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Historisches Datum: Sauerländer erzählen von erster Wahl nach Wende

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Von: Anna Sartorius

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Ausgelassen freuen sich viele Menschen in der Nacht zwischen dem 2.10. und dem 3.10.1990 auf der Berliner Mauer auf die Wiedervereinigung. Rund eine Million Menschen feierten zu mitternächtlicher Zeit in Berlin die wiedergewonnene Deutsche Einheit.
Ausgelassen freuen sich viele Menschen in der Nacht auf den 3. Oktober 1990 auf die Wiedervereinigung – kurz darauf stand dann die erste gesamtdeutsche Wahl nach der Wende an. © Andreas Altwein/picture-alliance /dpa

Hallenberg/Medebach/Winterberg. Helmut Kohl (CDU) vs. Oskar Lafontaine (SPD) – dieses Duell stand im Fokus der allerersten Bundestagswahl nach der Wende. Dieses historische Datum jährte sich am 2. Dezember zum 25. Mal. Dem Kurier erzählen unter anderem heimische Politiker, wie sie diese Zeit und die Wahl erlebt haben.

Kurz zur Erinnerung: Zwei Monate nach der Wiedervereinigung stand Deutschland vor einer wichtigen Entscheidung. Zum ersten Mal seit 1932 fanden am 2. Dezember 1990 freie Parlamentswahlen im gesamten Land statt. Knapp 78 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Klarer Sieger war die bisherige Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP. 18 Tage nach dem Urnengang, am 20. Dezember, kam der Bundestag zur Konstituierung zusammen – nicht in Bonn, sondern im Berliner Reichstagsgebäude. Am 17. Januar 1991 wählte dann der Bundestag Helmut Kohl zum ersten Bundeskanzler im wiedervereinigten Deutschland (mit 378 Ja-Stimmen gegen 275 Nein-Stimmen und neun Enthaltungen). Hallenberger, Medebacher und Winterberger erinnern sich an die Wahl und die Anfangszeit der Deutschen Einheit:

- Thomas Grosche, Bürgermeister der Stadt Medebach: 

„Ich war damals mit 18 Jahren noch recht jung, stand ein halbes Jahr vor dem Abitur und war politisch zwar interessiert, aber nicht selbst aktiv. Die Wiedervereinigung mitzuerleben war eine hochgradig spannende Angelegenheit. Am 2. Oktober 1990 bin ich mit ein paar Freunden spontan nach Berlin gefahren und wir haben den Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober am Brandenburger Tor gefeiert. Ein tolles Erlebnis. Jubelnde Menschen, ausgelassene Freude, das Feuerwerk über dem Brandenburger Tor und das Gefühl bei etwas Besonderem dabei gewesen zu sein. Für mich war Helmut Kohl der Vater dieser im Oktober 1990 hautnah miterlebten Deutschen Einheit. Die Bundestagswahl im Dezember 1990 war die erste, bei der ich selbst mein ‘Kreuzchen’ machen durfte. Nach dem Wahlergebnis war ich froh, dass Kohl nun auch weiter der Kanzler des vereinten Deutschlands sein konnte.“

-Michael Kronauge, Bürgermeister der Stadt Hallenberg: 

„1990 hatte ich noch nichts mit der Politik zu tun. Für meinen damaligen Arbeitgeber – die Deutsche Angestellten-Krankenkasse – hatte ich die Aufgabe übernommen, im Kreis Worbis in Thüringen eine Geschäftsstelle aufzubauen. Dazu lebte ich für zwei Jahre überwiegend in Leinefelde in Thüringen im fünften Stock eines Plattenbaus in der ‘Straße des Friedens’. Die Einladung der Stadt Hallenberg als Wahlhelfer musste ich damals absagen, da wir am Wahltag eine große öffentliche Veranstaltung in Leinefelde hatten, bei der wir das (west-)deutsche Krankenversicherungssystem vorgestellt haben. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass einige meiner neu eingestellten Mitarbeiter aus Thüringen für den Wahltag ganz bescheiden um Urlaub gebeten haben. Sie waren sehr stolz, als Wahlhelfer einberufen worden zu sein und wollten bei der ersten gemeinsamen Wahl mithelfen.“

-Werner Eickler, Bürgermeister der Stadt Winterberg: 

„Nach dem Jubel des Mauerfalls und der am 3. Oktober 1990 vollzogenen Deutschen Einheit wurde am 2. Dezember in den zwei Wahlgebieten Ost und West gewählt. Das Ergebnis bestätigte das westdeutsche Regierungsbündnis aus CDU/CSU und FDP für ganz Deutschland und es bestätigte Bundeskanzler Kohl als ‘Kanzler der Einheit’ in seinem Amt. Für mich war es die optimistische Haltung von Helmut Kohl, mit der er bereit war, die weitere Entwicklung der inneren Einheit Deutschlands voranzutreiben, wo sich doch so viele Fragezeichen auftaten. Sich damals vorzustellen, wie es heute aussehen könnte oder aussieht – unmöglich und gleichzeitig voller Hoffnung auf ein Gelingen. Da ging es um Arbeit an vielen Fronten. Eine beginnende historische Entwicklung mit enormen, teils noch nicht bekannten Herausforderungen war zu diesem Zeitpunkt nicht durch einen Blick ins Portemonnaie zu stoppen. ‘Gott sei Dank’, sagte der damals 29-jährige Werner Eickler.“

- Stefan Lurch aus Medebach, geboren in Worbis, Thüringen (der Partnerstadt Medebachs): 

„Ich diente vom 3. Mai 1989 bis 3. Oktober 1990 in der NVA und vom 3. Oktober 1989 bis 31. Dezember 1990 in der Bundeswehr. Ich bin also während der Grenzöffnung und Wiedervereinigung von der NVA zur Bundeswehr übernommen worden. Ich diente in der Bundeswehr, im größten Waffenlager und Munitionsdepot der damaligen DDR. Dieses wurde durch Hochspannungszäune bewacht. Diese Sicherung war bei der Bundeswehr nicht mehr erlaubt. Das Lager wurde nun im 24-Stunden-Dienst bewacht. Als wachhabender Unteroffizier sah ich täglich, wie die DDR-Munition vernichtet wurde. Die Bundestagswahl am 2. Dezember 1990 war für meine Kameraden und mich ziemlich unspektakulär. Wir konnten nur per Briefwahl wählen. Ich kann mich aber erinnern, dass wir an diesen Abenden sehr viel über das Ereignis gesprochen haben. Es gab viele Meinungen und dies war unser erster Kontakt zur Demokratie. Damals kannte ich meine Frau Cordula aus Medebach noch nicht. Ich lernte sie erst am Tag der deutschen Einheit 1990 in Worbis kennen.“

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