WDR5-Stadtgespräch in Winterberg

Kontroverse Diskussion: Ist Wintersport im Sauerland Zukunfts- oder Auslaufmodell?

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Judith Schulte-Loh (links) moderierte die Diskussion zwischen Michael Beckmann, Karsten Schwanke, Prof. Ralf Roth und Dirk Jansen.

Winterberg/Hochsauerland. Hat der Wintersport im Sauerland noch ein Zukunft oder ist er ein Auslaufmodell? Wie lange sind die Pisten im Hochsauerland noch schneesicher und was hat der technische Schnee für Auswirkungen auf die Umwelt? Diese und weitere Fragen bezüglich des Klimawandels wurden am Donnerstagabend im WDR5-Stadtgespräch in der Stadthalle im Winterberger Oversum diskutiert.

Strittige Themen, die zwischen dem Klimaexperten und TV-Meteorologen Karsten Schwanke, Natursport-Experte Prof. Ralf Roth, Dirk Jansen vom BUND in NRW und Winterbergs Tourimusdirektor Michael Beckmann nicht immer auf den gleichen Nenner gebracht werden konnten. Während Beckmann ein ganz klar bekennendes Ja zum Wintersport auf Sicht der kommenden bis zu 20 Jahre von sich gab, äußerte Schwanke starke Bedenken. „Was wir erleben, sind keine Erwärmungen von einem Grad. Klimaforscher sagen, in 80 Jahren wird sich weltweit die Temperatur auf vier bis fünf Grad erhöhen, in Europa sogar auf sechs bis sieben Grad.“ 

Beckmann erwiderte hingegen: „Wechselhaftes Wetter – was bedeutet das? Nach dem heißen vorangegangenen Sommer dachten wir erst, es gibt dieses Jahr keinen Winter, haben dann aber eine Variabilität festgestellt. Die Sommer sind zwar wärmer geworden, die Winter haben sich aber seit 20 Jahren temperaturmäßig gehalten. In den 50er- und 60er-Jahren hatten wir auf dem Kahlen Asten eine Durchschnittstemperatur von minus drei Grad, 2000 bis 2010 waren es durchschnittlich minus ein Grad.“

"Wird es nicht mehr lange geben"

Dirk Jansen: „Der Klimawandel ist da. Die Schnee- und Frosttage nehmen ab und es fällt mehr Niederschlag. Den Skisport als Natursport wird es nicht mehr lange geben.“ Immer nur eine subjektive Betrachtung oder doch begründete Sorgen um die Zukunft? Insgesamt 670 Schneekanonen beschneien derzeit mit viel Energie die Pisten im Hochsauerland. Von den örtlichen Touristikern und Skiliftbetreibern befürwortet, von den Umweltschützern wenig toleriert. Der Energie- und Wasserverbrauch zur Herstellung des Kunstschnees, der CO2-Ausstoß sowie die stundenlange Anreise mit dem Pkw standen genauso auf der Agenda als auch die Sorge um die Pisten selbst. 

„Skisport ist Motorsport. Bei der Anreise allein wird viel Treibhausgas in die Luft gejagt. Beschneiungsanlagen in den Alpen verbrauchen genauso viel Kilowatt Strom wie eine Stadt mit 500.000 Einwohnern. Sie sind mit 115 Dezibel so laut wie ein Presslufthammer. Meine Vorstellung von Naturtourismus ist das nicht“, erklärte Dirk Jansen, Geschäftsführer BUND NRW. 

Michael Beckmann setzte ganz klar dagegen, dass die Skipisten rund um Winterberg FFH-Gebiet (Fauna, Flora, Habitat) seien und im Sommer von den Skiliftbetreibern bewirtschaftet werden, dort viele seltene Pflanzen wachsen. „Die Bergwiesen sind extrem geschützt. Nachweislich wachsen dort 50 seltene Blütenpflanzen. Das Geräuschvolumen unterliegt strengen Gesetzen und Lärmschutzgutachten wurden gemacht. In den 20 Jahren Wintersportarena waren die Temperaturen konstant. Das können wir durch eigene Aufzeichnungen belegen“, erklärte Geograph Meinolf Pape aus Winterberg. 

"Nach geltendem Recht"

Beckmann hinsichtlich des Ausbaus der Skischaukel zwischen Alt- und Neuastenberg: „Herr Jansen soll sich im Sommer die Bergwiesen selbst anschauen und zukünftig gleich bewirtschaften. Die Skivernetzung funktioniert nach geltendem Recht. Winterberg setzt sich nicht drüber hinweg.“ Natursport-Experte Prof. Ralf Roth: „Technischer Schnee besteht aus Wasser und Luft. Die Beschneiung führt nicht automatisch zum Nachteil. Außerdem ist Schnee in den höheren Lagen ein Alleinstellungsmerkmal und erfreut Personen ab zwei Jahren bis 99 Jahre. Das sollten sich die Regionen so lange erhalten, auch wenn durch Kunstschnee ausgeglichen werden muss.“ 

Technischer Schnee als Garant für Pistensicherheit, erweiterte touristische Angebote für die Winter- als auch Sommermonate, Visionen wie verbesserte Parklight Systeme, Anbindung der Bahnhöfe in der Region an die Skigebiete stehen nach eigenen Angabe bei den Winterbergern genauso auf der To-Do-Liste wie Gegensteuerung im Bereich Klimawandel. „Die Menschen kommen auch zu uns, um sich zu bewegen, selbst wenn es neben der Piste mal grün ist. Es geht um den Lebensstil, um das Gemeinschaftserlebnis im Schnee“, lautete das abschließende Fazit von Michael Beckmann.

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