Konsequenz aus Bund-Länder-Beschlüssen

Stadt Winterberg forciert Umsetzung des Modellregion-Projektes

Bürgermeister Michael Beckmann und Winterberg forcieren die Umsetzung des Modellregion-Projektes.
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Bürgermeister Michael Beckmann und Winterberg forcieren die Umsetzung des Modellregion-Projektes.

„Die Ergebnisse der Bund-Länder-Konferenz vom vergangenen Montag sind auch Tage danach für die Tourismus-Destination Winterberg überwiegend ernüchternd“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von Stadt, Winterberg Touristik und Wirtschaft GmbH sowie des Stadtmarketingvereins. Öffnungsschritte würden zurückgenommen, Geschäfte müssten wieder schließen, eine Perspektive für die Tourismus-Branche insgesamt sei nicht zu erkennen. Dennoch forciert die Stadt die Umsetzung ihres Modellregion-Projektes.

Winterberg - Die Analyse dieser Marathon-Sitzung sowie der jüngsten Entwicklungen seitens der Stadtverwaltung, der Winterberg Touristik und Wirtschaft GmbH sowie des Stadtmarketingvereins falle entsprechend kritisch aus, doch sie beschränke sich keineswegs nur darauf, die Maßnahmen zu kritisieren, heißt es weiter.

Angesichts der existenzbedrohenden Lage für viele Unternehmen und Beschäftigten sowie der zuletzt zunehmend von führenden Vertretern der Landesregierung und von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Deutschen Bundestag am Mittwoch artikulierten Tendenz pro Modellregionen gehe Winterberg jetzt konsequent einen Schritt weiter. Die Ereignisse der letzten Tage werden zum Anlass genommen, die zumindest mögliche Umsetzung des als „Pinkwart-Papier“ mittlerweile überregional bekannten und geschätzten Modellprojekts zur schrittweisen Öffnung der Tourismusbranche in der heimischen Ferienregion spürbar zu forcieren und bei entsprechender Genehmigung zeitnah zu realisieren.

Die jüngsten positiven Signale bezüglich dieser Pläne aus Düsseldorf und Berlin machten Mut und geben Hoffnung, dass Winterberg zumindest gute Chancen habe, tatsächlich zeitnah zur Modellregion erklärt zu werden. Die Voraussetzungen dafür in puncto Infrastruktur sowie Konzeption habe Winterberg bereits weitestgehend geschaffen, an den letzten Feinheiten und Details werde aktuell mit Hochdruck gearbeitet. Gerne gehört und willkommen in Winterberg seien diesbezüglich die Äußerungen von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet im Zuge der Rücknahme der Oster-Ruhetage.

Laschet habe in diesem Zusammenhang die Pandemiebekämpfung wie in Tübingen gelobt. Einer Stadt, die schon jetzt als Vorzeige-Modellregion gelte und an deren Handeln sich Winterberg orientiere. Ein Dreiklang aus impfen, testen und digitaler Kontaktnachverfolgung solle deshalb dafür sorgen, dieses Modell auch auf andere Regionen zu übertragen.

„Wir haben die Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz sehr genau gelesen und die Entwicklungen der letzten Tage verfolgt. Zunächst sind wir grundsätzlich dankbar dafür, dass in den Beschlüssen die Etablierung von Modellregionen weiter angestrebt wird. Dennoch müssen wir konstatieren, dass auch weiterhin die aktuellen Ergebnisse der Konferenz für unsere touristisch geprägte Wirtschaftsregion mit den vielen engagierten Unternehmen und Beschäftigten auch vor dem Hintergrund möglicher Mallorca-Reisen ein schwerer Rückschlag sind. Umso höher ist nun die Entwicklung zu bewerten, dass sich die Idee der Modellregionen nun immer mehr verfestigt. 

Bürgermeister Michael Beckmann, Winfried Borgmann Geschäftsführer WTW und Julia Aschenbrenner vom Stadtmarketingverein

„Wir haben die Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz sehr genau gelesen und die Entwicklungen der letzten Tage verfolgt. Zunächst sind wir grundsätzlich dankbar dafür, dass in den Beschlüssen die Etablierung von Modellregionen weiter angestrebt wird. Dennoch müssen wir konstatieren, dass auch weiterhin die aktuellen Ergebnisse der Konferenz für unsere touristisch geprägte Wirtschaftsregion mit den vielen engagierten Unternehmen und Beschäftigten auch vor dem Hintergrund möglicher Mallorca-Reisen ein schwerer Rückschlag sind. Umso höher ist nun die Entwicklung zu bewerten, dass sich die Idee der Modellregionen nun immer mehr verfestigt. Nun gilt es, diese Entwicklungen aufzunehmen und im Sinne unserer Stadt, unserer Unternehmen und Menschen – wie bisher immer schon geschehen – mit klaren Taten und Konzepten umzusetzen. Dies werden wir tun“, betonen Michael Beckmann, Winfried Borgmann und Julia Aschenbrenner.

