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Königspaar ruft zu Kronkorkenspende für schwerstbehindertes Mädchen auf

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Von: Lars Lenneper

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Dieses Lächeln ist die pure Lebensfreude und hat Uwe und Elke Susewind zu der Sammelaktion bewegt. Foto: privat
Dieses Lächeln ist die pure Lebensfreude und hat Uwe und Elke Susewind zu der Sammelaktion bewegt. © privat

Winterberg/Verbreitungsgebiet. „Wenn Lotti lächelt, dann strahlt alles um sie herum mit. Sie ist ein richtiger Sonnenschein“, sagt Uwe Susewind. In seinen leuchtenden Augen ist dabei abzulesen, wie tief ihn die positive Aura aber auch das schwere Schicksal des siebenjährigen, schwerstbehinderten Mädchens aus Raumland bei Bad Berleburg bewegen. So sehr, dass es sich der 53-jährige amtierende Regent der Winterberger Schützengesellschaft zur Aufgabe gemacht hat, Lotti und ihren Eltern buchstäblich unter die Arme zu greifen. Denn da Lotti wegen eines unbekannte Gendefekts weder sprechen, noch laufen noch alleine sitzen kann, möchten die Eltern jetzt einen speziellen Schwenk-Hubsitz anschaffen, mithilfe dessen das Mädchen vom Rollstuhl ins Auto gehoben und während der Fahrt fixiert werden kann. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten nicht, sodass Uwe Susewind gemeinsam mit Ehefrau und Königin Elke und dem gesamten Winterberger Hofstaat die wohl einmalige Aktion „Kronkorken sammeln für Lotti“ ins Leben gerufen hat. Und das Beste daran: Jeder kann mitmachen.

„Entstanden ist die ganze Sache zunächst eigentlich aus einer Bierlaune heraus“, berichtet Uwe Susewind im Gespräch mit dem SauerlandKurier. Bei der Nachfeier am Schützenfestmontag im Juni dieses Jahres kam die frisch gebackene Majestät plötzlich mit der merkwürdig anmutenden Idee um die Ecke, im gesamten Regentschaftsjahr Kronkorken für einen guten Zweck sammeln zu wollen – nichtsahnend, dass er damit eine beispiellose Welle der Solidarität lostreten würde.

"Man kann gar nicht genug Respekt vor der Familie mit ihrem Schicksal haben"

„Kronkorken sind ein Wertstoff und in meinen Augen kein Müll. Zudem kosten sie nichts extra und jeder hat zu Hause irgendwo Flaschen mit Kronkorken rumfliegen“, erklärt der gebürtige Siedlinghäuser den Hintergrund der Aktion. Ursprünglich sei es nur darum gegangen, dass Königspaar und Hofstaat gemeinsam bis zum nächsten Winterberger Schützenfest eine rund 250 Liter umfassende Säule mit Kronkorken füllen wollten, so Susewind. „1.000 Euro traue ich uns zu“, versprach der König an diesem Tag vermeintlich vollmundig. Doch schon kurze Zeit später spürte er anhand der vielfältigen Reaktionen, dass sich mit dieser Idee etwas noch viel Größeres für den guten Zweck bewegen lässt. Die Frage war zu diesem Zeitpunkt nur: was?

Klar war für Uwe und Elke Susewind lediglich, dass sie gerne jemanden unterstützen möchten, der bisher weitestgehend ohne Spenden auskommen muss und bei dem sie im Idealfall hautnah miterleben dürfen, wie die Hilfe ankommt. Eine befreundete Journalistin stellte schließlich den Kontakt mit der kleinen Lotti und ihren Eltern Steffi und René aus Raumland her. Schon die erste Begegnung hat beim Winterberger Königspaar nachhaltige Spuren hinterlassen – und das nicht nur wegen Lottis herzerwärmendem Lächeln. „Lotti ist nicht nur schwerstbehindert, sondern hat auch noch epileptische Anfälle. Da sie sich nicht ausdrücken kann, geschieht dies oft unbemerkt, sodass sie ständig beobachtet werden muss. Man kann gar nicht genug Respekt davor haben, wie die Familie mit diesem Schicksal umgeht, ihr Leben und ihren Alltag meistert und dabei noch so sympathisch, bescheiden und fast schon demütig bleibt“, sagt Uwe Susewind sichtlich bewegt.

Von der Bierlaune zur Herzensangelegenheit

Spätestens mit diesem ersten Treffen wurde für ihn und seine Frau aus der ursprünglichen Schnapsidee eine echte Herzensangelegenheit. Seitdem haben es sich Uwe und Elke Susewind zur Aufgabe gemacht, die rund 6.000 Euro für den Schwenk-Hubsitz zusammenzubekommen. Doch da die Götter vor den Erfolg bekanntermaßen den Schweiß gesetzt haben, hieß es zunächst „Klinken putzen.“ Vor allem im näheren Umfeld und bei befreundeten Königspaaren wurde für die gute Sache geworben. „Am Anfang mussten wir den Leuten teilweise wirklich ganz schön hinterherlaufen, dann hat das Ganze irgendwann eine Eigendynamik angenommen“, so Susewind.

