Mit den Niners zurück in die erste Liga?

Von Biathlon, Basketball und Dankbarkeit: Luis Figge über Sport und Engagement

Luis Figge zeigt viel Ehrgeiz auf dem Parkett, hat aber auch abseits des Feldes ambitionierte Ziele.
+
Luis Figge zeigt viel Ehrgeiz auf dem Parkett, hat aber auch abseits des Feldes ambitionierte Ziele.

Winterberg – Luis Figge. Ein Name, der Sauerländern, vor allem Winterbergern, zunächst bekannt ist durch den Biathlonsport. Im Winter 2010/11 zum Beispiel gewann der heute 23-Jährige in den Farben des heimischen Skiklubs den Deutschen Schülercup und war somit der beste Biathlet seines Jahrgangs in Deutschland; dazu stand er fast jedes seiner aktiven Jahre bei den Westdeutschen Meisterschaften ganz oben auf dem Podest.

Schon damals schlugen zwei Herzen in seiner Brust: Nicht nur Biathlon hatte es Figge angetan – auch Basketball, den er mit sechs Jahren für sich entdeckte, ließ ihn nicht mehr los. Bis heute. Mittlerweile hat Luis Figge die Skischuhe an den Nagel gehängt und konzentriert sich auf ein sportliches Ziel: „Der beste Basketballer zu werden, der ich sein kann.“ 

Euroleague zu spielen und in der A-Nationalmannschaft, das sind die Träume des gebürtigen Korbachers. Er ist auf dem besten Weg, sie zu erfüllen. Luis Figge wurde im Sommer 2019 vom Zweitligisten Niners Chemnitz unter Vertrag genommen – als die Saison Mitte März wegen des Coronavirus abgebrochen wurde, erhielten die Niners Bundesliga-Aufstiegsrecht. Die „Orange Army“ hat also bei Erfüllung aller Zulassungsvoraussetzungen die Chance, erstmals seit Vereinsgründung 1999 in Deutschlands höchster Spielklasse einzugreifen, natürlich inklusive Small Forward (Flügelspieler) Luis Figge, der sich damit wieder – nach seinem Liga-Debüt mit den Basketball Löwen Braunschweig – in der ersten Liga positionieren und weiter auf sich aufmerksam machen könnte. 

"Die Glücksgefühle waren unbeschreiblich"

Dass er ehrgeizig ist und belastbar, hat Luis Figge schon in ganz jungen Jahren bewiesen. Pendeln zwischen Paderborn – seine noch sehr jungen Eltern studierten dort – und Winterberg, wo der Großteil seiner Familie lebte – stand für ihn schon als Kind fast auf der Tagesordnung. Biathlon beim Skiklub Winterberg, Basketball bei den Baskets Paderborn, in diesen zwei Welten wuchs Figge auf und brachte sie dank der Unterstützung von Familie, Freunden und Lehrern erfolgreich zusammen. „Nicht selten wurde ich von einem Biathlon-Lehrgang zu einem Basketballspiel und sofort wieder zurück zu einem Biathlon-Wettkampf gefahren“, erinnert sich Luis Figge. Trotz Spaß am Sport eine große Belastung für ihn, die im Alter von 13 Jahren ihren Höhepunkt erreichte. 

Aufgrund verschiedener Kaderlehrgänge, im Basketball und im Biathlon, verpasste Figge manchmal bis zu vier Wochen Unterricht pro Halbjahr, der Alltag für den Gymnasiasten war stressig. Doch das harte Training sollte sich schon bald auszahlen, in beiden Sportarten. Im Biathlon mit dem Gewinn des Deutschen Schülercups, im Basketball mit dem Meistertitel mit dem U14-Team – die erste Deutsche Meisterschaft der Vereinsgeschichte der Paderborn Baskets. „Die Glücksgefühle waren unbeschreiblich. Ich konnte mit 28 Punkten und 10 Rebounds auch einen großen Beitrag zum Erfolg leisten. Was für ein Jahr. Das ist im Nachhinein ein wirklich total verrücktes Ergebnis“, so Luis Figge. 

Eins aber wurde immer deutlicher: Beide Sportarten parallel zu betreiben wurde schwerer, fast unmöglich. Eine Saison noch ließ Figge die Sportarten nebeneinander laufen, doch viele Lehrgänge und Wettkämpfe überschnitten sich. „Mein Training im Biathlon waren die Wettkämpfe. Trotz der äußerst schwierigen Bedingungen schaffte ich es in der Gesamtwertung noch auf einen guten 6. Platz.“ Im Basketball indes lief es besser: „Ich startete als Point Guard (Spielmacher) in einem äußerst talentierten Jahrgang in der U16 Jugend Basketball Bundesliga in Paderborn. Ohne Probleme schafften wir es in die Playoffs und gewannen unsere Playoffserien.“ Im Finale besiegten die Paderborner Jungs dann den FC Bayern München und wurden Deutscher Meister. 

