50-jähriger Winterberger verurteilt

Urteil im Missbrauchs-Prozess gefallen: Angeklagter muss für vier Jahre in Haft

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Vier Jahre Haft lautet das Urteil gegen den 50-jährigen Angeklagten aus Winterberg.

Winterberg/Arnsberg - Das Urteil im Prozess gegen einen 50-jährigen Winterberger, der sich unter anderem wegen mehrfachen schweren sexuellen Missbrauchs an seiner Tochter vor der Großen Strafkammer als Jugendschutzkammer am Landgericht Arnsberg verantworten musste, ist gefallen: Der Angeklagte muss für insgesamt vier Jahre in Haft wegen schweren sexuellen Missbrauchs in einem Fall und sexuellen Missbrauchs in vier Fällen, alle Fälle in Tateinheit mit dem Missbrauch Schutzbefohlener und der Herstellung kinderpornografischer Dateien in Form von Fotos.

Am letzten Verhandlungstag wurde das Opfer unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Beisein von Richter, Mutter, Staatsanwalt und einer Polizistin, zu der sie Vertrauen aufgebaut hat, vernommen.

Im Anschluss gab der zuständige Sachverständige Prof. Dr. Boris Schiffer seine Einschätzung hinsichtlich des Angeklagten ab. Dabei bescheinigte er ihm in seinem psychiatrischen Befund depressive Neigungen und verantwortungsloses Verhalten, weil er einen Therapieversuch überhaupt nur aufgrund massiven Drängens seiner Ehefrau unternommen hatte. 

Sachverständiger attestiert pädophile Nebenströmung

Des Weiteren bescheinigte der Gutachter mangelnde Verantwortungsbereitschaft, weil der Angeklagte Taten im häuslichen Umfeld durchgeführt habe. In einem anderen Umfeld wären die Taten möglicherweise nicht passiert. „Seelische Abartigkeit“ hingegen konnte der Gutachter nicht eindeutig diagnostizieren, für sein Dafürhalten handele es sich um einen Grenzfall. „Die Pädophilie ist in sein Persönlichkeitsgefüge integriert“, befand der Gutachter. Ob der Angeklagte voll steuerungsfähig sei, vermochte der Sachverständige nicht final zu beurteilen. Er bescheinigte dem Sexualstraftäter zwar eine pädophile Nebenströmung, hielt ihm aber zugute, dass er jahrzehntelang seine Neigung „nur“ mit dem Konsum von kinderpornografischen Dateien ausgelebt habe, ohne massiv zum Täter zu werden. „Ihm war aber klar, dass hinter jedem Foto ein sexueller Missbrauch steht“, gab Schiffer zu Protokoll.

Rückfallrisiko „gleich Null“

Zum „Hands-on-Täter“ sei er erst geworden, als ungünstige Lebensumstände aufeinandertrafen wie beispielsweis gravierende Eheprobleme. Konkret habe es in der Beziehung jahrelang keinen Geschlechtsverkehr mehr gegeben. Durch die Präsenz der Tochter, verbunden mit der sexuellen Anziehung, sei es schließlich zum Ausleben des Triebes gekommen, jedoch nicht zum tatsächlichen Geschlechtsverkehr. Eine „pädophile Abartigkeit“ könne nicht ausgeschlossen werden, wenngleich das Rückfallrisiko „gleich Null“ sei, da sich der Angeklagte nach einer Haft nicht wieder in seinem gewohnten Umfeld bewegen werde.

Die anschließenden Plädoyers fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Gericht wertet "umfassendes Geständnis" des Angeklagten

In seiner Urteilsbegründung bewertete das Gericht die Einlassung des Straftäters als „umfassendes Geständnis“. Der Angeklagte hatte am dritten Verhandlungstag weitere sexuelle Übergriffe an dem minderjährigen in seinem Haushalt lebenden Mädchen eingeräumt. Hinzu kam in der Beurteilung der Kammer die fachliche Einschätzung des Sachverständigen Prof. Dr. Boris Schiffer, der sich zwei Stunden lang zu Verhalten, Persönlichkeit als auch zukünftiger Entwicklung des Angeklagten geäußert hatte. Richter Daniel Langesberg begründete sein Urteil damit, dass man sich auf die angeklagten fünf Taten konzentriert und weitere Vorwürfe nur marginal beachtet habe.

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