„Auf dem richtigen Weg“

Interview: Pastor Norbert Lipinski feiert 25-jähriges Priesterjubiläum

Pastor Norbert Lipinski, Leiter des Pastoralverbundes Winterberg.

Winterberg – Vor 25 Jahren ist Pastor Norbert Lipinski, Leiter des Pastoralverbundes Winterberg, zum Priester geweiht worden. Von Beuthen/Oberschlesien, seinem Geburtsort, ist er nach mehreren Stationen (wir berichteten am Samstag) in Winterberg heimisch geworden. In dieser Zeit hat er viele erfüllende Momente erlebt, ebenso stand er vor zahlreichen Herausforderungen. Nun spricht Pastor Lipinski im Interview mit Kurier-Redakteurin Anna Sartorius über 25 Jahre Priestersein, über ebendiese Herausforderungen früher und heute – und über das, was die Zukunft wohl bringen mag.

Kurier: Wenn Sie auf 25 Jahre Priestersein zurückschauen: Gab es eine Situation, an die Sie sich stets erinnern werden?

Norbert Lipinski: Mittlerweile habe ich in fünf Gemeinden gewirkt, eine bestimmte Situation herauszustellen ist schwer. Erinnern werde ich mich immer an die gute Zusammenarbeit und die Herzlichkeit, mit der ich überall aufgenommen wurde. Ein Höhepunkt war natürlich die Priesterweihe im Hohen Dom zu Paderborn – der Beginn eines wunderbaren, erfüllenden Lebens.

Kurier: Was genau erfüllt Sie an Ihrer Arbeit?

Lipinski: Die Vielseitigkeit der Aufgaben als Pastor ist sehr erfüllend. Ich habe zu tun mit ganz kleinen und älteren Menschen, vom Kind bis zum Senioren. Mit all diesen Menschen möchte ich den Weg zu Gott gehen – wichtig dabei ist, den Weg gemeinsam zu gehen, und das mit Freude. Diese Aufgabe erfüllt mich vollkommen.

Kurier: Bestimmt gab es auch Herausforderungen.

Lipinski: Jedes Amt, das ich innehatte, stellte mich vor neue Herausforderungen. Als ich zum Beispiel 2013 nach Winterberg gekommen bin, sind zwei Pastoralverbünde zu einem großen Pastoralverbund zusammengelegt geworden. Es war anfangs schwer, sich zurechtzufinden und diese Aufgabe zu stemmen.

"Wir als Kirche dürfen nicht nur 'verpennte' Dinge nachholen. Wichtig: Wir müssen agieren."

Kurier: Und heutzutage?

Lipinski: Die Probleme, die die Kirche hat, gehen mir sehr nahe, sie machen mich sehr betroffen. Die Missbrauchsfälle erschüttern mich tief, da macht man sich große Gedanken.

Kurier: Wie sollte die Kirche handeln?

Lipinski: Wir müssen offen und ehrlich mit den Menschen umgehen, wir müssen über Ängste und Wünsche sprechen, die Sorgen der Menschen ernstnehmen. Natürlich auch bei Kindern und Jugendlichen: Wir müssen die Sprache der Jugend wieder erlernen, das liegt mir sehr am Herzen. Wir dürfen uns nicht zurückziehen, sondern müssen im Gespräch bleiben. Ich möchte mit Menschen gemeinsam einen Weg finden und diesen dann auch gemeinsam gehen.

Kurier: Wie kann das aussehen?

Lipinski: Wir als Kirche müssen reagieren und agieren – wichtiger ist agieren. Wenn wir ausschließlich reagieren, holen wir von uns ‘verpennte’ Dinge nur nach, das reicht nicht aus. Wir müssen agieren, innovative Ideen aufzeigen und vorausblicken.

Kurier: Lassen Sie uns für einen Moment zurück- anstatt vorausblicken. Würden Sie persönlich etwas anders machen in Ihrem Leben?

Lipinski: Nein. Ich würde immer denselben Weg gehen und Priester werden wollen – aus voller Überzeugung. Und immer, wenn ich diese Frage mit ‘Nein’ beantworte, weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin, trotz aller Höhen und Tiefen.

Kurier: Was passiert, wenn Sie diese Frage einmal mit ‘Ja’ beantworten?

Lipinski: Dann würde ich mich ins Gespräch begeben mit Gott und meinen Freunden. Bei mir ist es aber so: Ich möchte private Probleme nicht heraufbeschwören und denke im Vorfeld nicht über so etwas nach. Falls solche Probleme auftauchen, dann befasse ich mich natürlich intensiv mit ihnen.

Kurier: Und ein Blick in die Zukunft: Was wünschen Sie sich für die Ihrige?

Lipinski: Natürlich möchte ich endlich die Meisterschale in den Händen des FC Schalke 04 sehen. (lacht). Besonders die Feier zu meinem silbernen Priesterjubiläum hat mir gezeigt, dass ich hier in Winterberg angekommen bin. Dass sich so viele Menschen Gedanken gemacht haben, rührt mich sehr. Der einfachste Test: Jedes Mal, wenn ich von einem Urlaub wieder nach Winterberg zurückkehre, freue ich mich und denke: ‘Zuhause ist es doch am schönsten’. Hier gehöre ich hin. So schnell werden mich die Winterberger nicht mehr los (lacht).

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