Hatte das „Pinkwart-Papier“ und das darin konkret und detailliert beschriebene Konzept einer touristischen Modellregion Winterberg schon vor der Bund-Länder-Konferenz eine übergeordnete Rolle eingenommen, nehmen die Vorbereitungen für eine möglichst baldige Umsetzung des Vorhabens nun nochmals mehr Tempo auf. „Wir haben viele unserer Hausaufgaben bereits gemacht und arbeiten stetig daran, die verbliebenen Aufgaben schnell und gezielt zu erledigen. Es liegt ein detailliertes Konzept vor, das Testzentrum am Oversum wurde am Mittwoch wie geplant eröffnet und die Städte des HSK haben sich kreisweit dafür entschieden, die Luca-App zur digitalen Kontakterfassung und -nachverfolgung einzusetzen. So wird sichergestellt, dass die Umsetzung möglichst schnell und reibungslos über Regionen hinweg funktioniert sowie die App-Nutzer lediglich eine App herunterladen müssen. Eine Insellösung für Winterberg wäre diesbezüglich der falsche Ansatz“, so Borgmann, der sich auch über das Interesse weiterer Orte und des Sauerland Tourismus an dem Modellvorhaben freut. An den Details werde fieberhaft gearbeitet. Winterberg habe auch im Zuge seines ganz bewusst gewählten „Winterberger Weges“ die Basis geschaffen, um als Modellregion zeitnah zu starten. „Wann ein Start unter welchen Voraussetzungen möglich wäre, muss noch geklärt werden. Klar ist, ohne Genehmigung der Landesregierung geht es nicht“, so Borgmann. Eine Umsetzung noch vor oder während der Osterferien sei aktuell unwahrscheinlich. Nun herrsche ein wenig mehr Zuversicht, dass Winterberg bald schon Modellregion sein könnte, zumal Winterberg bei einer Umsetzung weit oben auf der Liste möglicher Regionen stehe.

Orientierung am Tübinger Modell

Die Verantwortlichen in Winterberg orientieren sich mit ihrem Konzept zumindest teilweise am Tübinger Modell. Heißt, die Bürger sowie eine bestimmte Anzahl an Gästen würden bei einer Umsetzung der Pläne künftig auch in Winterberg durch einen tagesaktuellen, kostenlosen Test im Testzentrum sowie über die Bereitschaft, sich über die Luca-App erfassen zu lassen, bei einem negativen Testergebnis ein so genanntes Tagesticket erwerben. „Damit soll es dann möglich sein, in Geschäften zu bummeln, die Gastronomie zu genießen und auch Freizeitangebote in Anspruch zu nehmen wie beispielsweise Sommerrodelbahn, Zip-Line oder Minigolf“, sagt Julia Aschenbrenner. Neben der Gastronomie könne so auch der Handel wieder belebt werden.

Wichtig dabei sei, dass das Angebot in erster Linie für Winterbergs Bürger gilt, über ein kontingentiertes Angebot aber auch Tagesgästen zugänglich gemacht werden soll. Aktuell werde mit Hochdruck daran gearbeitet, im Detail zu erfassen, welche Angebote mit einem Tagesticket in Anspruch genommen werden können und dürfen. „Wir wollen es jetzt so konkret wie eben möglich nach Absprache mit dem Land gestalten. Unsere Botschaft ist klar: Winterberg ist vorbereitet und kann sehr schnell, sehr präzise und mit der nötigen Infrastruktur loslegen. Dies haben wir den Verantwortlichen in Land und Bund auch bereits mitgeteilt am Dienstag“, sagt Beckmann, der zudem betont, dass bei allen Maßnahmen immer der Schutz der Gesundheit der heimischen Bevölkerung im Mittelpunkt stehe.

Apropos Bund und Land, ungeachtet der Modellregion-Offensive und der damit verbundenen, möglichen Perspektiven lässt Beckmann auch die politischen Akteure mit Blick auf die seit Monaten fehlenden Öffnungsperspektiven insbesondere für die Tourismus-Branche nicht aus der Verantwortung. „Wir erwarten, dass insbesondere mit Blick auf die jüngsten Beschlüsse sowohl die ausgewiesenen Tourismus-Destinationen selbst wie Winterberg als auch deren Unternehmen und Dienstleister finanzielle Entschädigungen erhalten für den wirtschaftlichen Schaden, der in den letzten Monaten entstanden ist. Auch dies werden wir auf den entsprechenden politischen Ebenen einfordern“, so Beckmann. Schließlich gehöre zur viel beschworenen Solidarität zum Schutz der Menschen und ihrer Gesundheit insbesondere auf der anderen Seite auch das Geben.

Winterberg, die Wirtschaft und die Bevölkerung habe in diesen Zeiten viel in die Solidarität investiert, dies gelte es jetzt finanziell zu würdigen.

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