„Seelsorger in der Hölle“

Franz-Stock-Ausstellung im Rathausfoyer Winterberg eröffnet

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Über das Leben und Wirken von Franz Stock referierte Thomas Bertram (3.v.r.), stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Französischen Gesellschaft Arnsberg, anlässlich der Ausstellungseröffnung im Winterberger Rathaus.

Winterberg – „Abbé Franz Stock – das ist nicht nur ein Name, das ist ein Programm“, so die Worte von Papst Johannes XXIII. im Jahr 1948 – dem Jahr, in dem Franz Stock im Alter von nur 43 Jahren verstirbt. Sein Leben verschrieb er einer größeren Sache – nämlich der Aussöhnung und Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich in Folge des Zweiten Weltkriegs.

Zu Ehren des gebürtigen Neheimers macht die Wanderausstellung „Franz Stock – Versöhnung durch Menschlichkeit“ ab dieser Woche Halt im Foyer des Winterberger Rathauses – und auch darin ist der Name Programm. „Mit der Ausstellung wollen wir ein Zeichen setzen, indem wir zeigen, was Menschlichkeit bedeutet und wie wir diese verinnerlichen können“, erklärt Bürgermeister Werner Eickler am Beispiel des Priesters und Gefängnisseelsorgers Franz Stock. Als Gast und Referenten begrüßte Eickler zur Eröffnung den stellvertretenden Vorsitzenden der Deutsch-Französischen Gesellschaft Arnsberg Thomas Bertram. Geboren im Jahr 1904 in Arnsberg-Neheim war das Leben Franz Stocks von Beginn an durch den katholischen Glauben in seinem Elternhaus geprägt. Bereits mit zwölf Jahren entwickelte sich der Wunsch, Priester zu werden und im Sinne der Nächstenliebe zu handeln. Parallel zu seiner religiösen Berufung beschloss er, sich für die Völkerverständigung einzusetzen, insbesondere zwischen der deutschen und französischen Jugend. Nach Studienaufenthalten ab 1928 in Frankreich wurde er 1934 schließlich zum Pfarrer der deutschsprachigen katholischen Gemeinde in Paris bestellt – eine Tätigkeit, die er 1940 nach kurzer Unterbrechung wegen des Kriegsausbruchs fortsetzte.

In den Herzen lebt Franz Stock bis heute weiter

Als der Seelsorger der Gefängnisse von Paris während der nationalsozialistischen Besatzungszeit ist Franz Stock in die Geschichte eingegangen. Franzosen gaben ihm die Bezeichnung “L’Archange en enfer – Der Erzengel in der Hölle”. Nach der Besetzung Frankreichs betreute er französische Gefangene in drei Pariser Wehrmachtsgefängnissen und somit rund 2000 Menschen bis zu deren Erschießung. Seine Berufung war es, unsägliches Elend zu lindern, von der Besatzungsmacht Verurteilte – ungeachtet ihrer religiösen oder politischen Einstellung – auf ihr Lebensende vorzubereiten und sie bis zum Ende – bis zur Hinrichtungsstätte auf dem Mont Valérien zu begleiten. Neben dieser an sich schon harten und leidvollen Tätigkeit benachrichtigte er insgeheim die Familien der Gefangenen und, wo es möglich war, warnte er die Widerstandskämpfer vor den ihnen drohenden Gefahren. Heute ist der Platz vor dem „Mémorial de la France Combattante“, das an den Widerstand der Franzosen gegen die deutsche Besatzungsmacht erinnert, nach Abbé Franz Stock benannt. 

1944 wurde Franz Stock nach der Befreiung Frankreichs als Kriegsgefangener interniert, nahm sich 1945 trotz schwerer gesundheitlicher Angeschlagenheit dennoch einer weiteren Aufgabe an: der Leitung eines Seminars im Kriegsgefangenenlager in Le Coudray bei Chartres. Dort wurden in Gefangenschaft geratene deutschsprachige Theologiestudenten zusammengeführt. So ist das „Priesterseminar hinter Stacheldraht“ entstanden, in dem von 1945 bis 1947 etwa 1000 junge Menschen auf ihre zukünftigen Aufgaben in einem neuen Europa vorbereitet wurden. Heute befindet sich in dem historischen Gebäude die „Europäische Begegnungsstätte Franz Stock Chartres“. Am 24. Februar 1948, Franz Stock war keine 44 Jahre alt, starb der Priester plötzlich und völlig unerwartet in Paris. Da Franz Stock offiziell Kriegsgefangener war, wurde sein Tod nicht öffentlich bekanntgegeben und auch seine Angehörigen durften nicht zur Beerdigung anreisen. 

Ein gutes Dutzend Menschen nahmen an der Beisetzung auf dem Friedhof Thiais teil – in den Herzen der Menschen lebt Franz Stock jedoch bis heute weiter.

Besucher können die Ausstellung noch bis zum 27. März zu folgenden Öffnungszeiten im Foyer des Winterberger Rathauses besuchen: Montag bis Donnerstag 8.30 bis 16 Uhr und Freitag 8.30 bis 12.30 Uhr.

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