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„Lage ist dramatisch“: Borkenkäfer wütet wie ein Sturm im heimischen Wald

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Von: Claudia Metten

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Die rapide Vermehrung des Borkenkäfers macht dem Wald schwer zu schaffen.
Die rapide Vermehrung des Borkenkäfers macht dem Wald schwer zu schaffen. © Claudia Metten

Winterberg/Hochsauerland – Der Klimawandel, Stürme, die heißen Sommer 2018 und 2019 sowie die damit verbundene rapide Vermehrung des Borkenkäfers machen dem Wald schwer zu schaffen, rücken den Fichten förmlich auf den „Leib“, sodass nicht nur Forstwirtschaft, sondern auch Waldbauern ein schweres Los zu tragen haben.

„Das massive Problem mit dem Borkenkäfer ist hier im Oberen Sauerland auch in 500 bis 700 Höhenmetern angekommen. Die letzte Bastion des gesamten Fichtenbestandes ist damit erreicht“, so Revierleiter Dirk Hampel, Forstbetriebsbezirk Elkeringhausen. Im Markenwald Winterberg machte der Förster ganz klar deutlich, dass das Fichtensterben durch den Borkenkäfer ein gesamtgesellschaftliches Problem sei. Die Käferholz-Welle rolle ungebremst und der Stehendbefall der Fichten sei inzwischen mehr als deutlich sichtbar. „Der Buchdrucker sucht sich einen Wirtsbaum und befällt ihn. Fünf Tage später kommt das Weibchen und die Paarung erfolgt“, erklärte der Revierleiter. „Nach Larvenfraß und Verpuppung schlüpfen die Jungtiere. Danach fressen sie sich entlang der Rinde, die anschließend abfällt.“ 

Laut Hampel dauert der Zyklus einer Borkenkäfergeneration je nach Witterung zwischen sechs und zehn Wochen. Jedes Weibchen lege im Laufe der Vegetationsperiode zwischen 90.000 und 100.000 Nachkommen. Die Auswirkungen des Klimawandels und die langen warmen Perioden ohne Niederschlag machen den Bäumen zu schaffen. 

Der Dürrestress der vergangenen beiden Jahre und der damit verbundene trockene Boden sei laut Hampel daher ein weiterer tragender Grund, der das Immunsystem der Fichten nunmehr auch im Oberen Sauerland extrem geschädigt habe. Die Fichte halte das wenige Wasser zusammen, spare an der Produktion des Harzes, sodass Buchdrucker und Kupferstecher problemlos ihre Brutstätten zwischen Stamm und Rinde anlegen können. 

„Es wird jetzt immer schlimmer werden“

Das Ergebnis sind kranke, braun gefärbte Fichtenbestände wie beispielsweise im Paderborner Land. „Durch das fehlende Wasser kann sich die Fichte nicht mehr wehren. Dazu der Käfer in diesen Massen und das Ende ist besiegelt. Durch diese Faktoren ist der Punkt erreicht: Es wird jetzt immer schlimmer werden“, so Dirk Hampel. 

Forstamtsleiter Frank Rosenkranz ergänzte, dass die Winddrift dazu beitragen würde Ecken zu befallen, wo sonst keine Borkenkäfer hinkommen würden. Zudem würde es kahle Flächen geben die dem Tourismus nicht dienlich seien. Waldbesitzer Johannes Dollberg, Vorsitzender der FBG Züschen-Höhendörfer und Geschäftsführer des Markenverbandes Winterberg, sprach sogar davon, dass die Lage mehr als dramatisch sei, da das Holz schwer zu vermarkten sei. „Der Markt hat mehr Holz als verarbeitet werden kann. Die Preise sind stark gefallen, haben sich halbiert. Zudem bleibt das Holz lange bis zum Abtransport im Wald liegen, dadurch wird es schlechter qualifiziert“, so Dollberg. „Die Waldbesitzer, die vom Wald leben, stehen vor einem großen Problem. Die wirtschaftliche Lage ist dramatisch.“ 

Die Verkehrssicherheitspflicht sowie die Wiederaufforstung mit teuren Douglasien würden die Waldbesitzer und Waldbauern vor weitere finanzielle Probleme stellen. Der Wald sei in seiner Funktion auf lange Sicht nicht mehr vorhanden. Erosion, starke Regenfälle und die eingeschränkte CO2-Bindung ließen die Klimaschutzziele nur schwer erreichen. „Die Krise wird in den Hochlagen in den nächsten Wochen sichtbar. Niemand hat daran Schuld, das ist ein globales Problem, das wir gemeinsam anpacken müssen“, erklärte Revierleiter Dirk Hampel abschließend.

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