„Das ist nichts grundsätzlich Neues“

Coronavirus im HSK: Verbände und Ämter rufen zur Besonnenheit auf

Ausnahmeregelung: Apotheken dürfen befristet Mittel zur Händedesinfektion für den privaten Gebrauch mit Industriealkohol herstellen.
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Ausnahmeregelung: Apotheken dürfen befristet Mittel zur Händedesinfektion für den privaten Gebrauch mit Industriealkohol herstellen.

Hochsauerland – Es ist das Thema schlechthin momentan: das Coronavirus. Im Sauerland gibt es bislang keinen Erkrankten – doch die Sauerländer scheinen seit Wochen zu schwanken zwischen Hamsterkäufen, Panik und Gelassenheit. Der SauerlandKurier fragte bei verschiedenen Verbänden und Institutionen nach, wie sie die aktuelle Situation einschätzen. Der Tenor: ein Aufruf zur Besonnenheit.

Andreas Vogd, Apotheker in Schmallenberg und Vorsitzender der Bezirksgruppe Hochsauerland im Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL), berichtet von der aktuellen Lage: „Mund-Nasen-Schutz, wie aus Operationssälen bekannt, sowie Atemschutzmasken sind derzeit ausverkauft und nicht lieferbar.“ Desinfektionsmittel seien kontingentiert, das heißt die Apotheken bekommen allenfalls kleine Menge geliefert. 

„Wir geben diese zunächst an Patienten ab, die aufgrund von Pflegebedürftigkeit oder einer Erkrankung besonderen Bedarf haben“, so Andreas Vogd. Er erklärt: „Einfache Mund-Nasen-Masken, wie aus Operationssälen bekannt, sind für gesunde Patienten unnötig. Diese Masken bieten dem Träger keinen ausreichenden Schutz vor Infektionen.“ Sie seien vielmehr dafür gedacht, Dritte vor einer möglichen Infektion durch den Träger zu schützen, wenn der sich angesteckt hat. 

Coronavirus im HSK: Professionelle Atemschutzmasken „kaum allagstauglich“

„Professionelle Atemschutzmasken (FFP2/FFP3) können antiviralen Schutz bieten, sind aber ebenfalls für gesunde Menschen derzeit nicht notwendig. Sie sind zudem kaum alltagstauglich, da sie die Atmung erschweren und nur für kurze Zeit getragen werden können.“ Diese Masken sollten unbedingt medizinischem Personal vorbehalten bleiben, das (potenziell) infizierte Patienten betreut. 

Apotheken dürfen mittlerweile selbst Desinfektionsmittel herstellen – doch, so Andreas Vogt: Es sind im Moment leider auch die Ausgangsstoffe knapp, aus denen die Desinfektionsmittel hergestellt werden können.“ 

Coronavirus im HSK: Aufruf zur Besonnenheit

Die ABDA, die Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände, stehe derzeit in engem Kontakt mit dem Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels, der mit seinen Mitgliedern intensiv daran arbeitet, dass ausreichend Ausgangsstoffe zur Verfügung stehen. Eines liegt Vogd besonders am Herzen: „Wichtig ist, dass die Patienten besonnen bleiben.“

Auch im HSK kam es laut Handelsverband zu „Hamsterkäufen“ bei vereinzelten Produkten – doch diese seien „unnötig“, so eine Sprecherin.

Für Dr. Peter Kleeschulte, Leiter des Kreisgesundheitsamtes Hochsauerlandkreis, ist die Ausbreitung des Coronavirus eine sehr „dynamische Sache“. „Die Fallzahlen ändern sich stündlich. Es ist weiterhin mit steigenden Zahlen zu rechnen.“ Dass das Virus auch den HSK erreicht, sei eine Frage der Zeit. 

