1. SauerlandKurier
  2. HSK
  3. Winterberg

Unfallserie im Bikepark Winterberg: Das sagen der Betreiber und eine Verunglückte

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Claudia Metten

Kommentare

Adrenalin pur: Das bietet der Bikepark in Winterberg. In letzter Zeit kam es jedoch zu zahlreichen Unfällen.
Adrenalin pur: Das bietet der Bikepark in Winterberg. In letzter Zeit kam es jedoch zu zahlreichen Unfällen. © Bikepark Winterberg

Im Bikepark in Winterberg kam es in letzter Zeit zu zahlreichen Unfällen. Einer davon endete tödlich. Was der Betreiber und eine junge Verunglückte zu der Unfallserie sagen und was unternommen wird, um solche Unfälle zu vermeiden.

Winterberg – Den Hang herunter rasen und Gas geben, das Adrenalin in den Ohren spüren und den besonderen Kick erleben. Für viele Mountainbikefahrer ist Downhill fahren – Bergabfahrt – und Freeriden – eine Strecke mit künstlichen Hindernissen bewältigen – das absolute Fahrerlebnis mit Highspeed auf zwei Rädern.

Doch wie gefährlich der Mountainbike-Sport sein kann, zeigte sich in den vergangenen Wochen mehrfach im Bikepark in Winterberg.

Was wird unternommen, um solche Unfälle zu vermeiden?

Nachdem bereits im Juli ein 50-jähriger Fahrradfahrer bei einem Unfall ums Leben gekommen ist, geschahen in den Wochen davor und danach weitere Unfälle. Erst am 6. August gab es erneut schwere Unfälle im Bikepark Winterberg. Wie reagiert der Betreiber darauf? Und vor allem: Was wird unternommen, um solche Unfälle zu vermeiden?

„Trotz größter Sicherheitsvorkehrungen passieren Unfälle auf den Strecken“, sagt Nico Brinkmann, Betreiber des Bikeparks. „Der Unfall mit Todesfolge als auch die Helikoptereinsätze waren der Auslöser für die hohe mediale Aufmerksamkeit. So ein tragischer Unfall ist zum Glück erst zweimal innerhalb der 20 Jahre unseres Bikeparks passiert.“

Der tödlich verunglückte Fahrer sei ein erfahrener Bikeparkgast gewesen, der die Strecke oft und immer vorbildlich mit Schutzkleidung gefahren sei. Am Unfalltag sei er jedoch laut Angaben seiner Begleitung nicht ganz auf der Höhe gewesen, ergänzte der Bikeparkchef, sodass es an einer „unspektakulären Stelle“ zu dem schlimmen Sturz gekommen sei.

„Es gibt nicht mehr Unfälle als in den Jahren zuvor“

Nico Brinkmann bedauert zutiefst jeden noch so kleinen Sturz, sagt aber auch ganz klar: „Es gibt nicht mehr Unfälle als in den Jahren zuvor. Mountainbikefahren ist eine Risikosportart, genau wie alpines Bergsteigen oder Motocrossfahren. Jeder sollte wissen, worauf er sich einlässt.“

17-Jährige Verunglückte äußert sich

Das wusste auch Yasmin Schumacher aus Arnsberg. Die 17-jährige Mountainbikefahrerin hatte sich vor zwei Jahren bei einem Sprung in Winterberg verletzt; der Lenker ihres Bikes hatte sich in den Bauch gerammt, sodass die Milz gerissen war. Trotzdem sagt sie: „Ich war viel zu schnell, habe mich an die Geschwindigkeit meiner vorherfahrenden Freunde angepasst. Durch mein geringes Gewicht bin ich zu weit geflogen. Dadurch kam es zu dem Unfall. Generell kann man sagen, dass die meisten Unfälle im Bikepark eigenverschuldet sind – durch zu schnelles Fahren oder Selbstüberschätzung.“

„Trotz größter Sicherheitsvorkehrungen passieren Unfälle“, sagt Bikepark-Betreiber Nico Brinkmann.
„Trotz größter Sicherheitsvorkehrungen passieren Unfälle“, sagt Bikepark-Betreiber Nico Brinkmann. © Claudia Metten

Betreiber Nico Brinkmann setzt deshalb nach eigener Aussage auf hohe Sicherheitsstandards. „Allein auf den Strecken sind sieben Mitarbeiter in Vollzeit unterwegs, die sich um die Streckenpflege, Instandhaltung, Sicherung und Nachbearbeitung sowie den richtigen Sitz der Polster kümmern. Jeden Morgen und Abend kontrollieren sie vor und nach Betriebsbeginn alle Strecken, räumen Äste und Sträucher aus dem Weg.“

Ausgearbeitetes Rettungskonzept

Ein ausgearbeitetes Rettungskonzept mit Schildern im Bikepark mit Notrufnummer, die Empfehlung vorab eine Fahrradschule zu buchen, überall ausgeschilderte Strecken nach drei Kategorien – blau zum Lernen, rot für fortgeschrittene Biker und schwarz für sehr geübte Fahrer – und ausgebildete Rettungssanitäter im Team, sorgen trotz aller Risiken beim Mountainbikefahren für ein Höchstmaß an Sicherheit. Kinder unter 16 Jahren dürften darum auch nur mit der Einverständniserklärung der Eltern oder zusammen mit ihnen auf den Strecken fahren. Für jeden Bikeparknutzer besteht zudem die Vorschrift, immer einen Fullface-Helm zu tragen, auf schweren Strecken ergänzend dazu zum Schutz Vollprotektoren.

„Meine Mannschaft absolviert jedes Jahr einen Erste-Hilfe-Kurs speziell für Bikepark-Bedürfnisse. Außerdem werden jedes Jahr vor Saisonbeginn alle Strecken von einem Sachverständigen und Gutachter kontrolliert. Das Gutachten wird anschließend vom Bauamt freigegeben. Vorher dürfen wir gar nicht öffnen“, sagt Brinkmann. „Wir haben zudem alle Stellen nach den Unfällen genauestens kontrolliert, nicht an einer Stelle musste nachgearbeitet werden.“

Mehrere Unfälle, einer davon tödlich

Bei einem tödlichen Unfall im Juli stürzte ein 49-jähriger Fahrradfahrer in einen etwa drei Meter breiten und eineinhalb Meter tiefen Graben und verstarb anschließend im Krankenhaus an den Folgen seiner Verletzung. Bei weiteren Unfällen verunglückte ein 13-Jähriger aus Ahaus mit seinem Mountainbike auf der North Shore Strecke und ein 30-jähriger Mann aus Lemgo in einer steilen Kurve. Erst in der vergangenen Woche verletzte sich ein zwölfjähriger Junge schwer. Er war laut Polizeiangaben auf einer der Strecken im Winterberger Bikepark mit seinem Mountainbike von der Piste abgekommen und gegen einen Baum gekracht. Trotz Schutzkleidung habe er bei dem Unfall erhebliche Verletzungen erlitten. Die Verunglückten wurden jeweils mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen.

Auch interessant

Kommentare