Kirche und Tourismus durch WM ein Stück enger zusammen gerückt

Bereicherung für Gemeinde

Pfarrer Matthias Gleibe eröffnete das Angebot im Zelt der Kirchen mit einer kurzen Andacht, zur ersten Schicht im Zelt gehörten: Alina Saßmannshausen, Thomas Lindner und Stephanie Schneider für den Kirchenkreis Wittgenstein sowie die SRS-Leute Dean Grube und Klaus Latsch (von links).

Besonders war bei der Bob & Skeleton-WM neben vielen Wettkämpfen und Aktionen in Winterberg auch ein Angebot, das es in dieser Form zum ersten Mal in der Stadt gab.

Als Kontrapunkt zum Trubel auf der Bobbahn und in der Stadt schafften die christlichen Kirchen in Winterberg Orte der Ruhe, inneren Einkehr und Meditation. Menschen aller Nationen begegneten sich dort – und standen aus aktuellem Anlass „Hand in Hand für den Frieden“ ein.

Gemacht wurde das Angebot vom Katholischen Pastoralverbund Winterberg und der örtlichen Evangelischen Kirchengemeinde, die zum Kirchenkreis Wittgenstein gehört und deshalb von der Wittgensteiner Kirchenkreis-Jugendarbeit unterstützt wurde. Ihr Pädagogischer Leiter, Thomas Lindner, hatte zudem bei der Vorbereitung einen Kontakt zur christlichen Sportorganisation „SRS“ hergestellt. Auch die Winterberg Touristik und Wirtschaft GmbH sowie die Bobbahn Winterberg Hochsauerland waren an der Aktion beteiligt.

Umjubelte Konzerte

Gemeinsam mit den Profis von SRS wurde vor Ort ein Programm auf die Beine gestellt, das auf unterschiedlichen Angeboten fußte. Während der zwei Wochen von Trainings- und Wettbewerbsläufen stand ein Zelt direkt an der Bobbahn, das mit katholischen und evangelischen Gesprächspartnern, mit Kopfhörern und mit einem flackernden Friedenslicht aus Bethlehem – entzündet in der Geburtsgrotte Christi – in dem Getümmel sowohl besinnliche Angebote des Zur-Ruhe-Kommens als auch Gelegenheiten zum Gespräch für alle Interessierten schuf.

Jeder der Tage begann im Neuastenberger Dorint und im Winterberger Hapimag Resort mit Andachten für Sportler, Betreuer, Journalisten und alle anderen Gäste. Darüber hinaus gab es besondere Gottesdienste und Heilige Messen sowie Konzerte in der katholischen Pfarrkirche St. Jakobus und in der örtlichen evangelischen Kirche. Eröffnet wurde der kirchliche Veranstaltungsreigen mit einem Gottesdienst, der sehr schön und ökumenisch von der örtlichen Katholischen Jungen Gemeinde (KJG) in Verbindung mit dem evangelischen Pfarrer Matthias Gleibe gestaltet wurde. Bei umjubelten Konzerten traten das Sauerländer Quartett „BRASSination“ und die Berleburger Band „Overline“ auf.

Für Walter Hoffmann von der Winterberger Tourist-Information war das kirchliche Engagement insgesamt gut, aber das größte Glanzlicht setzten für ihn eben die Veranstaltungen in den Kirchen. Thomas Lindners Bilanz für dieses Premieren-Angebot fiel nach den zwei Wochen mit kleinen Einschränkungen durchweg positiv aus.

Auf dem direkten Weg zur Bobbahn war in der zweiten Woche ein Biathlon-Simulator mit einem Lasergewehr ein Besuchermagnet, der die SRS-Leute und die ehrenamtlichen Mitarbeiter schnell ins Gespräch brachte mit den Gästen.

„Kirche muss zu Leuten gehen“

Schade fand es Thomas Lindner, dass die Andachten in den Hotels kaum angenommen wurden, doch auch hier gab es wichtigen Kontakt. Etwa in das Umfeld der russischen Mannschaft, die in Winterberg mit dem völlig unerwarteten Tod eines 51-jährigen Trainers konfrontiert war.

Ähnlich die generelle Einschätzung von Wittgensteins Superintendent Berk: „Es ist genau richtig, dass Kirche bei so einem Ereignis präsent ist und Angebote macht.“ Auch Winterbergs evangelischem Pfarrer Matthias Gleibe begegnete des Öfteren die Haltung „Das finden wir toll“ in Bezug auf das kirchliche WM-Engagement. Die Präsenz sei positiv wahrgenommen worden, auch von ihm selbst.

Nicht anders die Einschätzung von Vikar Klaus Engel vom Pastoralverbund Winterberg. Er erinnerte an die Bibelkekse, mit denen man auf die Menschen zugegangen sei: „Kirche muss zu den Leuten gehen.“ Nach seinem Gefühl seien die Angebote in der Kirche für die ganze Gemeinde bereichernd gewesen, wobei die Erfahrungen insgesamt jetzt noch ausgewertet werden müssten.

Und noch einer Gruppe war Thomas Lindner dankbar: den vielen Jugendlichen, die sich auch aus Wittgenstein auf den Weg nach Winterberg machten. Gemeinsam mit Bernd Wessel, der in Winterberg die kommunale Kleine-Offene-Tür-Einrichtung im evangelischen Gemeindehaus leitet, organisierte der Chef vom Kompetenzzentrum für Kinder-, Jugend- und Familienarbeit im Wittgensteiner Kirchenkreis die ehrenamtlichen evangelischen Arbeitsschichten im Zelt der Kirchen.

Und vielleicht war das Ganze ja auch nur ein Anfang. Michael Beckmann, Geschäftsführer der Ferienwelt Winterberg, zeigte sich vom Projekt „WM und Kirche“ begeistert: „Durch die vielen gemeinsamen Stunden der Vorbereitung und der Umsetzung an der Bobbahn, in den Kirchen und in den Hotels sind Kirche und Tourismus ein Stück enger zusammen gerückt. Das ist in unserer stark touristisch geprägten Region Hochsauerland/Wittgenstein sicher unser gemeinsames Anliegen. Ich würde mich daher freuen, wenn wir unsere konstruktiven Runden fortsetzen könnten.“

www.kirchenkreis-wittgenstein.de

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