Coronavirus im HSK: Gesundheitsamt spricht Empfehlungen aus

„Schaut man sich die Karte an mit den betroffenen Kreisen und Städten in Nordrhein-Westfalen, stellt man fest, dass fast die Hälfte des Bundeslandes mittlerweile nachgewiesene Fälle hat.“ Im benachbarten märkischen Kreis gibt es bereits drei bestätigte Fälle (Stand: Freitag, 6. März, 10 Uhr). Im HSK, wo es noch keinen bestätigten Fall gibt, waren zuletzt zwei Personen in Quarantäne. „Dabei handelte es sich um eine angeordnete und eine freiwillige Quarantäne. Wir haben bei den beiden Personen Tests durchgeführt, die negativ ausgefallen sind. Sie sind auch komplett symptomfrei“, so Kleeschulte. Inzwischen seien nun zwei weitere Menschen im Kreis in häuslicher Quarantäne. 

Im Hinblick auf die Veranstaltungen, die nun bereits aufgrund der neuartigen Krankheit im HSK abgesagt wurden, stellt der Leiter des Kreisgesundheitsamts klar, dass das Gesundheitsamt dabei nur eine beratende Funktion ausübt. „Wir sprechen lediglich Empfehlungen aus, aber verbieten keine Veranstaltungen. Die Veranstalter treten an uns heran und wir beraten sie dann im Hinblick auf die Risiken.“ Diese „potentiellen Gefahren“ seien auch vom Robert-Koch-Institut umrissen worden. „Es geht dabei um die Frage, wie viele Leute an der Veranstaltung teilnehmen, wie die Belüftung ist, wie dicht die Menschen zusammenstehen und auch ob es Essen und Trinken gibt, wie wird gespült. Es gibt Dinge, die das Risiko erhöhen oder auch herabsetzen können.“ 

Coronavirus im HSK: Hamsterkäufe bei einzelnen Produkten

Die Veranstalter müssten dann selbst entscheiden, ob sie eine Veranstaltung absagen oder stattfinden lassen. „Aber es ist natürlich gerade bei größeren Veranstaltungen schwierig, wenn ein Coronafall auftritt, die Kontaktpersonen zu identifizieren. Stellen Sie sich eine Veranstaltung mit 600 Leuten vor, die alle den Eingang passieren und niemand weiß hinterher, wer da war und wer nicht“, gibt Kleeschulte zu Bedenken. Ähnliche Schutzmaßnahmen habe es etwa bereits beim Ausbruch der Schweinegrippe gegeben. „Das ist nun nichts grundsätzlich Neues.“

 „Trotz faktisch fehlendem Anlass können wir bestätigen, dass es hier und da auch im HSK zu sogenannten ‘Hamsterkäufen’ bei vereinzelten Produkten gekommen ist, insbesondere bei haltbaren Lebensmitteln, wie etwa Nudeln, Reis, Mehl, Konserven und bei Hygieneartikeln“, so Karina Brühmann, Sprecherin des Handelsverbands Nordrhein-Westfalen Südwestfalen e.V. Der Handelsverband NRW rät nicht zu solchen Hamsterkäufen – sie seien unnötig. 

Coronavirus im HSK: Regelungen zur Sonntagsarbeit gelockert

Bei sich eventuell weiter ausdehnenden Quarantänezonen könne es „sicherlich hier und da bei dem ein oder anderen Produkt kurzfristig zu Engpässen kommen“. Grundsätzlich seien jedoch die Lieferstrukturen im Handel effizient und gut vorbereitet, sodass die Versorgung der Bevölkerung gewährleistet sei. 

Maßnahmen, damit die Kunden nicht vor leeren Regalen stehen, seien bereits ergriffen worden. Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW habe kurzfristig Regelungen zur Sonntagsarbeit gelockert, damit betroffene Händler kurzfristig auch an Sonntagen notwendige Kommissioniertätigkeiten in ihren Warenlagern durchführen können. „Ebenso hat der nordrhein-westfälische Verkehrsminister bereits Ausnahmen vom Sonntagsfahrverbot für Lkw zum Transport von Artikeln für Trockensortimente ab sofort erlaubt“, heißt es vom Handelsverband weiter. „Unter Quarantäne gestellte Menschen können ihre Lebensmittel etwa online oder per Telefon beim Händler vor Ort bestellen und auf die vorhandenen vielfältigen Lieferserviceangebote unserer Handelsbetriebe zurückgreifen.“

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