Entscheidung stand fest

Die Entscheidung stand – schweren Herzens zwar, aber mit Überzeugung – fest: Basketball sollte die Zukunft von Luis Figge sein. In Paderborn spielte er parallel in Jugend- und Herrenteams, oftmals trainierte er vier Stunden hintereinander, dazu kamen mehrere wöchentliche Einheiten, ein 20-stündiges Trainingspensum pro Woche. In der „off-Saison“ trainierte der ehrgeizige Schüler mit der Jugend-Nationalmannschaft für die jährliche Europameisterschaft (und spielte letztlich eine U16-, zwei U18- und eine U20-EM), elf Monate im Jahr drehte sich alles um Sport und Schule. „Ich habe täglich das gemacht, woran ich Spaß hatte und hatte selten keinen Bock auf Training.“ Schließlich hielt er an einem Ziel hartnäckig fest: Vom Fan der Baskets wollte er zu ihrem Spieler werden. Mit 16 lief er dann mit den Profis ein, mit 17 spielte er 17 Minuten im Schnitt, mit 18 mehr als 24 Minuten. 

Anfang Juni dann gaben die Basketball Löwen Braunschweig Figges Verpflichtung bekannt – der Sprung in die erste Liga war geschafft. Insgesamt 56 Spiele stand er für die Löwen auf dem Feld, steckte aufgrund mehrerer Verletzungen in dieser Zeit aber auch herbe Rückschläge ein. „Es liegt nur an dir, wie du mit der Situation umgehst. Entweder du siehst in ihr eine Möglichkeit, an der du als Mensch weiterwachsen kannst, oder du steckst deinen Kopf in den Sand und jammerst.“ Luis Figge entschied sich für die erste Möglichkeit. „Ich kämpfte mich zum Ende der Saison zurück in die Rotation, musste aber bis zum allerletzten Saisonspiel warten, bis der Knoten platzte. Mit einem Derbysieg gegen Göttingen beendeten wir die Saison auf dem starken 12. Platz und überraschten die Liga.“ 

"Ich möchte andere Menschen inspirieren"

Nach drei Jahren im Löwen-Trikot dribbelt Luis Figge seit 2019 bei den Niners, stand mit seinem Team bis zum Abbruch der Saison mit 25 Siegen in 27 Partien an der Tabellenspitze, trainiert als Nummer 6 seit Mitte Mai wieder mit den Jungs – und will, ehrgeizig wie er ist, seine ganze Energie für Chemnitz aufs Parkett bringen. Sein Antrieb? „Ich möchte andere Menschen mit meinen Leistungen auf und abseits des Feldes inspirieren.“ 

In sozialen Medien versucht Figge seiner Vorbildfunktion gerecht zu werden und die Leute in den Alltag als Profisportler mitzunehmen. Dabei erinnert er sich auch an seine Biathlon-Zeit, die ihn viel gelehrt hat, physische Stärke unter anderem, Schnelligkeit und Durchhaltevermögen – Fähigkeiten, die ihm nun als Small Forward bei den Niners allesamt zugute kommen.

Luis Figge im Interview

Luis Figge hat nicht nur eine sehr sportliche Seite, sondern auch eine soziale: Gemeinsam mit seinem besten Freund hat er „Thnkfl (Thankful)“ gegründet.

Wobei handelt es sich bei „Thnkfl“?

Luis Figge: Thnkfl ist ein Label, welches sich, wie der Name schon sagt, die Dankbarkeit auf die Fahne schreibt. Gerade in diesen Krisenzeiten kann ein bewusster Moment von Dankbarkeit Ängste vermindern und das Glückshormon Dopamin ausschütten. Wichtig ist dabei zu wissen, dass jeder gesunde Mensch, der ein Dach über dem Kopf hat und keinen Hunger leiden muss, dankbar sein kann. Jeder kann Dankbarkeit bewusst wahrnehmen, egal wie wenig er hat und wie ungewiss die Situation ist. 

Was ist eure Vision?

Wir verstehen uns nicht als Weltverbesserer und wissen, dass wir bisher nur eine kleine Bewegung sind – ein Ziel ist, eine Dankbarkeitsplattform aufzubauen, mit der sich jeder täglich einen kurzen Moment der Hoffnung und des Glücks in sein Leben holen kann. Auch durch nachhaltige Mode wollen wir Dankbarkeit mehrmals am Tag in unseren Alltag integrieren – und in den Alltag der Träger. Ein Teil der Erlöse wird in soziale und Umweltaktionen fließen, um auch dort bewusst unsere Dankbarkeit zu äußern. 

Woher kam die Idee dazu?

Nachdem ich meinem Kumpel von einem meiner Lebensziele (eine Millionen Bäume zu pflanzen) erzählt habe, hatten wir ein tolles Gespräch. Wir haben darüber gesprochen, wie cool es wäre ein sauberes Unternehmen aufzubauen, welches einen großen Mehrwert für die Menschen und die Umwelt generieren könnte. Dann kam uns der Name Thnkfl in den Sinn, da wir beide gemerkt haben, dass unsere positive Art und unser Antrieb aus einem tiefen Gefühl der Dankbarkeit entsteht. 

Du reist gern, warst unter anderem allein in Peru – auch ein Grund für Thnkfl?

Ja – verschiedene Orte mit verschiedenen Ethnien und unterschiedlichsten Klimata prägen einen enorm in der Entwicklung als Mensch und haben die Dringlichkeit verstärkt, für die Umwelt und anderen Menschen etwas Gutes tun zu wollen. 

Wie ist die Resonanz auf euer Projekt?

Bisher ganz gut. Wir haben in unserer ersten Umfrage sofort über 700 Antworten und unser Crowdfunding läuft den schwierigen Zeiten entsprechend auch nach Plan.

Infos zum Projekt und zum Crowdfunding gibt's unter www.startnext.com/we-are-thankful

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare