher, das tollpatschige grüne Männchen oder das Dorfleben?

Der Saal verdunkelt sich, Nebel kommt auf, Laserlicht flackert. Eine Gestalt im silberfarbenen Raumanzug ist schemenhaft zu erkennen. Eine Computerstimme gibt Anweisungen zur Erforschung des Planeten Erde und verabschiedet sich mit den Worten: „Du darfst nicht erkannt werden. Viel Glück Alpha MX5.“ Die Spezialeffekte, die der junge Techniker Liam Lange abruft, sind ein Stück großes Kino auf der kleinen Bühne. Für die nächsten zwei Stunden sind sie aber vorerst auch der letzte Ausflug in ferne Galaxien. Die Komödie in drei Akten von Toni Feller spielt in einer realistischen Kulisse, der Gaststätte „Zur Krone“ und der benachbarten Pizzaria „Piadoro“.

Dass es im bodenständigen Schwalefeld zwar nicht außerirdisch, aber doch außergewöhnlich zugeht, erfasst der Forschungsspeicher von Alpha MX5 umgehend: Zwischen der wunderbar kratzbürstigen Krone-Wirtin Hilde (Julia Lange) und ihrer resoluten Konkurrentin Maria (Andrea Donath-Hellwig) herrscht Zickenkrieg. Zwischen den Fronten stehen Bruder Willi, das stoisch-gelassene Upländer Original (Christopher Leeser), und Ehemann Carlo (Tracy Reitz). Der fröhlich-charmante Italiener, der mit Italo-Pop-Einlagen begeistert, glaubt an die große, grenzenlose Liebe zwischen seiner schrulligen Tochter Rosa (Katharina Lange) und Alpha MX5. Zusammen mit seiner Frau tut er alles, um dessen wahre Identität vor Wachtmeister Erich („denn grün sein darf nur ich“, Arnd Lange) geheim zu halten. Kurzerhand wird aus Alpha MX5 Alfred Lange ein fast normaler junger Mann. Selbst die Thekenbrüder Siggi (Christoph Müller), Herbert (Kai Bärenfänger) und Geizhals Fritz (Manfred Lange) halten dicht. Erst dem Charme des WLZ-Reporters Bernie Klug (Adrian Sperlich) erliegen sie. Sperlich war zuvor als betrunkener Wildpinkler Hugo mit Ehefrau Elsbeth (Ilka Müller) zu sehen.

Selbst aufs Korn genommen

In bester Stammtischmanier tischen die Freunde dem Paparazzi die Geschichte auf. Die Tratschweiber Helene (Theresa Donath) und Andrea (Selina Emde) tun ihr Übriges dazu. „Aber natürlich nicht weitererzählen“, flüstern sie den Ehrengästen sowie Souffleuse Dana Sinemus in der ersten Reihe zu.

Und die Moral von der Geschicht‘? „Die Erdlinge werden sich über kurz oder lang selbst vernichten. Wir brechen die Forschungsreise ab“, sagt die Computerstimme. Bevor Alpha MX 5 zusammen mit Rosa auf seinem Heimatplaneten zurückgebeamt wird, versäumt er es aber nicht, jedem einzelnen Erdling einen guten Rat mitzugeben. Sein Forschungsfazit: „Vertragt Euch, denn Eure Erde ist so schön.“

Ob in großen oder kleinen Rollen, ob mit Spezialeffekten, Gesangseinlagen oder mit Anspielungen auf die Heimat – das Ensemble des „Schwaleaters“ setzt das Leben auf dem Dorf gekonnt in Szene. Ohne Scheu, sich selbst ein Stück weit aufs Korn zu nehmen, halten die Darsteller den Spiegel vor. Vorgeführt wird dennoch niemand.

Quelle: Waldeckische Landeszeitung

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