Sie behalten beim Kronkorkensammeln stets den Durchblick: Das Winterberger Königspaar Uwe und Elke Susewind (kniend, Mitte) mitsamt ihres Hofstaates. Foto: Lars Lenneper
Sie behalten beim Kronkorkensammeln stets den Durchblick: Das Winterberger Königspaar Uwe und Elke Susewind (kniend, Mitte) mitsamt ihres Hofstaates. © Lars Lenneper

Medial unterstützt vor allem durch WhatsApp-Gruppen und einen eigenen Facebook-Auftritt schlug die Sammelaktion immer höhere Wellen. Mittlerweile hat sich ein regelrechter Hype entwickelt, der weit über die Grenzen des Hochsauerlandkreises hinaus reicht. Privatpersonen, Einzelhändler, Hotels, Vereine, Clubs, Feuerwehren, Polizeiwachen, Krankenhäuser, Discotheken und viele mehr – alle machen mit. Nahezu täglich kommen neue Sammler auf der Facebook-Seite dazu. In Lennestadt-Grevenbrück etwa nimmt ab sofort die Lessing Realschule während der Schulzeit (7.30 bis 13 Uhr) Kronkorken für Lotti an. Auch die Dorfgemeinschaft in Birkelbach ist vom Sammelfieber gepackt – vom Schützenverein über die Feuerwehr bis zu den Sportfreunde Birkelbach 1921 beteiligen sich alle an der Aktion für den guten Zweck. In Schmallenberg-Gellinghausen steht genauso wie in Züschen der gesamte Ort hinter der Aktion. Der Musikverein Erlinghausen hatte jetzt nicht nur den König eigens zu seinem Konzert eingeladen, sondern auch auf Initiative der Jungmusiker auf jedem Tisch ein Sammelglas für Lotti aufgestellt. Neben Kronkorken ist dort auch die ein oder andere Geldspende gelandet.

"Jeder Kronkorken zählt" 

Denn natürlich ist es auch möglich, statt mit Kronkorken das Projekt finanziell zu unterstützen. Unter dem Stichwort „Lotti“ hat die befreundete St.-Sebastian-Schützenbruderschaft Küntrop ein eigenes Spendenkonto eingerichtet (Volksbank MK: Verwendungszweck: „LOTTI“. IBAN DE14 4476 1534 0015 2274 02).

„Die Resonanz ist wirklich überwältigend. Und man merkt einfach, dass alle dasselbe Ziel haben. Die

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Dieses süße Kronkorken-Logo entwarf Lisa Susewind, die Tochter des Königspaares, eigens für die Aktion.

Gemeinschaft verbindet – da kriege ich jedes Mal wieder Gänsehaut“, erklärt Uwe Susewind, der als selbstständiger Kunststoffverarbeiter für Kraftwerke und Müllverbrennungsanlagen auch deutschlandweit viel unterwegs ist. Das erklärt, warum unter anderem auch eine Firma aus Kiel oder ein Schützenverein aus München zu den Mitsammlern zählen. Die größte Spende bisher kam allerdings aus dem Sauerland. 1,25 Tonnen (rund eine halbe Millionen Kronkorken) stellte ein privater Sammler aus dem Olsberger Raum zu Verfügung.

Wer sich weiterhin an der Aktion beteiligen möchte, kann einfach via Facebook-Nachricht oder per Handy unter Tel. 01 63/5 71 93 57 Kontakt aufnehmen und alles weitere klären. Abgegeben werden können die Kronkorken wiederum in Siedlinghausen, Burmeckestraße 6a, oder in Winterberg, Schanzenstraße 29. Die Aktion läuft noch bis 18. Juni 2018 (Winterberger Schützenfest), ein Verwerter, der die Kronkorken für den Gegenwert abnimmt, ist bereits gefunden. „Aber die Summen und Mengen sind bei Weitem nicht so wichtig. Entscheidend ist, dass es von Herzen kommt. Und deshalb gilt nach wie vor: Jeder Kronkorken zählt“, wirbt Uwe Susewind um jeden weiteren Spender.

Denn eines ist klar: Sollte am Ende das Geld für den Schwenk-Hubsitz zusammenkommen, dann hätte Lotti endlich ihren eigenen „Thron“. Und das Winterberger Königspaar könnte mit noch leuchtenderen Augen von der ansteckenden Lebensfreude des „kleinen Sonnenscheins“ berichten.

Info: Infos zu Spendern, Hintergründen und Möglichkeiten der Teilnahme gibt es hier.

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